Betriebsversammlung bei Ford Köln
Klare Haltung gegen Kriegswirtschaft
Offen wie nie präsentierte sich die arbeiterfeindliche Politik von Ford und der deutschen Geschäftsleitung. Scheinheilig schleimte die Geschäftsleitung in Person von Herrn Wassenberg, sich bei den Kollegen ein, mit einem Danke für alle, die an der Arbeitsplatzvernichtung mitgearbeitet haben, und auch an die, die jetzt noch hier sind. Als hätten die Kollegen das alles „freiwillig“ und gerne gemacht.
Nach dem Dank kommt dann das große Gejammer, dass ja die Rahmenbedingungen so schlecht sind, mit dem sich verschärfenden Konkurrenzkampf, den Kriegen usw. Die E-Auto-Prämie hilft auch nicht viel, auch wenn Herr Wassenberg sie begrüßt. Nach der Logik muss sich die Geschäftsleitung für das Werk in Köln nicht festlegen, sondern abwarten, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln.
Dafür gibt es aber die nächste Verschlechterung für die Kollegen: Von wegen Vereinbarkeit von Familie und Beruf – die Betriebsvereinbarung zu Homeoffice und mobilem Arbeiten wird gekündigt und durch die Einigungsstelle entschieden, nachdem der Betriebsrat nicht zugestimmt hatte. Allen Kollegen, die es geschafft haben, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, bei den ständigen Kita- und Schulschließungen, wurde somit ein Arschtritt verpasst.
Ein Thema, das nicht nur der Betriebsratsvorsitzende Benjamin Gruschka „zum Kotzen“ findet, ist, dass sich Ford um eine Tarifzahlung drücken will. Eigentlich ist klar: Ford muss zahlen, da 2024 Gewinn gemacht wurde, und zwar ausreichend. Benjamin Gruschka sagte aber, Ford will sich drücken und sucht jetzt Möglichkeiten, die Bilanzen zu verfälschen, sodass sie dann um die Zahlung herumkommen. Dazu sprach auch eine Kollegin, wie sich Ford hier auf dem Rücken der Kollegen bereichert. Denn auch die Schichtzulagen der Kollegen werden nicht weitergezahlt, nachdem die Spätschicht abgeschafft wurde. Kollegen, die 20 bis 30 Jahre so gearbeitet haben, müssen jetzt auf Hunderte Euro verzichten.
Sie machte die Rechnung auf und wies nach, dass die Inflation viel höher ist als angegeben. Die Lebensmittelpreise stiegen in den letzten fünf Jahren um 37 Prozent, die Kaltmieten seit 2010 um 70 Prozent usw. Das bedeutet, die Kollegen brauchen einen Lohnnachschlag; der muss aber in der Friedenspflicht der Gewerkschaft selbständig erkämpft werden
Ford bereichert sich auch durch die Steigerung der Ausbeutung. In der Endmontage wurden zu viele Kollegen gehen gelassen und nun müssen die verbliebenen Kollegen diese Mehrbelastung ausgleichen. Überstunden müssen gefahren werden, weil Ford unbedingt bis Ende März noch eine bestimmte Summe Autos bauen will, die durch Fehlplanung im Dezember und Januar fehlen. Diese Überlastung und der Druck machen die Kollegen krank, aber der Werksleiter Kröll schiebt das den kranken Kollegen in die Schuhe. Sie seien schuld an der Mehrbelastung der Kolleginnen und Kollegen.
Das macht deutlich: Der Kurs bei Ford verschärft sich. Das ist kein Zufall. Die enge Verbindung der Ford-Geschäftsleitung mit Donald Trump und seiner America-First-Strategie ist bekannt.
Auch politisch wurde klar gesprochen. Kerstin Klein, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Köln-Leverkusen, positionierte sich persönlich gegen die Aufrüstung. „Mehr Waffen haben noch nie mehr Sicherheit gebracht!“ Auch wenn nicht alle in der IG Metall dieser Meinung sind, wird eine intensive Auseinandersetzung darum geführt. Die Vertrauensleutevollversammlung verabschiedete im Januar dazu ebenfalls eine Erklärung. „Wir geben unsere Kinder nicht für Kriege …“
Kerstin Klein sagte: Es gibt Milliarden für die Rüstungsindustrie, daraus entstehen aber nicht mehr Arbeitsplätze. Dort arbeiten ca. 150.000 Arbeiter und nicht alle sind tarifgebunden. Selbst wenn sich das verdoppelt, fangen diese Arbeitsplätze nicht die Vernichtung der Arbeitsplätze aus der Autoindustrie auf.
Zum Schluss sprach ein Kollege über die Entwicklung der Weltkriegsgefahr, die sich durch den von den USA und Israel ausgehenden Krieg verschärft. Das betrifft auch Ford-Kollegen, die aus dem Iran stammen und um ihre Familien bangen. Er machte deutlich, dass den Kollegen unsere volle Solidarität gehört. Die IG Metall fordert in ihrer Satzung: „Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“. Das, so der Kollege, musste, seitdem er auf der Welt ist, noch nie so verteidigt werden. Deshalb ist es notwendig, dass die Ford-Kollegen zum Ostermarsch kommen, bei dem seit den 1950er-Jahren für Frieden demonstriert wird: In Köln, am Samstag, 4. April, ab 13.30 Uhr auf dem Roncalliplatz.