12. April

12. April

Lagergemeinschaften Buchenwald-Dora wollen keinen Redner Wolfram Weimer bei der Gedenkveranstaltung!

Die fortschrittliche Organisation Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost veröffentlichte auf ihrer Webseite einen aktuellen Artikel zur offiziellen Buchenwald-Gedenkveranstaltung am 12. April 2026. Rote Fahne News dokumentiert den Artikel.

Letztes Jahr brachten sie einen Juden zum Schweigen. Dieses Jahr soll Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auftreten, während er Filmfestivals und Buchläden mit staatlicher Zensur verfolgt.  Bereits letztes Jahr fand die offizelle Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen KZs Buchenwald während des von Deutschland mitgetragenen Völkermords in Palästina statt.

 

Dabei ließ sich die Leitung einer Gedenkstätte an Völkermord von einem Staat, der wegen Völkermords vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt ist, diktieren, wer sprechen soll: Auf Druck der israelischen Botschaft hin lud man den jüdischen Philosophen Omri Boehm* aus. Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung soll Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister sprechen. Dieser hat sich mit mehreren Skandalen in der Kulturszene in den letzten Monaten als zentraler Verfechter der steigenden staatlichen Zensur in Deutschland gezeigt. Im Februar forderte Weimer den Rücktritt von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, weil sie auf einem Foto mit einer Kufiya zu sehen ist. Kürzlich ließ das Kulturstaatsministerium dann mehrere linke Buchläden von der Preisträgerliste des Buchhandelspreises streichen, weil sie staatskritische Bücher verkaufen.

 

Nun haben auch die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora und die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V. sich gegen die geplante Ansprache Weimers auf dem ehemaligen Appellplatz ausgesprochen. In einem Brief an Weimer hieß es: “Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt.”

 

Mechanismen der Gleichschaltung von Staatsinteressen und Kulturproduktion, bei der Filme und Bücher kontrolliert und zensiert werden, sind u.a. aus der Nazi-Herrschaft bekannt. Trotzdem hält die Leitung der Gedenkstätte Buchenwald es für angebracht, Wolfram Weimer bei der Gedenkveranstaltung am 12. April reden zu lassen. Er wird bei einer Veranstaltung sprechen, die an den deutschen Faschismus erinnern soll, während er gegenwärtig faschistische Tendenzen vorantreibt. Indem Weimer als Staatsbeamtem von der Gedenkstätte eine Bühne geboten wird, stellt die deutsche Erinnerungspolitik bloß, was sie eigentlich ist: ein nationales Projekt zur Machterhaltung. Eine Symbolpolitik, bei der Jüdinnen und Juden zu politischen Objekten gemacht werden und sich entweder als Marionetten deutscher Interessen verhalten dürfen, oder ausgegrenzt werden. Die Konsequenzen tragen unsere Geschwister in Palästina, Libanon, Iran, Deutschland, die mithilfe dieser Erinnerungspolitik rassistisch verfolgt, abgeschoben, vertrieben und getötet werden. 

 

*Omri Boehm hatte im Jahr zuvor, im März 2024, den renommierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Bei dieser Preisverleihung hatte Wolfram Weimer seine Finger noch nicht mit im Spiel ...