Interview

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Studentenwohnungen in Köln: Teuer und heruntergekommen

Die vor allen Dingen durch die Spekulation in die Höhe getriebenen Mieten sind für alle einfachen Leute ein Problem. Besonders schwierig aber ist die Lage für Studenten in den Universitätsstätten. Rote Fahne News sprach mit einem von ihnen - wir wollen ihn Leon nennen - und er studiert in Köln.

Korrespondenz aus Köln
Studentenwohnungen in Köln: Teuer und heruntergekommen
Köln, die Metropole am Rhein, sieht aus der Luft auch bei den aufziehenden Wolken malerisch aus. Unter diesen Dächern zu wohnen, können sich allerdings immer weniger Menschen Leisten. (Bild: Paolo Bici; Lizenz: Pexels)

Rote Fahne: Erzähl mal von Deiner Wohnungssuche.

 

Leon: Seit Sommer letzten Jahres studiere ich in Köln. Nach der Zusage war für die Wohnungssuche einen Monat Zeit. Die Besichtigung in Köln BayenthaLeon: 18qm, 550 € Kaltmiete in einem riesigen Haus mit dutzenden Wohneinheiten. Der Zustand total ekelhaft und heruntergekommen. Köln Zollstock: 700 € kalt für 24Quadratmeter, wieder in Zollstock wenigstens mit Balkon, Zustand war ok, aber 200 Leute die sich die Wohnung angeschaut haben. Das war die Regel. Eine auf den Ringen war auch katastrophal. Um da herauszustechen müssen deine Eltern Ärzte sein. Im Studentenwohnheim hätte ich vielleicht eine Chance gehabt, aber dort sind dann unnormal viele Menschen auf engstem Raum. In meinen Bekanntenkreisen kenne ich wirklich niemanden wo man zur Wohnung sagen könnte: Das ist fair. Es ist krass, wie das in Köln normalisiert wird.

 

Rote Fahne: Und Deine Wohnung?

 

Leon: Die ist vergleichsweise günstig. Das ging nur über Kontakte. 600 € für 24 Quadratmeter warm, darin ein Parkplatz den ich für 50 € weitervermiete. Ich bin froh, dass ich die gefunden habe. Aber der Hausverwalter schickte mir eine falsche Nebenkosten-Abrechnung. Auf der Grundlage verdoppelt er die monatliche Nebenkosten-Vorauszahlung. Jetzt zahl’ ich insgesamt 740 €. Da kommt Strom und Internet noch dazu… Der Hausverwalter pokert und nutzt es aus, dass ein Anwalt Zeit und Geld kostet. Aber das muss wohl sein.

 

Rote Fahne: Wie finanzierst Du das denn?

 

Leon: Aus mehreren Sachen. Ich arbeite im „Minijob“ in der Gastronomie, bekomme da 515 €. Da ist so viel mehr Arbeit als „Mini“. Da macht man dann an einem Tag mal 19 Stunden und bekommt was unter der Hand. Da acker’ ich im Sommer richtig und kann was zurücklegen. Im Oktober hab ich ein Praktikum, da werd’ ich Vollzeit arbeiten und bezahlt. Da werde ich auch was zurücklegen, kann dann aber nicht studieren.

 

Rote Fahne: Und BAföG?

 

Leon: Das ist eine eigene Geschichte, kann ich mich richtig darüber aufregen. BAföG wird am Einkommen Eltern von vor zwei Jahren bemessen. Mein Vater arbeitet als Drucker, Mama in der Pflege. Am Anfang vom Studium hab ich 390 € bekommen. Das hat richtig geschmeckt. Obwohl, so viel ist das jetzt auch nicht. Man braucht es wirklich. Nun musst’ ich im dritten Semester neu beantragen. Vor zwei Jahren bekam Mama eine jahrelang angesammelte Überstundenauszahlung. Deswegen bekomme ich jetzt nur noch 45 € BAföG. Würde ich Null Euro BAföG bekommen, hätte ich wenigstens einen Wohngeldanspruch. BAföG muss man zurückzahlen, das ist ein Kredit. Tatsächlich ist Mamas Einkommen aber nicht so hoch, wies aus der Nachzahlung berechnet wurde. Daher muss ich nun Formblatt 7 beantragen, „Aktualisierung des Elterneinkommens“. Dazu soll ich Elterneinkommen im Voraus abschätzen. Wie soll das gehen? Mama arbeitet in der Pflege, ihr Gehalt schwankt. Das Risiko der Rückzahlung trage ich.

 

Rote Fahne: Das reicht doch aber alles trotzdem kaum zum leben …

 

Leon: Meine Eltern unterstützen mich auch voll. Bin da auch echt froh drum. Ich weiß gar nicht wie man das machen soll, wenn man keine Unterstützung durch die Eltern hat. Oder wenn die keine Lust haben, mit all den Unterlagen, sich so nackig vorm Amt zu machen. Ich hab auch so ein krass schlechtes Gewissen. Meine Eltern unterstützen mich gerne, weil sie wissen, dass ich fleißig bin. Aber man will ja auf eigenen Füßen stehen, sich selbst die Dinge erarbeiten. Das ist ja ein ganz anderes Gefühl. Und es ist echt nicht wenig Geld, das sehe ich nicht als selbstverständlich an. Deswegen besteht mein Leben vor allem aus daheim Lernen, arbeiten und Uni. Die Wohnungsfirmen nutzen die Situation der Studenten schamlos aus.

 

Rote Fahne: Vielen Dank für das Interview!