Artensterben

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Die Ölförderung im Golf von Mexiko wird ausgeweitet

Die USA setzten am 31. März ein Gesetz außer Kraft, das Meerestiere im Golf von Mexiko schützen sollte. Die dort bereits umfangreiche Ölförderung kann weiter ausgeweitet werden.

Nationale Sicherheitsinteressen wögen schwerer als der Schutz der Natur, beschloss ein Gremium namens Endangered Species Committee nach kurzer Beratung einstimmig. Das Komitee tagte erst das vierte Mal seit seiner Gründung 1978 und das erste Mal seit 1992. Es trägt den Spitznamen «God Squad» (Gottesteam). Nicht ohne Grund: Im Golf von Mexiko gibt es 20 bedrohte Tierarten. Für einige Spezies wie die Atlantik-Bastardschildkröte könnte der Beschluss die Auslöschung bedeuten. Von der Art der Rice-Wale leben gar nur noch 51 Tiere.

 

Die USA nutzten damit eine Notfallklausel im Endangered Species Act, die es erlaubt, aus wichtigen Gründen nationale Interessen über den Schutz der Natur zu stellen. Das Hauptargument: Der Krieg im Iran setze die US-Energieproduktion derart unter Druck, dass es unerlässlich sei, die Ölförderung auszuweiten. Dieser Meinung sind jedenfalls US-Präsident Trump und sein Kriegsminister Pete Hegseth.

 

Bereits im Vorfeld gab es an dem Treffen erhebliche Kritik. Zahlreiche Nichtregierungs- und Umweltorganisationen und einige wissenschaftliche Expertinnen und Experten zweifelten an, dass wirklich eine Notlage vorliegt. Unternehmen hätten im Golf von Mexiko im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Barrel Öl gefördert - obwohl sie dabei auf gefährdete Arten Rücksicht nehmen mussten. Insgesamt steuere das Land derzeit auf Rekordfördermengen zu, fasst "Inside Climate News" zusammen.

 

Unfälle wie die Deepwater-Horizon-Katastrophe 2010 beeinflussen das marine Leben im Golf von Mexiko dagegen noch heute. Fische, Vögel und andere Meerestiere werden durch Giftstoffe aus tausenden inaktiven Öl- und Gasbohrlöchern langsam vergiftet. Ihr Lebensraum schrumpft immer weiter. Viele Meeressäuger verletzen sich bei Kollisionen mit Schiffen, der Lärm beeinträchtigt die Tiere zusätzlich.

 

Bisherige Beschlüsse der Kommission seien unter Einbezug zahlreicher Experten wie Biologen, Ökologen und anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefasst worden. Die Beratungen hätten sich teilweise wochenlang hingezogen. Diesmal sei der Beschluss nach nur 30 Minuten ohne Mitwirkung Externer gefasst worden.