Ostsee

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Der Buckelwal, der ewig nicht sterben durfte

Buckelwal Timmy liegt im Sterben. Besser gesagt: Endlich darf er sterben. Er war ein sterbenskrankes Tier, das sich in eine biologische Sackgasse verirrt hatte. Schon bei seiner ersten Strandung vor dem Timmendorfer Strand hatte er kaum noch geatmet.

Korrespondenz

Die echten Experten sahen es sofort: Das Tier hatte extrem geringe Überlebenschancen. Es signalisierte eindeutig: „Lasst mich in Frieden sterben." Es gab Bagger, Bootswellen, Helfertrupps, Kamerateams, Politiker-Statements und eine Flut von „Rettet-Timmy"-Posts.

 

Millionen von Menschen zeigten echte Anteilnahme. Doch die Verantwortlichen boten in erster Linie Pseudo-Hilfe, die vor allem eines brachte: zusätzlichen Stress für ein Wesen, das längst sterben wollte. Jedes Mal, wenn es kurz zur Ruhe kam, wurde es wieder aufgescheucht: „Wir müssen ihn animieren!" Ja, zum Weiterleiden animieren. Zur Verlängerung eines qualvollen Todeskampfs in einer verseuchten Ostsee.

 

Am Ende stunden dieselben Experten und Politiker da und verkünden feierlich: „Wir lassen ihn jetzt in Ruhe sterben." Während im Nahen Osten der Iran-Krieg tobt – mit Raketen, Toten, Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran, steigenden Ölpreisen und der Gefahr eines größeren Flächenbrands – fieberten die bürgerlichen Medien einseitig mit einem gestrandeten Wal mit. Ein Tierdrama mit guter Beleuchtung und emotionalen Bildern ist für diese attraktiver als harte Nachrichten aus einem echten Krieg. Hauptsache, die mediale Öffentlichkeit ist beschäftigt und bürgerliche Politiker können sich moralisch inszenieren, weil sie angeblich „etwas für die Tiere tun".

 

Das war kein Tierschutz. Es war Tierquälerei mit guter Quote und medial eine bewusste Ablenkung von Kriegen, die echte Menschenleben kosten, sowie von Tierquälerei im imperialistischen Krieg und in der kapitalistischen Industrie.