Verallia Essen-Karnap

Verallia Essen-Karnap

Eiskaltes Ende am Montag geplant - Damit dürfen sie nicht durchkommen!

Am 19. Februar dokumentierte Rote Fahne News den Leitartikel der damaligen Extra-Ausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Verallia in Essen-Karnap, „Karnaper Flaschenpost“¹.

Eiskaltes Ende am Montag geplant - Damit dürfen sie nicht durchkommen!
Glasflaschenproduktion bei Verallia (foto: Verallia Deutschland AG - Eigenes Werk (CC BY-SA 4.0))

Sie informierte die Leserinnen und Leser damals über die beschlossene Schließung dieser Glashütte. Am gestrigen 26. März ist erneut eine Extraausgabe der „Karnaper Flaschenpost“ erschienen, deren Leitartikel die Überschrift „Eiskaltes Ende am Montag geplant. Damit dürfen sie nicht durchkommen!“ trägt.

 

Dass dies die letzte Flaschenpost ist, wollen wir noch nicht festschreiben. Denn aufgeben ist keine Option. Aber was wir sicher wissen, ist, dass es das Allerletzte ist, wie Verallia mit den Arbeitern umgeht.


Nachdem sie uns die ganze Zeit hingehalten haben, ließen sie in Montabaur die Katze aus dem Sack: Werk dicht am 31. März – basta! Wahl zwischen einem Jahr Transfergesellschaft mit 85 Prozent des Lohns plus Miniabfindung oder Abfindung mit Faktor 0,8–1,1 plus sofort Arbeitslosigkeit, in der die Abfindung schnell aufgefressen ist. Die Herren im Schloss Montabaur nennen das auch noch sozialverträglich. Das ist eine einzige Zumutung!

 

Die Aktion des Vertrauenskörpers in Montabaur war ein Anfang. So hat der Vorstand gesehen, dass die Belegschaft die Werksschließungen nicht akzeptiert. Aber aus heutiger Sicht muss man klar sagen, dass zu lange gewartet wurde und auch die Belegschaft nicht selbstbewusst und entschlossen genug war. Es hätte früher gestreikt werden müssen. Das müssen wir als Erfahrung festhalten. Aber auch jetzt gibt es noch einige Aufträge, die laufen, die nur die Arbeiter in Karnap erfüllen können. Ein starkes Faustpfand, das wir zum Beispiel mit Streik an diesen Linien nutzen können. Dieses Werk wird gebraucht!


Jetzt wird auch noch verlangt, dass die Arbeiter am Montag ihre Wanne zerstören, indem sie kaltgefahren werden soll. Nachdem sie jahrzehntelang hart daran gearbeitet haben, um gutes Glas zu produzieren, sie instandzuhalten. Es ist unter aller Würde, das von Arbeitern zu verlangen. Das sollte jeder Arbeiter verweigern!
 

Das Verallia-Werk in Karnap ist Opfer der gnadenlosen Vernichtungsschlacht, die derzeit zwischen den Konzernen und Monopolen in vielen Branchen entbrannt ist. Auch in der Glasbranche geht es darum, wie die Profitmargen auf Kosten der Konkurrenz gesteigert werden.


Und wenn ein Werk weniger Profite im Konkurrenzkampf bringt, wird es eben geopfert. Dabei schaffen letztlich nur Arbeiter Mehrwert, sie haben dem Konzern den Reichtum erwirtschaftet, sonst keiner. Dafür haben die Arbeiter jahrzehntelang Sieben-Tage-Contischichten, oft bei großer Hitze, nicht selten auf Kosten der Gesundheit, geackert. Seit der brasilianische Fonds BWSA 77 Prozent der Anteile übernommen hat, ist der Kurs noch härter geworden. Und manche Illusion ist zerplatzt: „Man habe hier einen sicheren Arbeitsplatz“ oder „wenn man selbst Aktien hat, profitiere man mit“.


Als würde das alles nicht schon reichen, findet das alles auch noch in einer Situation statt, in der die Welt offenbar aus den Fugen gerät. Der brandgefährliche Krieg im Mittleren Osten und ständig neue Kriege beschwören einen neuen Weltkrieg herauf. Deutschland ist auf bestem Wege, hineingezogen zu werden. Eine neue Welle der Inflation hat begonnen. Ausgerechnet jetzt – arbeitslos oder mit 85 Prozent vom Lohn – müssen die Arbeiter jetzt noch mehr für Energie, Sprit, Lebensmittel zahlen. Es gibt also viele offene Rechnungen. Jeder sollte darüber nachdenken, sich politisch zu engagieren, sich zu organisieren. Selbst wenn Verallia endgültig zumacht, der Kampf geht an vielen Fronten weiter und in den meisten Betrieben gibt es heute ähnliche Probleme. Auf der Betriebsversammlung muss Klartext gesprochen werden. Hier kann man sich absprechen, wie der Kampf doch noch geführt werden kann. Besser spät als nie. Abspeisen lassen können wir uns nicht mehr! Es geht weiter: keine Werksschließungen! Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz!

Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert Berichte und Meinungen aus den Redaktionen, die in der Ausgabe 13, Februar 2026 der „Karnaper Flaschenpost“ erschienen sind:

Keine Abfindung wiegt auf, was hier auf dem Spiel steht.

„Mir ist schon klar, dass sie jetzt viele Fragen mitgebracht haben, und auch zu Recht eine Antwort erwarten, allerdings können wir noch nicht sehr viel sagen, weil ….“ So wird die Fragerunde eingeleitet und tatsächlich wird keine Frage konkret beantwortet. Vorher werden fast ausschließlich geopolitische Gründe genannt. „Ihr seid nicht dafür verantwortlich“ – das wäre ja auch noch schöner. „Und jetzt wieder zurück an die Arbeit, wir wollen die nächsten Wochen bis zum 31. März noch die letzten Cent aus euch pressen.“ Das können wir uns doch nicht einfach gefallen lassen. Hier geht es nicht nur um unsere Arbeitsplätze, sondern auch um die unserer Kinder und Kindeskinder. Keine Abfindung wiegt das auf! Die Bergleute haben es uns 1997 vorgemacht! Kampf um jeden Arbeitsplatz! (Redaktion 6.)

 

Ich würde für meine Kollegen kämpfen.

Ich glaube nicht, dass alle nur auf die Abfindung fixiert sind. Ich habe mit Kollegen gesprochen, die total traurig sind. Ich will auch keine Abfindung. Ich würde lieber meinen Arbeitsplatz behalten. Die Abfindung reicht doch maximal zwei Jahre. Das kann keinen Arbeitsplatz ersetzen. Die Denkweise „alles egal“ oder nur an sich zu denken, ist schädlich. Alleine kannst du nicht kämpfen. Das geht nur gemeinschaftlich. Ich will, dass das Werk weiterlebt. Meine Kollegen sehe ich mehr als meine Frau und Familie. Für die würde ich auch kämpfen. (Redaktion 4.)

 

Keine Azubis – keine Zukunft.

Normalerweise wurden immer im August / September die Stellen für neue Azubis ausgeschrieben. Letztes Jahr nicht. Da war schon klar, dass was nicht stimmt. Wenn ein Werk keine Azubis mehr ausschreibt, hat es keine Zukunft. (Redaktion 4.)