Die RAG muss reagieren

Die RAG muss reagieren

Studie mit PCB-Messung und 5000 Steinkohlebergleuten beginnt

Im Auftrag der RAG (ehemals Ruhrkohle AG) wurden 5000 Bergleute per Zufallsverfahren aus den Daten der Knappschaft-Bahn-See ausgewählt, um an einer Studie namens MIA teilzunehmen.

Von Korrespondenz aus Duisburg und Gelsenkirchen
Studie mit PCB-Messung und 5000 Steinkohlebergleuten beginnt
Bild vom Tribunal gegen die verbrannte Erde der RAG, das im August letzten Jahres in Gelsenkirchen stattfand (rf-foto)

MIA ist die Abkürzung für "Messung von PCB im Blut von Bergleuten und Identifikation möglicher gesundheitlicher Auswirkungen".

Zufall, dass die RAG mindestens eine Million Euro in die Hand nimmt für diese Studie?

Mitnichten! Denn immer klarer tritt ans Tageslicht, welche gravierenden Auswirkungen PCB-haltige Öle und Giftmüll unter Tage auf die Gesundheit und das Leben von Bergleuten haben.

 

Die kämpferische Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF hatte aufgedeckt, dass in den Steinkohlenzechen der Ruhrkohle 1,6 Millionen Tonnen Sonder- und Giftmüll eingelagert sind. Zudem hat die RAG circa 12.500 Tonnen PCB-haltige Öle unter Tage entsorgt. Die Bergleute setzte sie ohne ausreichende Schutzmaßnahmen diesen Giften aus. Den Bergmann Christian Link, der diese Machenschaften aufdeckte, belegte sie 2014 mit einem RAG-weiten Anfahrverbot, also mit einem politischen Berufsverbot auf RAG-Standorten. Eine wachsende Zahl von Kumpels verstarb vorzeitig, was für eine gewisse Unruhe in den Bergbaustädten sorgte.

Diktatur der Monopole – Politik der verbrannten Erde!

 

Das Infoblatt zur MIA-Studie gibt sich ahnungslos: Die gesundheitlichen Auswirkungen auf ehemalige RAG-Bergleute seien noch nicht erforscht worden. Voll daneben! Die PCBs und ihre Folgen sind weltweit erforscht, PCB wurde ja auch nicht umsonst 1989 in Deutschland und 2001 weltweit verboten.

 

Die RAG betrieb bewusst nach der Stilllegung der Zechen eine Politik der verbrannten Erde. Dazu gehören auch betriebsbedingte Kündigungen, Deputat-Klau, Giftmülldeponien und die Privatisierung der Bergbauwohnungen. Dagegen entstand eine kämpferische Bewegung, die im August 2025 in einem Tribunal mündete, welches die RAG in all diesen Punkten anklagte und verurteilte. Die Beweise und Zeugenaussagen waren erdrückend. Hier gibt es das Buch zu diesem Tribunal!

 

Durch die Flutung der Zechen droht jetzt eine großräumige Vergiftung des Grundwassers und damit letztendlich auch des Trinkwassers. Nach wie vor leitet die RAG ihr gifthaltiges Grubenwasser ungefiltert in öffentliche Gewässer ein.

RAG unter Zugzwang!

Aufgrund der Unruhe unter den Bergleuten über eine Vielzahl schwerer Erkrankungen und Todesfälle musste die RAG reagieren. Ein Steuerkreis, bestehend aus der RAG, der Versicherungswirtschaft sowie der Führung der IGBCE, organisierte 2018 eine Pilotstudie zur möglichen PCB-Belastung von Bergleuten. Anschließend wurde den Kumpels eine Großstudie versprochen. Die Pilotstudie ergab bei 45 Prozent der Teilnehmer, die Kontakt zu PCB-haltigen Ölen hatten, eine erhöhte PCB-Belastung im Blut (Studienleiter: Professor Thomas Kraus, Aachen).

 

Nachdem die RAG aber keinerlei Anstalten dazu machte, initiierte die kämpferische Berarbeiterbewegung „Kumpel für AUF“ eine RAG-unabhängige Studie mit freiwilliger Teilnahme von 124 Bergleuten. Diese deckte erhebliche gesundheitliche Belastungen durch PCBs und Schwermetalle auf und wird im Infoblatt zur MIA-Studie ignoriert. Dort wird schlüssig die Beweislastumkehr bei der Anerkennung von Berufskrankheiten der Bergleute gefordert. Anträge betroffener Bergleute auf Anerkennung ihrer Berufskrankheit wurden allesamt von der Berufsgenossenschaft RCI im Verein mit ihnen verbundenen Gutachtern abgeschmettert.

 

Insofern ist es ein großer Erfolg, dass jetzt der Druck auf die RAG so hoch wurde, dass mit über sieben Jahren Verzögerung nun doch eine Großstudie durchgeführt wird.

Was ist von der MIA-Studie zu halten?

Den angeschriebenen Kumpels werden ein gründlicher Gesundheits-Check und 20 Euro für die Teilnahme angeboten.


Die Studie wird als "wertvoller Beitrag um die Zusammenhänge zwischen dem Kontakt mit PCB und bestimmten Erkrankungen besser zu verstehen" beworben. Zum Thema Giftmüll unter Tage: kein Sterbenswörtchen, folglich wird auch nicht in dieser Richtung untersucht. 


Aufhorchen lässt auch, wer diese Studie durchführt. Organisiert wird sie von dem Unternehmen Oracle Life Sciences, welches sich auf seiner Webseite mit der Unterstützung von mehr als 250.000 klinischen Studien und durch 93 Prozent der führenden Pharmaunternehmen rühmt. Die medizinische Leitung und Untersuchung der Blut- und Urinproben liegt beim Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen unter Leitung von Frau Professor Dr. med. Andrea Kaifie-Pechmann.


Die sogenannte "Erlanger Schule" geht zurück auf den 1965 bundesweit ersten Lehrstuhl für Arbeitsmedizin unter Leitung von Professor Helmut Valentin. Ausgehend von ihm wurden industriefreundliche Grenzwerte festgelegt, Lehrbücher verfasst, und ein kartellähnliches System von Gerichtsgutachtern und Sachverständigen aufgebaut, welche auch die entsprechenden staatlichen Kommissionen wie die MAK-Kommission besetzen. Die wenigen kritischen Leute in diesem Bereich wurden kaltgestellt.

 

Es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet dieses Institut mit der jetzigen Studie beauftragt wurde.

Minimale Forderungen sind:

  • Veröffentlichung aller Messergebnisse und Studiendaten!
  • Ausdehnung der Untersuchungen auf Schwermetalle und andere Schadstoffe (beruflich verwendete wie in eingelagertem Giftmüll enthaltene)!
  • Anerkennung der Berufskrankheiten giftbelasteter Bergleute und Umkehrung der Beweislast, Entschädigung und Übernahme der Gesundheitskosten durch die RAG!
  • Umgehend Filterung des eingeleiteten Grubenwassers auf dem höchsten Stand der Technik.