Drohszenario
VW-Vorstandschef kündigt „neues Geschäftsmodell“ an - bald nur noch zwei statt zehn Standorte?
Zur Umsetzung eines neuen „Sparprogramms“ (Rote Fahne News berichtete gestern) hat der VW-Vorstand gleich zwei Beraterfirmen beauftragt. Die Boston Consulting Group und Mc Kinsey & Company sollen Vorschläge machen, wie der Konzern seine Kapitalrendite maximal steigern kann.
Seit Wochen nehmen sie sämtliche Kostenstrukturen unter die Lupe, unter anderem die Modellpalette, Entwicklungskosten und Produktionsstrukturen. Da vom Standpunkt des Vorstands die Ausgaben für Löhne und Gehälter auch unter „Kosten“ geführt werden, fallen die Arbeitsplätze, Löhne und Gehälter auch unter das „Spar“programm. Dabei wird verschleiert, dass die Arbeitenden VW nichts kosten, sondern die einzigen sind, die durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft Mehrwert schaffen. Davon bekommen sie allerdings nur einen kleinen Teil in Form ihres Lohnes. VW wiederum eignet sich den allergrößten Teil unentgeltlich an.
Wie mehrere Medien heute berichten, hat wohl Mc Kinsey ein Horrorszenario vorgeschlagen, wonach von den zehn deutschen Werken langfristig nur noch zwei übrig bleiben sollen – Wolfsburg und Ingolstadt. Jetzt wird auch verständlich, was Blume in dem Interview mit dem ZDF am 10. März meinte, als er davon sprach, dass das alte, über Jahrzehnte funktionierende Geschäftsmodell heute nicht mehr funktioniere. Auch wenn das Konzept selbst vom Vorstand als unrealistisch eingeschätzt wird, zeigt es die Richtung, auf was sich die Kolleginnen und Kollegen mittel- bis langfristig einstellen müssen. Das Wirtschaftsmagazin Business Punk resümiert: „Die unbequeme Wahrheit: VW wird nicht um Werksschließungen herumkommen, nur eben später und kleinteiliger als McKinsey vorschlägt.“ Besonders gefährdet dürften dabei die Komponentenwerke in Kassel, Salzgitter oder Chemnitz sein. Die Belegschaften sehen das allerdings ganz anders und werden sicher ein Wort dabei mitreden!
Über die Diskussion unter den Kolleginnen und Kollegen berichtet eine Kollegin: „Als wir den Vorschlag von Mc Kinsey gelesen haben, war eine prompte Reaktion, ‚die spinnen‘. Glauben kann das keiner. Aber wir sind uns einig, dass dies ein Drohszenario ist, um uns weich zu klopfen. Nach dem Motto, besser drei Werke zu als acht. Aber wir haben aus der Auseinandersetzung 2024 gelernt.“
„Unter der Belegschaft besteht große Einigkeit, dass es falsch war, 2024 nicht zu streiken. Unsere Kampfbereitschaft hat VW dazu gezwungen, die bereits beschlossene Werksschließung von Emden und die Ankündigung betriebsbedingter Kündigungen zurückzunehmen. Es gibt viel Kritik an den Verantwortlichen in der IG Metall und den Betriebsräten, den Tarifvertrag unterschrieben zu haben. Einigen, die den Vertrag anfangs verteidigt haben, sind inzwischen auch schon Zweifel gekommen. Wir waren und sind uns einig, dass nach einer Arbeitsplatzvernichtung immer vor einer Arbeitsplatzvernichtung ist.“
Die VW-Belegschaften stehen vor der Aufgabe, nicht nur gegen die Umsetzung der Vereinbarung von 2024 sich zur Wehr zu setzen, sondern sich auf die nächste Konfrontation mit dem Vorstand einzustellen. Vor allem gilt es, ihre Organisiertheit zu verbessern und auf gewerkschaftliche, vor allem aber auch auf selbständige Streiks hinzuarbeiten.