Artemis II
Aufholjagd bei der Wiederholung des Rennens zum Mond
Es ist eine große Schlagzeile: Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sind Menschen auf dem Weg zum Mond. Mit Forschung hat das leider wenig zu tun.
Der Start der Mission Artemis 2 war wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden, zuletzt kämpften die Techniker mit einer Toilette – welche bei einer Reise von geplant zehn Tagen in einem gerade einmal 8 Meter langen Raumschiff nicht ganz unerheblich ist. Sowohl ein wesentlicher Zweck als auch die größte Schwierigkeit des 2019 von dem faschistischen US-Präsidenten Trump gestarteten Artemis-Programms besteht eben darin, nach einem halben Jahrhundert Pause die für so komplexe Missionen notwendigen Technologien neu zu entwickeln.
Der aktuelle Flug soll eine Acht um Erde und Mond beschreiben und ist darauf ausgelegt, zumindest symbolische Rekorde zu machen. Dafür hat man sich extra einen afroamerikanischen Astronauten und eine Frau ausgesucht (erster farbiger sowie erster weiblicher Mensch in der Mondumlaufbahn!). Die Besatzung wurde in der für den Faschismus von je her charakteristischen Manier pompös und dramatisch in Szene gesetzt – in der US-amerikanischen Variante ergänzt um Hollywood-typische Methoden (was dem ehrlich wissenschaftlichen Anspruch mancher involvierter Astronauten, Techniker und Astronomen aber keinen Abbruch tut). Außerdem wollen sie den Distanzrekord für bemannte Raumflüge brechen – der bisherige Rekordhalter ist übrigens die unglückliche „Apollo 13“ (Sie erinnern sich: „Houston, we’ve had a problem.“), und das war bekanntlich nicht ganz freiwillig.
Wem wird der Mond gehören?
Der eigentliche Zweck aber besteht in der Vorbereitung weiterer Missionen. Ohne auf deren Natur im Einzelnen hier weiter einzugehen, kann man zusammenfassen, dass es den USA und ihren Verbündeten (der im Oktober 2020 unterzeichnete „Artemis Accord“ zur Umsetzung der Mission wurde von allen westlichen Imperialisten und weiteren Ländern unterzeichnet, auch Deutschland – die Antriebs und Versorgungseinheit der Orion wurde von Airbus Defence and Space in Bremen gebaut) perspektivisch um die Inbesitznahme und Ausbeutung des Mondes geht.
Aktuell ist das chinesische Raumfahrtprogramm dem US-amerikanischen, was materielle Erfolge und praktische Erfahrungen angeht, weit voraus. Deren Programm startete 2004 und seit 2013 landen chinesische Sonden auf dem Erdtrabanten. Als Reaktion auf das Artemis-Programm hat die chinesische Führung neun Monate später außerdem seine Verbündeten, allen voran das russische Raumfahrtprogramm, mit dem Projekt „Internationale Mondforschungsstation“ (國際月球科研站) um sich geschart. Beide Lager kämpfen jetzt darum, als erster den Südpol des Mondes einzunehmen – den einzigen Ort, an dem die Errichtung einer Station aussichtsreich ist.