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Entwickelt sich zum Publikumsmagneten: Stand des Verlag Neuer Weg auf der Leipziger Buchmesse

Bevor am gestrigen 19. März die Leipziger Buchmesse ihre Tore für das große Publikum öffnete, machte sie schon viel von sich reden. Das lag zunächst weniger an den Neuerscheinungen, den Buchpreisen und den Lesungen, sondern am unsäglichen Kulturstaatsminister der Merz-Regierung, an Wolfram Weimer.

Von gis
Entwickelt sich zum Publikumsmagneten: Stand des Verlag Neuer Weg auf der Leipziger Buchmesse
Viele jugendliche Gesprächspartner beim Verlag Neuer Weg auf der Leipziger Buchmesse (rf-foto)

Der hat Leipzig inzwischen wieder verlassen und hofft wahrscheinlich - zusammen mit Duz-Freund Friedrich Merz -, er käme aus der Bredoulile wieder heraus. Doch davon später.

Riesenansturm, sehr viele Jugendliche

In fünf Messehallen und hunderten von Veranstaltungsorten in der Stadt gehen Buchmesse und das Lesefest "Leipzig liest" über die Bühne. Zehntausende stürmen am Donnerstag Vormittag die Messehallen. Letztes Jahr waren es 296.000 Menschen und 3.000 Veranstaltungen. Für die Bevölkerung von Leipzig und die östlichen Bundesländer ist die Leipziger Buchmesse eine Herzensangelegenheit. Geschäfte werden natürlich auch gemacht. Und ganz besonders um die Herzen, Köpfe und Geldbeutel der Jugendlichen, die bald das Gros der Besucherinnen und Besucher bilden, findet eine entfaltete Auseinandersetzung statt. Dazu hat die Messe etliche Bereiche ausgeweitet, in denen Jugendbücher und Literatur für "New Adult" vorgestellt werden. Literarische Kleinode und informative Literatur sind dort eher Mangelware - wobei es sie durchaus gibt bei vielen ambitionierten Verlagen. Aber seichte Romantik zur Ablenkung von den realen Problemen der jugendlichen Leserschaft drängt sich in den Vordergrund. 

Verlag Neuer Weg sticht hervor

Mit seinem einzigartigen Angebot an fortschrittlicher, antifaschistischer, sozialistischer, der Völkerfreundschaft verbundener Literatur sticht der Stand des Verlag Neuer Weg in Halle 5, Stand K303, deutlich hervor. Und stößt auf weiter gewachsenes Interesse, gerade unter Jugendlichen. Eine der ehrenamtlichen Aktivistinnen berichtet am ersten Messetag begeistert: "Ich bin total beeindruckt von dem großen Interesse von Jugendlichen an unserem Angebot zum Sozialismus, gerade daran, am gesellschaftsverändernden Kampf. Viele kommen aus der Antifa oder der Palästinasolidarität und spüren instinktiv, da muss es noch weitergehen." Elvira Dürr vom Verlag, langjährige Repräsentantin auf den Buchmessen: "Ich kann das nur bestätigen. Die Schulklassen, die uns besuchen, kommen von immer weiter her, Schulklassen von achter Klasse bis Berufsschule, von Rostock bis Kassel waren gestern da. Und bei allen Aufgeschlossenheit, Neugier, lebhaftes Interesse. Etliche kommen auch ganz zielstrebig zu uns, weil sie letztes Jahr oder vor zwei Jahren schon mit uns Bekanntschaft geschlossen haben und "Nachschub" an Büchern, Lenin-Taschen und Informationen brauchen." Am ersten Tag haben wir schon ein paar hundert Euro eingenommen, das werden wir an den publikumsstärksten Tagen noch steigern. Verkauft wurden Bücher "quer Beet": Romane, Antifaschistische Literatur, die Lehren aus dem sozialistischen Aufbau und die "blauen Bücher" aus der Reihe Revolutionärer Weg. 

Zwei Veranstaltungen des Verlags Neuer Weg auf der Leipziger Buchmesse

  • Am heutigen Freitag stellt Jörg Weidemann um 17 Uhr in der Halle 5, Stand E604 das im VNW verlegte Buch "Die Krise der bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, der Religion und der Kultur" vor
  • Am morgigen Samstag, dem 21. März, findet die Veranstaltung "Dem Sozialismus gehört die Zukunft!" mit Lisa Gärtner statt. Haus der Demokratie, Bernhard-Göring-Straße 152, 04277 Leipzig. Beginn 19 Uhr, Einlass 18.30 Uhr.

Rote Fahne News wird berichten.

Weimer schleimt sich ein

Vor ausgewähltem Publikum am Mittwoch im Gewandhaus und gestern Abend in der Nationalbibliothek hatte der Kulturstaatsminister dann doch die Chuzpe, Reden zu halten; vor einem Bad in der Menge der Messebesucher hat er ja gekniffen. Der Verlag Neuer Weg hatte zu einer Protestkundgebung vor der Nationalbibliothek aufgerufen, wo Weimer an einer Podiumsdiskussion zur Meinungsfreiheit teilnahm, ebenfalls eine Veranstaltung der Leipziger Buchmesse. Interessant war, dass auch das geladene Publikum der Podiumsdiskussion mehrheitlich äußerst positiv auf die Kundgebung und die Protestschilder reagierte und das Gespräch suchte; ein Fernsehteam vom MDR machte Interviews. Weimer ist tatsächlich in die Nationalpolitik gekommen und versuchte, sich einzuschleimen. "Wenn gebaut werden muss, dann bauen wir natürlich!" Das bezog sich darauf, dass er den lange geplanten Erweiterungsbau für die Nationalbibliothek streichen wollte. Deswegen stand er bei den Leipzigern nochmals besonders am Pranger.

 

Eindrücke von der Protestversammlung im MDR-Fernsehen hier ab Minute 7.16

 

In seinem Redebietrag auf der Protestkungebung führte Jörg Weidemann von der MLPD Leipzig über Wolfram Weimer aus: "Genau das ist es: ein Kulturkampf von rechts und von reaktionär gegen fortschrittliche und vor allem revolutionäre sozialistische und kommunistische Gedanken. ... Die Protestkundgebung steht ja heute unter dem Motto von Thomas Mann 'Die Grundtorheit unserer Epoche'. Was im letzten Jahrhundert galt, gilt erst recht im 21. Jahrhundert. Weimer muss zurücktreten, nicht nur wegen seiner aktuellen Eskapaden, sondern wegen seiner gesamten antikommunistischen und antidemokraticshen Grundhaltung, die er aggressiv durchsetzen will. Wolfram Weimer, wir nehmen Ihren Kulturkampf an! Wir werden Ihre rückschrittliche, reaktionäre Arbeiter- und völkerfeindliche nationalistische Kultur und Gedankenwelt entschlossen bekämpfen!"

 

Zur Vertiefung - Beitrag auf der Webseite des theoretischen Organs der MLPD, des Revolutionären Weg: Wolfram Weimer, Ultrarechter-völkischer Kulturkampf von oben