Protest gegen digitale Gewalt

Protest gegen digitale Gewalt

Erneut Zehntausende in Berlin

Unter dem Motto „Schweigen schützt Täter“ protestierten am Wochenende tausende Berlinerinnen vor dem Brandenburger Tor gegen sexualisierte Gewalt.

Von der MLPD-Abteilung Frauen
Erneut Zehntausende in Berlin
Große Frauentagsdemonstration in München am 8. März 2026 (rf-foto)

Anlass war die Solidarität mit Collien Fernandes, die gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen Anzeige erstattet hat wegen digitaler Gewalt. Laut Veranstalter kamen ca. 15 000 Frauen und Männer. Das Bündnis „Feminist Fight Club“, die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ und Collien Fernandes hatten zur Kundgebung aufgerufen (1).

 

Seit Jahren kursieren hunderte gefälschte Pornoseiten von Fernandes im Netz. Darunter auch sogenannte Deepfakes, das sind mit KI erzeugte Videos und Fotos. Sie ist dort in eindeutigen Posen zu sehen, im Sex mit mehreren Männern. Als Ulmen erfuhr, dass seine Frau Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe, beichtete er – laut Spiegelinterview mit Fernandes– er sei der Urheber dieser Deepfakes (2). Im Kopf den berühmten Satz von Gisèle Pelicot: „Die Scham muss die Seiten wechseln“ entschied sich Fernandes, ihren Mann anzuzeigen wegen psychischer, emotionaler und digitaler Gewalt. Und zwar in Spanien – dort gibt es härtere Strafen. In Deutschland ist digitale Gewalt bisher nicht strafbar. Vielleicht hat Fernandes auch die wachsende kämpferische Frauenbewegung Mut gemacht, an die Öffentlichkeit zu gehen, in dem Wissen, dass die Solidarität groß ist. Auch sie will Betroffenen Mut machen: „Die allermeisten werden damit allein gelassen, ich möchte, dass das aufhört, auch für die Generation meiner Tochter.“

 

Ulmen selbst äußert sich nicht zu den Vorwürfen, nur die Berichterstattung im Spiegel sei „rechtswidrig“. Es würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, zitiert vom Tagesspiegel. Vor der Anzeige verkaufte er sich in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen als der Typ Mann, „den sich der Feminismus immer gewünscht hat.“ (ebenda) Wenn die Tatvorwürfe sich bestätigen sollten, kann man die nur als Ausdruck einer zutiefst kleinbürgerlich-egozentrischen und frauenverachtenden, reaktionären Denkweise bezeichnen.

 

Zu Recht sind die bundesweite Empörung über den Fall und die Solidarität mit Collien Fernandes groß. Hunderttausende sind betroffen, teils für ihr Leben traumatisiert. Bereits 2024 gab es in Südkorea eine Welle KI-generierter Sexbilder auf Telegram – die Hauptbetroffenen waren Schülerinnen. Als Täter ist ein russischer Tec-Milliardär im Visier. Es hätte also genug Kenntnis gegeben, um die Wiederholung solcher Ereignisse vorausschauend zu verhindern, entsprechende Software in Entwicklung, Vertrieb und Nutzung unter Strafe zu stellen, um Frauen und Kinder zu schützen. Wenn aus solchen Entwicklungen kaum Schlussfolgerungen gezogen werden, kann man der Aktivistin Theresia Crone, selbst Betroffene, nur Recht geben: „Das, was Collien erlebt hat, was ich erlebt habe, ist kein Einzelfall“, sagt sie. „Das ist ein System.“

 

Was ist das für ein System? Zum imperialistischen Gesellschaftssystem gehören Sexismus, Gewalt und Unterdrückung dazu – und werden mit der faschistischen Ideologie auf die Spitze getrieben. Elon Musk - Techmilliardär, Faschist, Unterstützer von Trump und Wahlhelfer der AfD – hat die Macht, eine KI namens „Grok“ zu kreieren. Damit kann man aus jedem beliebigen Foto pornographische Bilder und Filme durch KI „basteln“ lassen, natürlich ohne die Zustimmung der Abgebildeten. Musk nutzt seine Macht, um auf Kosten Hunderttausender, vor allem Frauen und Mädchen, Geld mit diesem Dreck im Internet zu verdienen.

 

Das ist kein Einzelfall an Tätern, wie jüngst die Epstein-Akten bestätigten: Mit Unterstützung von Regierung und Justiz wurde der Sexualstraftäter zunächst nur milde verurteilt, hatte während der Haft Ausgang – um seine Verbrechen an jungen Mädchen und Frauen fortzusetzen. Die Epstein-Files unterstreichen, wie dekadent die herrschende "Elite" ist, ob in Königshäusern, Regierungen und unter den Superreichen.

 

Dieser ekelhafte Sexismus und Pornographie sind keine Privatsache. Sie sind Teil der Destruktivkräfte des imperialistischen Weltsystems und Ausdruck der zunehmenden Dekadenz der bürgerlichen Massenkultur. Sie kann angesichts der unlösbaren Menschheitsfragen immer weniger den Kapitalismus positiv bewerben. Pornographie zersetzt die Jugend und die Arbeiterbewegung und führt zur Spaltung. Wenn Frauen und Mädchen zur Ware werden, wird bei Männern Selbstsucht, Machtbefriedigung über die Unterwerfung Schwächerer und Brutalität gefördert. Darauf setzen die Herrschenden, um die Solidarität und den Zusammenhalt von Männern und Frauen in den Kämpfen gegen Ausbeutung, sich verschlechternde Lebensverhältnisse, die akute Weltkriegsgefahr und gegen Faschismus zu zersetzen.

 

Doch auch in diesen Fragen zeigen die Massen, dass sie nicht in der imperialistischen Barbarei untergehen wollen, wenn zwei Wochen nach den Massendemonstrationen am Internationalen Frauentag mit mindestens 150.000 Menschen wieder 15.000 bei der Beliner Kundgebung waren.

 

Für die MLPD ist dieser dekadente Sexismus die rote Linie! Nicht die Männer an sich sind der Gegner, sondern das imperialistische System, das diesen Sexismus einsetzt und fördert. Aber Männer sind auch herausgefordert, sich aktiv gegen den Sexismus zu positionieren, die eigene Haltung gegebenenfalls zu überprüfen und zu verändern. Ebenso müssen Frauen mit der Wirkung der kleinbürgerlich-sexistischen Denkweise fertig werden. Die MLPD setzt sich für eine unverkrampfte Sexualität im gegenseitigen Einvernehmen ein. Gemeinsamer Einsatz von Frauen und Männern für die Befreiung der Frau und aller Unterdrückten und Ausgebeuteten. Da die besondere Unterdrückung der Frau unlösbar mit dem Kapitalismus verbunden ist, kann die wirkliche Befreiung der Frau nur in einem System ohne Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Natur erkämpft werden – im echten Sozialismus.

 

Als Aktivposten in der kämpferischen Frauenbewegung fordert die MLPD:

 

  • Die Scham muss die Seiten wechseln!
  • Solidarität mit den Betroffenen, Unterstützung der Betroffenen – dazu gehören auch ausreichend staatlich finanzierte Plätze in Frauenhäusern in jeder Stadt!
  • Verurteilung der Täter auch von digitaler Gewalt
  • Verbot von digitaler Gewalt einschließlich von Deepfakes
  • Bestrafung von sexueller Ausbeutung und Gewalt!
  • Kampf dem Sexismus, der Pornografie, der Prostitution und dem Menschenhandel!