Salzgitter
Anti-Rassismus-Tag in Salzgitter: Grußwort von MARIKANA ausgegrenzt
Wie jedes Jahr fand am 21. März in Salzgitter der Anti-Rassismus-Tag statt. Ca. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen dazu an den Turm der Arbeit. Es gab ein schönes Kulturprogramm und auch für das Essen wurde gut gesorgt. Im Mittelpunkt standen Redebeiträge verschiedenster Organisationen und Parteien.
Der Tag gegen Rassismus wurde von der UNO 1966 ausgerufen, aus Anlass des Massakers in Sharpeville / Südafrika. Eine gute Gelegenheit für ein Grußwort der Deutsch-Südafrikanischen Freundschaftsgesellschaft MARIKANA an die Anwesenden. Das wurde aber bereits im Vorfeld nicht zugelassen, mit der Begründung, „es sei schon alles abgesprochen“. Nun, wer die Gegebenheiten unter den organisatorisch Verantwortlichen kennt, weiß – das stimmt. Es war tatsächlich „alles abgesprochen“! Da war dann auch kein Platz mehr für ein Grußwort von MARIKANA. Es gab gute Redebeiträge, die die Situation und Erfahrungen der Redner deutlich machten. Es gab klare Redebeiträge, die die rassistische, unsoziale und militaristische Politik der Regierung angriffen und auch von der Situation der „Klasse der Arbeiter“ sprachen. Allerdings fehlte die klare Ansage: Rassismus gibt es so lange, wie es Kapitalismus gibt, denn der Rassismus hat hier seine Wurzeln.
In Salzgitter haben sehr viele Arbeiterinnen und Arbeiter einen migrantischen Hintergrund. Empört wurde auch der Beschluss des Stadtrates Salzgitter durch CDU und SPD verurteilt, zu prüfen, ob Flüchtlinge zur Zwangsarbeit eingespannt werden können – für ein Almosen von 80 Cent die Stunde.
Wenn man dabei war und anschließend die Berichterstattung auf der offiziellen IG-Metall-Homepage liest, reibt man sich die Augen. Die in den Redebeiträgen zum Teil deutlich ausgeführten Gegensätze zur herrschenden Politik scheinen es kaum zu geben. Stattdessen heißt es unter anderem: „Das gemeinsame Essen verlieh dem Tag ein starkes Bild gelebter Gemeinschaft: Jung und Alt, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hintergründe saßen zusammen und tauschten sich aus – für diesen Moment waren die vermeintlichen gesellschaftlichen Differenzen aufgehoben.“ (IG Metall Salzgitter-Peine, 23.3.26)
Aus realen gesellschaftlichen Gegensätzen werden „vermeintliche Differenzen“, die „für einen Moment aufgehoben werden!“
Die Differenzen waren sichtlich auch nicht an diesem Tag aufgehoben. Das zeigte sich bei der Spendensammlung für „Gaza muss leben“. Einhellig war die Empörung über die Situation in Gaza und die Verurteilung der Verantwortlichen, was auch in den 70 Euro an Spenden zum Ausdruck kam. Einige wollen auch bei der Gruppe „Palästina muss leben!“, die am 26. März in Salzgitter gegründet werden soll, mitmachen.