Nach 30 Jahren in Deutschland
Keine Arbeitserlaubnis mehr: Eine wahre, aber schier unglaubliche Geschichte
Ein kurdischer Freund, den ich seit über sieben Jahren kenne, nennen wir der Einfachheit halber Herr K., bemühte sich, auch mit rechtsanwaltlicher Unterstützung, um eine Anerkennung als politischer Flüchtling. Er lebt seit über 30 Jahren hier und hatte schon verschiedene Arbeitsplätze (u. a. bei einem Cateringservice, in einem türkischen Restaurant, als Koch usw.). Die Anerkennung als politischer Flüchtling wurde ihm immer wieder mit unterschiedlichen politischen Begründungen versagt.
Er ist über abenteuerliche und gefährliche Wege geflüchtet und landete nach einer typischen Fluchtodyssee durch verschiedene Länder dann in der Bundesrepublik. Er schließt sich aus Überzeugung der demokratischen, kurdischen Bewegung an, weswegen ihm dann auch die Anerkennung als Flüchtling verweigert wird. Weiter lernt er fleißig Deutsch, engagiert sich sozial, lernt zu malen, interessiert sich für Literatur und Geschichte, liest Bücher deutscher Schriftsteller wie Heinrich Heine und viele andere mehr. Auch russische Autoren wie Tolstoi usw. gefallen ihm und er bleibt seiner Überzeugung treu. Schließlich darf er arbeiten. Er will niemandem zur Last fallen und sorgt für seinen eigenen Lebensunterhalt. Also voll integriert, sollte man meinen, aber nein.
Nach dem Sturz von Saddam Hussein im Irak geschieht Folgendes: Es entstehen Konsulate der neuen irakischen Regierung auf deutschem Boden. Seinen Pass musste er damals auf der Flucht im Irak abgeben. Er hat ihn nicht zurückbekommen. Jetzt erhält er ein Dokument, in dem es heißt: „Nicht identifizierbare Nationalität“, und man entzieht ihm seine Arbeitserlaubnis. Er darf sich nur an seinem derzeitigen Wohnort in der Rhein-Neckar-Region aufhalten. Bei Reisen ins benachbarte, europäische Ausland (Frankreich, Belgien, Niederlande etc.) drohen ihm Geldstrafen und Zurückweisung. Ab jetzt muss er von einer Grundsicherung leben.
Es kommt dabei zu absurden Situationen. Als er z. B. vor kurzem doch mal mit dem Bus nach Frankreich reiste, wurde er beim Grenzübertritt zurück nach Deutschland von der Bundespolizei kontrolliert. Der Polizeibeamte spricht ihn an: „Herr K., eigentlich müsste ich Sie jetzt zurück nach Frankreich schicken.“ Er entgegnet ihm mit einem Lächeln: „Wenn Sie das machen, werden sie mich dort aber wieder nach Deutschland schicken.“ Der Beamte erkennt die Paradoxie und meint: „Aber dann müssen wir Ihnen eigentlich eine Geldstrafe verpassen.“
Er besinnt sich dann aufgrund der Situation in dem vollbesetzten Bus eines Besseren und lässt ihn ungeschoren wieder nach Deutschland reisen. Die Geschichte ist damit nicht zu Ende. Er hat nämlich über seinen Rechtsanwalt schon vor längerer Zeit die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Unserer Solidarität bei diesem Kampf darf er sich auf jeden Fall gewiss sein.