Energiearbeiter
"Im Kriegsfall an vorderster Front"? Die „Soldaten" des Herrn Birnbaum
Der Chef des größten deutschen Energiemonopols E.ON, Leonhard Birnbaum, tönte in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) über die Arbeiter in seinen Kraftwerken: "Wenn sie in einem Kriegsfall in der Energie arbeiten, sind sie an vorderster Front. Sie haben vielleicht kein Gewehr in der Hand, aber sie sind Soldat."¹
Er geht offenbar davon aus, dass wir unmittelbar vor einem Weltkrieg stehen. Tatsächlich ist es in den heutigen imperialistischen Kriegen zur verbrecherischen Methode geworden, die gegnerischen wirtschaftlichen Einrichtungen zu zerstören, um dessen Wirtschaftskraft zu zerstören.
Dieser moderne Wirtschaftsapparat ist heute grundlegend für eine Kriegsführung mit gigantischem technischem Aufwand. Das betrifft Industrieanlagen und Verkehrswege, aber auch Krankenhäuser bis hin zu Schulen. So bombardiert die Ukraine Erdölanlagen, Hafenanlagen und Fabriken bis 2000 Kilometer nach Russland hinein. Russland bombardiert systematisch Energieanlagen in der Ukraine. Im Iran wird mit der flächendeckenden Vernichtung von Ölanlagen gedroht. Diese Methoden, die auf die Zerstörung der gegnerischen Macht abzielen, verschärfen die Gefahr eines Dritten Weltkrieges. Damit werden aber auch skrupellos die Zivilbevölkerung, die Arbeiter, die Frauen und Kinder, zum Kriegsziel gemacht. Sind die Arbeiter deshalb die "Soldaten" des Herrn Birnbaum?
Sein Problem ist, dass die heutige gewaltige Kriegsmaschinerie, mit der sie ihre Macht- und Profitinteressen durchsetzen wollen, von eben diesen Arbeitern abhängt. Sie brauchen für diese Maschinerie die "kriegswichtigen" Arbeiter in den Fabriken, in den Kraftwerken, in der Logistik. Arbeiter zu Soldaten zu erklären, bedeutet, sie dem militärischen Zwang von Befehl und Gehorsam zu unterwerfen.
Seit langem werden die Arbeiter mit der Drohung der Verlagerung von Produktion ins Ausland erpresst, auf Lohn, Rechte und Arbeitsplätze im Interesse der deutschen Wirtschaft zu verzichten. Sie wollen die Belegschaften der weltweiten Werke solcher internationaler Monopole gegeneinander ausspielen. Dagegen hat sich aber auch internationale Solidarität der Arbeiter entwickelt. Bestes Beispiel sind internationale Hafenarbeiteraktionen und Streiks gegen Waffenlieferungen. Das steht ihren Kriegsplänen entgegen. Sollen solche Streiks der Arbeiter verhindert werden, indem man sie als Soldaten dienstverpflichtet? Wir müssen uns in den Betrieben gegen eine solche Militarisierung wehren.