Knallharte Angriffe
VW kündigt neues „Sparprogramm“ an!
Der VW-Vorstand kündigte auf der Bilanzvorstellung in Wolfsburg an, dass der Konzern 2025 bei einem Umsatz von 322 Mrd. Euro einen Gewinn von 6,9 Mrd. Euro gemacht hat. Das ist das Ergebnis eines sogenannten „Kostensenkungsprogramms“, mit dem in den drei großen VW-Werken die Ausbeutung gesteigert worden ist. Außerdem ist die Vernichtung von 25.000 der geplanten 35.000 Arbeitsplätze durch die Unterschrift von Beschäftigten bis 2030 „in trockenen Tüchern“.
Durch die hohen Zölle der USA auf Produkte aus Mexiko ist die Auslieferung von Autos in die USA eingebrochen. In China hat VW zum Jahresbeginn wieder die Marktführerschaft von BYD übernommen, verdient nach Aussagen von VW-Chef Blume wegen des immensen Konkurrenzkampfes aber „kein Geld“. Das sind zwei Faktoren, weshalb der Gewinn 2025 unter dem von 2024 lag. Dazu kamen die Probleme bei Porsche, die zu ehrgeizig auf den Verkauf von E-Autos gesetzt haben und deshalb 5 Mrd. in die Investition von Verbrennern tätigen mussten. Über einen Gewinn von 6,9 Milliarden Euro ein derartiges Lamento anstimmen? Sollen die Arbeiter jetzt in dieses Gejammer über "nur" 6,9 Mlliarden einstimmen, die der VW-Konzern aus der Belegschaft herausgepresst hat? Angebracht ist doch vielmehr, sich auf den Kampf gegen geplante weitere knallharte Angriffe einzustimmen.
Die spannende Frage ist, weshalb wird gerade jetzt die bereits 2024 vereinbarte Vernichtung von 35 000 Arbeitsplätzen in der Kernmarke VW und weiteren 15 000 bei Porsche und Audi und anderen von den Medien so in den Vordergrund gestellt. Und zwar so, als ob es sich um neue Pläne handelt. „Gewinneinbruch bei VW: 50.000 Stellen werden abgebaut“ heißt es z.B. am 11.3. im Norddeutschen Rundfunk. Die Frage ist doch, warum werden bereits beschlossene Maßnahmen jetzt im Zusammenhang mit einem geringer ausgefallenen Gewinn so herausgestellt. Offensichtlich zielt dies darauf ab, die Kolleginnen und Kollegen einzuschüchtern und auf neue, einschneidende Maßnahmen vorzubereiten. Blume hat doch bereits zum Jahresanfang gegenüber Führungskräften die nächsten Angriffe auf die Belegschaften angekündigt. (Link zu Artikel auf rf-news vom 19.2.) Bis 2028 will Blume 60 Mrd. Euro „einsparen“. Das übersteigt noch das Sparprogramm von 2024 um einiges.
Was versteht Blume unter einem neuen Geschäftsmodell?
Wie Blume die angekündigte Steigerung der Profite um 60 Mrd. Euro konkret erreichen will, lässt er bewusst im Ungefähren. In einem Interview mit dem ZDF am 10.3. sagte er: „Wir können heute feststellen, dass das Geschäftsmodell, das über Jahrzehnte funktioniert hat für den Volkswagenkonzern, für die deutsche Automobilindustrie, aber auch für Deutschland heute so nicht mehr funktioniert, darauf passen wir uns an.“ Was versteht Blume unter dem alten Geschäftsmodell und wie soll das neue aussehen? Einen Fingerzeig gibt er in dem Interview im Hinblick auf China: „Und wir haben deshalb unsere Strategie in China umgestellt, ‚in China für China‘ entwickeln.“ So plant VW in Hefei mit 3,5 Mrd. ein „zweites Wolfsburg“, das unabhängig von der deutschen Zentrale Fahrzeuge „in China für China“ produziert. Außer dem chinesischen Markt soll der Mittlere Osten, Südostasien, Lateinamerika und Afrika beliefert werden.
Was meinen die Kolleginnen und Kollegen dazu?
„Unter der Belegschaft besteht große Einigkeit, dass es falsch war, 2024 nicht zu streiken. Unsere Kampfbereitschaft hat VW dazu gezwungen die bereits beschlossene Werksschließung von Emden und die Ankündigung betriebsbedingter Kündigungen zurückzunehmen. Es gibt viel Kritik an den Verantwortlichen in der IG Metall und den Betriebsräten, den Tarifvertrag unterschrieben zu haben. Einigen, die den Vertrag anfangs verteidigt haben, sind inzwischen auch schon Zweifel gekommen. Wir waren und sind uns einig, dass nach einer Arbeitsplatzvernichtung immer vor einer Arbeitsplatzvernichtung ist.“ Die VW-Belegschaften stehen vor der Aufgabe, nicht nur gegen die Umsetzung der Vereinbarung von 2024 sich zur Wehr zu setzen, sondern auf die nächste Konfrontation mit dem Vorstand einzustellen. Vor allem müssen gilt es ihre Organisiertheit zu verbessern und auf gewerkschaftliche, vor allem aber auch auf selbständige Streiks hinzuarbeiten.
Blume hat in dem ZDF Interview sich aus zum Einstieg von VW in die Rüstungsproduktion geäußert:„Ja, wir unterstützen die Rüstungsaktivitäten der Bundesregierung. Und auch das, was in Europa aktuell vonstatten geht, für den Volkswagen-Konzern, werden wir unterstützen, wo unser Know-how gefragt ist. Das ist im Wesentlichen militärischer Transport. Dort sind wir im Kontakt mit einigen Rüstungsunternehmen. Auch wenn es darum geht, Kapazitäten des Volkswagen-Konzerns zu nutzen, stehen wir dazu zur Verfügung.“ Dieser Kurs des Vorstands wird voll von der Gesamt-BR-Vorsitzenden Daniela Cavallo getragen. Im NDR sagte sie dazu: „Die Welt hat sich stark verändert. Deshalb ist es wichtig, dass Europa dort ein Gegengewicht aufbaut."
Worin besteht die Veränderung?
Durch die sich vertiefende und verschärfende offene Krise der Neuorganisation der internationalen Produktion wächst die Gefahr eines dritten Weltkriegs um die Neuaufteilung der Rohstoffen, Märkte und Einflussgebiete. Sich stark machen für eine imperialistische Großmacht Europa ist der Übergang zum Sozialchauvinismus. Dazu meint ein Kollege: „Also die Mehrheit meiner Kollegen hält davon gar nichts. Sicher ist es z. B. eine Alternative für die Beschäftigten in Osnabrück, wenn dort nach Ende der Produktion Militärfahrzeuge produziert werden. Ab April sollen ja dort angeblich im Auftrag von Rheinmetall bereits gepanzerte Fahrerkabinen produziert werden. Ich frage mich aber, was ist das für eine Alternative: arbeitslos oder Kriegsproduktion?
Die Alternative steht so nur im Kapitalismus. Damit sich das ändert bleibt den Arbeiterinnen und Arbeitern nur die Alternative, den Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz, für den Weltfrieden als Schule des Klassenkampfs zur revolutionären Überwindung des Kapitalismus zu führen.