Stuttgart
Ausstellung "Ankommen und bleiben? 70 Jahre Deutsch-Italienisches Anwerbeabkommen!"
Ankommen und bleiben? Dazu gab es jetzt eine Ausstellung in Stuttgart. Diese wurde so gut angenommen, dass sie verlängert werden musste. Deutsche Schulklassen hatten Interesse, Näheres über dieses Thema zu erfahren.
Mit 250 000 Personen ist die italienischstämmige Gemeinde in Baden-Württemberg die größte im Bundesgebiet. Das geht zurück auf das Anwerbeabkommen vom 20. Dezember 1950.
Der wirtschaftliche Aufschwung und der Wiederaufbau in Westdeutschland hatten in den 1950er-Jahren einen großen Bedarf an Arbeitskräften. In Italien war die Regierung mit einem starken Bevölkerungswachstum und mit Arbeitslosigkeit konfrontiert, die zu Unruhen hätte führen können. Um dem etwas entgegenzusetzen, vereinbarten beide Regierungen ein Abkommen im „Geiste europäischer Solidarität und zur Festigung der Freundschaft beider Staaten“.
In Wahrheit ging es um wirtschaftliche und militärische Interessen sowie billige Arbeitskräfte. Die italienischen Arbeiter hatten zwar eine Arbeit, sie konnten ihre Familien ernähren. Die Arbeit war oft schwer, schmutzig und ungewohnt.
Die Wohnsituation war oft menschenunwürdig – z. B. in Baracken oder sozial isoliert von der übrigen Bevölkerung. Deshalb gehörten die ersten Jahre für viele zu den schwersten, auch für die Frauen und Kinder.
Doch gab es auch Unterstützung durch aufgeschlossene Nachbarn, Sozialstationen, die Kirche und Kollegen. Mit der Zeit zog Solidarität in Fabriken und auf Baustellen ein. Auch das Verständnis für die Lage wuchs.
Die nicht immer gute Stimmung bei der deutschen Bevölkerung, der großen Familien wegen, verwandelte sich allmählich ins Positive.
Heute gehen wir gerne in eine italienische Eisdiele, eine Pizzeria, freuen uns an der Lebenskultur, an der schönen Sprache und reisen gerne nach Italien.
Schon für Goethe war Italien ein Sehnsuchtsort. Mit Freunden besuchten wir diese Ausstellung. Sie wirft ein Licht auf die Geschichte der „Gastarbeiter in Baden-Württemberg“ von 1950 bis in die 1970er-Jahre.
Ciao- tutto bene.