Protest vor Auswärtigem Amt
Wo ist Eva? Wo ist Ahmet?
Auf Initiative von ZORA versammelten sich am Dienstag, dem 17. März etwa 50 meist junge Menschen vor dem Auswärtigen Amt in Berlin, um die Aufklärung des Aufenthaltsorts der beiden seit nunmehr 58 Tagen verschwundenen JournalistInnen Eva Michelmann und Ahmet Polat zu fordern.
Berührend die Worte ihrer Mutter Rotraud Hake-Michelmann, die extra zu diesem Protest aus Bonn angereist war. Berührend vor allem auch deshalb, weil sie trotz ihrer großen kaum nachzuempfindenden Sorge nicht nur für Eva und Ahmet Aufklärung von der deutschen Regierung forderte, sondern für die weiteren um die 400 unauffindbaren Menschen. Berührend, weil sie uns alle aufrief, in unserem Protest nicht nachzulassen und uns im Widerstand gegen Faschismus und Weltkriegsgefahr ein Beispiel an ihrer mutigen Tochter zu nehmen. Sie erinnerte daran, dass in Rojava gegen den faschistischen IS schon einmal der Sieg errungen und weitgehende demokratische Rechte und Freiheiten erkämpft wurden. Und hier auch die internationalen Brigadisten der ICOR ein Gesundheitszentrum aufgebaut und an die Selbstverwaltung übergeben wurde, in dem inzwischen über 50.000 Kinder geboren wurden.
Avi von Zora moderierte die Kundgebung souverän und lebendig, klagte die Bundesregierung an, dass sie trotz bester Beziehungen zu den faschistischen türkischen und syrischen Regimes bis heute den Verbleib von Eva und Ahmet nicht aufgeklärt hat. Und sie versicherte, dass wir mit unserem Protest und der Öffentlichkeitsarbeit nicht nachlassen werden.
Ein Vertreter der „Stimme der Gefangenen“ startete mit der Tafel, die über dem Eingang des Auswärtigen Amtes hängt: „Wenn Deutsche hier in Not geraten, sind wir da – die Verantwortung mag ich!“ Wo bleiben sie im Fall von Eva und Ahmet mit ihrer Verantwortung? Er informierte uns über all die Schritte, die der Rechtsanwalt der Mutter von Eva, Roland Meister, bisher unternommen, aber keinerlei Antwort erhalten hat. Und er forderte, dass das Auswärtige Amt und die Merz-Regierung offenlegen, was sie unternehmen. Immer wieder erklangen die Parolen: Wo ist Eva? Wo ist Ahmet? Freiheit für alle politischen Gefangenen! Hoch die internationale Solidarität!
Barbara drückte für die MLPD ihr tiefes Mitgefühl und die unverbrüchliche Solidarität aus. Mit aller Macht soll Rojava mitten im Kriegsbrandherd Naher Osten als Leuchtturm eines demokratischen Systems zerstört und alle, die den Freiheitskampf unterstützen wie Eva und Ahmet ausgeschaltet werden. Das erinnert doch sehr an die gezielte Ermordung kritischer JournalistInnen aus Palästina. Sie klagte die Kumpanei der Bundesregierung mit faschistischen Regimes an und forderte, die Zusammenarbeit zu beenden.
Klaus, ein ICOR-Brigadist und Mitglied in „Solidarität International“, reihte die Untätigkeit des Auswärtigen Amtes in seine Erfahrungen ein, als damals die türkische Erdogan-Regierung nichts für die Einreise der Brigadisten tat und auch nichts dafür, dass sie mitten in den Kämpfen wieder sicher ausreisen konnten. Zum Schluss stimmte die Mutter von Eva das Lied „Bella ciao“ an – ein Signal, nicht aufzugeben.