"Keine Gnade mit dem Feind"

"Keine Gnade mit dem Feind"

Die Religionen und der Krieg im Nahen und Mittleren Osten

Der imperialistische Krieg im Nahen und Mittleren Osten geht weiter. Auffällig ist, wie dabei die Botschaften der Religionen von den Imperialisten missbraucht werden, um Krieg und Faschismus zu rechtfertigen.

Von cw
Die Religionen und der Krieg im Nahen und Mittleren Osten
(shutterstock_2746598201)

Als Ende Februar die Operation „Epischer Zorn“ begann und USA und Israel den Iran angriffen, war es für den US-Kriegsminister Hegseth der Aufbruch zu einem „Amerikanischen Kreuzzug“. Er versprach den US-Soldaten, dass sie ewiges Leben erhalten würden, wenn sie „für ihre Einheit, ihr Land und ihren Schöpfer“ sterben. (1) Sie sollten „keine Gnade“ mit den Feinden haben. Sie kämpfen sozusagen in einem heiligen, von Gott gewollten Krieg.

 

Der christlichen Fundamentalismus war früher in der US-Geschichte nicht so extrem verbreitet. Aber jetzt ist die Situation anders: Dieser Fundamentalismus ist direkt in der US-Regierung präsent. „Die Vorsehung unseres allmächtigen Gottes beschützt diese Truppen“, meint Hegseth. Er will die Armee ohne Einschränkungen zu „tödlichen Kriegern“ ausbilden, die keinerlei Skrupel haben, jedwede Gewalt einzusetzen. Der imperialistische Bombenangriff, der am ersten Kriegstag auch eine Schule von Minab im Iran zerstörte und bei dem rund 170 Kinder getötet wurden – das darf kein Grund für Gewissensbisse sein. Respektierung des Völkerrechts oder von Einschränkungen bei der Anwendung von Gewalt - „Alles dumme Einsatzregeln“, erklärte Hegseth: „Der Iran-Krieg sollte nie ein fairer Kampf sein, und er ist es nicht. Wir prügeln auf sie ein, während sie am Boden liegen, und genauso sollte es auch sein.“ (2)

 

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Solche Formulierungen finden sich ziemlich ähnlich bei allen, die die Religion als Brandbeschleuniger für Faschismus und ihre imperialistischen Kriege missbrauchen. Schon bevor Israel zu einem imperialistischen Staat heranwuchs, machte der „Zionismus“(3) aus der jüdischen Religion nach und nach eine elitäre Weltanschauung. Mit der Theorie vom „auserwählten Volk“ begründet der israelische Staat seinen imperialistischen Herrschaftsanspruch. Und so erklärt der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu das aktuelle Kriegsgeschehen zur Durchsetzung eines Groß-Israel als Kampf zwischen den «Kindern des Lichts» und den «Kindern der Finsternis». (4)

 

Bei der iranischen faschistischen Regierung ist der Unterschied zu den USA, dass im heutigen Iran der Islam von Anfang an Staatsreligion war. So wurde ein Alleinvertretungsanspruch der fundamentalistischen Ideologie überall mit Gewalt durchgesetzt. Diese Unterdrückung führt natürlich auch dazu, dass sich viele Menschen von den Religionsvorstellung der Herrschenden distanzieren oder sich von der Religion überhaupt abwenden.

 

In den USA wird mit der „Pfingstbewegung“ der wortwörtliche Glaube an die Bibel mit staatlicher Unterstützung verbreitet, werden wissenschaftliche Erkenntnisse wie die Evolutions-Theorie oder zur sich ausprägenden globalen Umweltkatastrophe einfach geleugnet. Verteufelt werden Homosexualität und Schwangerschaftsabbruch.

 

Natürlich darf man nicht den christlichen, islamischen oder zionistischen Fundamentalismus gleichsetzen mit dem Glauben dieser drei monotheistischen Religionen. Zur aktuellen Entwicklung der christlichen Religionsgemeinschaften in den USA erklärt der USA-Kenner Autor Arnd Henze: „Die Bindung an das Christliche, die Nächstenliebe usw. ist dem christlichen Fundamentalismus im Prozess der Radikalisierung immer mehr verloren gegangen.“ Inzwischen hätten sich die eigentlich weltoffenen Kirchen wie Lutheraner, Methodisten und Anglikaner in die resignative Nische zurückgezogen. (5)

 

Für Marxisten-Leninisten ist der Glaube eine Privatangelegenheit und wir treten für die Trennung von Kirche und Staat ein. Der Kampf gegen den Faschismus und gegen die wachsende Weltkriegsgefahr ist aber im Interesse aller, die nicht in der kapitalistischen Barbarei untergehen wollen. Er braucht den Zusammenschluss über alle weltanschaulichen und politischen Grenzen hinweg – mit Christen, Juden, Muslimen, Atheisten und Marxisten-Leninisten. Dazu weisen wir aber darauf hin, dass der Imperialismus als Wurzel der zunehmenden imperialistischen Kriege beseitigt und der echte Sozialismus als Alternative erkannt werden müssen.