BDI gibt Takt an

BDI gibt Takt an

Mit Pauken und Trompeten in eine „Art Kriegsvorbereitung“

Bundeskanzler Friedrich Merz gab die Tonart an: „Die Bundesrepublik Deutschland ist nur dann stark in Europa und kann auch nur dann ihre Interessen auf der Welt wahrnehmen, wenn sie selbst stark ist. Und stark zu sein in diesen Zeiten, heißt, … verteidigungsfähig zu werden. Ich sage bewusst 'zu werden'; denn wir sind es nicht mehr.“

Von Klaus Wallenstein
Mit Pauken und Trompeten in eine „Art Kriegsvorbereitung“
GEREON RCS-Drohne (Bild: ARX Robotics)

Der Chef des Bundeswehrverbandes André Wüstner stimmte den Bundestag mit seiner Melodie ein, die nicht zufällig wie „Preußens Gloria“, dem Parademarsch des Musikkorps der Bundeswehr, klingt („Du geliebtes Vaterland! Sei stark mit Gottes rechter Hand!“): „Die Rüstungsindustrie muss schneller als bisher ihre Produktionskapazitäten erhöhen, idealerweise endlich in einen Mehrschicht-Betrieb übergehen und gleichzeitig gemeinsam mit der Bundesregierung einen ,Kick-Down‘ entwickeln, um bei weiterer Eskalation in eine Art Kriegswirtschaft zu gelangen“. (Siehe auch Chef des Bundeswehrverbands will "eine Art Kriegswirtschaft")

 

Den Takt hatte Peter Leibinger, der Präsident des BDI auf der Münchner Sicherheitskonferenz vorgegeben. Dafür brauche es eine starke Industrie, Spitzentechnologie und ein breites Verständnis der Öffentlichkeit für die Bedrohungslage neue Technologien auch schnell in Produkte und Systeme umzusetzen, die sich gerade im Spannungs- oder Verteidigungsfall massenhaft produzieren lassen. Er nannte als Beispiele unter anderem Munition, Drohnen, Kommunikationssysteme und Sensorik. Außerdem müsse die Politik schneller als bisher Rüstungsaufträge erteilen.

 

Seitdem wird im Gleichschritt nach der „Art Kriegsvorbereitung“ marschiert: Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat Rolls-Royce Power Systems damit beauftragt, das Antriebssystem für das europäische Hauptkampfsystem Main Ground Combat System (MGCS) zu entwickeln. Rolls Royce Power Systems und ZF entwickeln dafür erstmals weltweit einen parallel hybriden Antrieb für schwere militärische Kettenfahrzeuge. „Wir sind stolz darauf, einen wichtigen Beitrag für ein kompaktes und leistungsstarkes Antriebsmodul zu leisten, um den Fahrzeugen die notwendige Mobilität und Reaktionsfähigkeit zu verleihen.“

 

Der Haushaltsausschuss hat am 25. März 2026 einem Änderungsvertrag zur möglichen Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU durch ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS).zugestimmt. Ferner die „Beschaffung Fregatte 126 – Alternative Plattform“ in der Höhe von insgesamt 240 Millionen Euro und dann rund 56 Millionen Euro die „weitere teilweise Aufhebung der qualifizierten Sperre der Ausgaben im Wirtschaftsplan 2026 des Sondervermögens“.

 

Als Schirmherr der „Enforce Tac“ hatte Bundeskanzler Friedrich Merz "Deutschlands Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung" zur Chefsache gemacht. Sie fand vom 23. – 25. Februar 2026 im Nürnberger Messezentrum mit rund 1400 Ausstellern aus 50 Ländern sowie mehr als 20.000 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern statt. Ein Ort, an dem frühere Bundeswehroffiziere, Behörden, Streitkräfte, Politik, Wissenschaft und Industrie zusammenkommen, wie Merz sagt.

 

Saab, das in Nürnberg sein größtes deutsches Werk betreibt, früher für Autos bekannt, entwickelt heute unter anderem Kampfflugzeuge, Torpedos und Bodenwaffen. Das Nürnberger Unternehmen Diehl war mit seiner Sparte Diehl Defence vertreten, die Flugzeugbewaffnung für den Luftkampf und Munition herstellt. Arx Robotics aus München präsentierte die neueste Variante seines Fahrzeugs Gereon, ausgestattet mit dem Panzerabwehrsystem Enforcer von MBDA Deutschland. Nach eigenen Angaben sind sie der wichtigste westliche Lieferant der Ukraine für unbemannte Landsysteme. Ebenfalls vertreten war Elbit Systems Deutschland, die Tochter eines der größten israelischen Rüstungsunternehmen. Laut unabhängigen Datenbanken stammt ein Großteil der von der israelischen Armee eingesetzten Drohnen von Elbit. Das israelische Militär hat darüber hinaus öffentlich gemacht, dass bewaffnete Drohnen des Unternehmens im Gazastreifen verwendet werden.

 

Neben VW, das den verstärkten Einstieg in die Rüstungsproduktion diskutiert, folgen insbesondere Unternehmen der Autoindustrie dem Auftrag von Leibinger. Für diese ist das Event „European Defence Supply“ am 28. und 29. April 2026 in München von zentraler Bedeutung. Dort vernetzen sich zivile Technologieanbieter mit der Verteidigungsindustrie. Dort kommen speziell Industrieunternehmen, Tech-Innovatoren und Beschaffer aus staatlichen und supranationalen Organisationen an einem Ort zusammen.

 

Die Aktie von Saab, dem neuen Hauptsponsor des 1. FCN (2. Bundesliga) stieg zwischen Ende Februar 2022 (Beginn des Ukraine-Kriegs) und Ende Juni 2025 von 52,95 Euro auf 527,60 Euro ein Anstieg um 896,41 Prozent. Zahlreiche Fans werfen dem Verein vor, sich von Kriegsprofiteuren instrumentalisieren zu lassen. Auch der Verweis des FCN auf angeblich "gemeinsame Werte" mit Saab stößt bei Evelyn Schötz (Die Linke) auf Kritik: „Dass die Clubführung das Engagement von Saab als Symbol für 'Verantwortung' verkauft, ist eine gefährliche Verdrehung der Begriffe. (…) Fußball braucht Mut zur Haltung. Ich fordere die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg auf, diese Partnerschaft zu beenden – und sich wieder auf das zu besinnen, was diesen Verein ausmacht: Leidenschaft, Zusammenhalt und Menschlichkeit.“

 

Etwa 400 Menschen haben in der Nürnberger Innenstadt gegen die Waffenmesse Enforce Tac demonstriert. Die Demonstration in der selbsterklärten Stadt der Menschenrechte und des Friedens wurde initiiert von der Organisierten Autonomie Nürnberg. Der Aufruf wurde von einem Bündnis von 40 Gruppen, Organisationen und Parteien getragen. Das Motto des Protests lautete: »Enforce Tac schließen – Gegen die Kriegsmesse in Nürnberg! Ungehorsam jetzt! Zusammen kämpfen gegen Waffenhandel, Aufrüstung und Krieg!«