Pressemitteilung
Assyrische Organisationen verurteilen Besuch von Ahmed al-Scharaa in Berlin scharf
Mit tiefer Empörung und großer Besorgnis verurteilen der Assyrische Kulturverein e. V. Saarlouis sowie die Assyrische Autonomiebewegung e. V. Saarland den Besuch des syrischen Machthabers Ahmed al-Scharaa in Berlin.
„Dieser Besuch ist nicht nur ein politischer Fehler, sondern ein moralisch nicht vertretbares Signal“, erklären Charli Kanoun, Vorsitzender des Assyrischen Kulturvereins, und Majed Bahi, Vorsitzender der Assyrischen Autonomiebewegung. „Während unser Volk seit Jahren unter Gewalt, Vertreibung und existenzieller Bedrohung leidet, wird einem Verantwortlichen für diese Zustände eine politische Bühne geboten.“
Besonders schmerzhaft ist für unsere Gemeinschaft die Erinnerung an die Zeit, in der Ahmed al-Scharaa als führende Figur extremistischer Strukturen wie der Al-Nusra-Front bekannt war. In genau dieser Zeit haben wir als assyrische Christen unsägliches Leid erfahren: Entführungen, Vertreibungen, zerstörte Kirchen, bedrohte Familien und die ständige Angst um das eigene Leben. Viele unserer Dörfer wurden entvölkert, viele unserer Menschen mussten fliehen – bis heute leben sie im Exil, entwurzelt und traumatisiert. „Diese Vergangenheit ist für uns nicht abgeschlossen – sie lebt in unseren Erinnerungen weiter. Viele von uns haben Angehörige verloren oder mussten ihre Heimat für immer verlassen. Dieses Leid kann und darf nicht ignoriert werden“, betonen Kanoun und Bahi. Die assyrischen Organisationen verweisen zudem auf die weiterhin dramatische Lage religiöser Minderheiten in Syrien. Insbesondere Christen seien massiven Einschränkungen und wachsendem gesellschaftlichem Druck ausgesetzt.
Aktuelle Entwicklungen wie das weitgehende Verbot von Alkohol, Einschränkungen der persönlichen Freiheit von Frauen – etwa beim äußeren Erscheinungsbild – sowie zunehmende Vorschriften zur Trennung von Männern und Frauen im Alltag, auch in Bereichen wie dem Friseurhandwerk, seien alarmierende Zeichen. „Diese Maßnahmen greifen tief in das tägliche Leben ein und bedrohen die kulturelle und religiöse Identität unserer Gemeinschaft.“ Darüber hinaus weisen die Organisationen darauf hin, dass gegen Ahmed al-Scharaa in mehreren europäischen Ländern juristische Verfahren anhängig sind. Auch aus dem Saarland wurde Klage eingereicht, die weiterhin verfolgt wird. „Für uns ist dies eine Frage der Gerechtigkeit. Das Leid der Opfer darf nicht relativiert oder vergessen werden.“ Die Verbände kritisieren, dass ein solcher Besuch das falsche Signal sende und die Glaubwürdigkeit europäischer Werte wie Menschenrechte, Religionsfreiheit und Schutz von Minderheiten untergrabe.
„Wer einem solchen Machthaber eine Bühne gibt, riskiert, das Vertrauen der Opfer endgültig zu verlieren. Politische Gespräche dürfen nicht auf Kosten von Wahrheit, Erinnerung und Gerechtigkeit geführt werden.“
Abschließend fordern der Assyrische Kulturverein e. V. Saarlouis und die Assyrische Autonomiebewegung e. V. Saarland eine klare Haltung der deutschen Politik sowie eine stärkere Unterstützung für verfolgte Christen und andere bedrohte Minderheiten in Syrien.