Gastbeitrag

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Israelisches Regime steigert gnadenlose Luftangriffe auf den Libanon

Roland Meister – Palästinakenner, engagierter Rechtsanwalt und langjähriges Mitglied im Zentralkomitee der MLPD – hat der Redaktion diesen aktuellen Text zur Verfügung gestellt, wofür wir uns herzlich bedanken:

Von Roland Meister, Essen
Israelisches Regime steigert gnadenlose Luftangriffe auf den Libanon
Roland Meister

Eine israelische Bodenoffensive ist angekündigt. Ist das der nächste Schritt zu einem Groß-Israel? Der Libanon erlebt zunehmende Tote und Verletzte in der Zivilbevölkerung und weitflächige Zerstörung der zivilen Infrastruktur durch offen gegen das Kriegsrecht verstoßende israelische Luftangriffe. Innerhalb von sechs Stunden führte die israelische Luftwaffe am 17./18. März drei Bomben- und Raketenangriffe auf den Libanon durch, schwerpunktmäßig auf die Hauptstadt Beirut. Dabei wurde ein Wohnhaus im von Schiiten, Sunniten und Christen bewohnten Stadtteil Bashoura zerstört. Eine „begrenzte“ Bodenoffensive wurde angekündigt und offensichtlich auch teils bereits begonnen.


„Wir werden tun, was wir in Gaza getan haben“, erklärte ein hochrangiger Vertreter Israels gegenüber dem Medienportal „Axios“. Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass wir die volle Unterstützung der USA für diese Operation haben.“ (https://www.axios.com/2026/03/14/israel-lebanon-ground-invasion-hezbollah)

 

Der israelische Außenminister, Israel Katz, kündigte die Besetzung weiterer Gebiete Libanons an und drohte der libanesischen Regierung mit enormen Schäden an der Infrastruktur, sollte Beirut die Hisbollah nicht entwaffnen. Der israelische faschistische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ergänzte, man werde die Hisbollah "zermalmen". Dies ist einer der offensichtlichsten Belege für die qualitativ und quantitativ erfolgte Ausdehnung des gegen den Iran begonnenen Angriffskrieges des US-Imperialismus und des zionistischen israelischen Regimes im Mittleren Osten.


Die Hisbollah ist dabei eine politische Partei im Libanon, die auch in der Nationalversammlung vertreten ist und vorwiegend Mitglieder hat, die der schiitischen Religion angehören. Sie entstand ab 1982 als Zusammenschluss bewaffneter Gruppen, die im Widerstand gegen die damalige israelische Invasion standen. Sie hat einen religiös verbrämten faschistischen Charakter und ist mit dem iranischen Regime eng verbunden. Sie verfügt über einen stark bewaffneten militärischen Arm, der auch die Kontrolle über Teile des Libanons verfügt.

 

Das Vorgehen ist aber Bestandteil des imperialistischen Plans der Schaffung eines „Groß-Israels“. Zumindest Gebiete des Libanons bis Sidon sollen besetzt werden. Israelische Siedler planen bereits die Übernahme libanesischer Dörfer, denen auf Landkarten bereits hebräische Namen gegeben wurden.


Neben dem Genozid in Gaza, der Vertreibung in der Westbank und nun der Bodenoffensive im Libanon sei daran erinnert, dass Israel bereits vor etwas über einem Jahr bereits in Syrien weitere Gebiete besetzt hat. Im Zuge des Sturzes des syrischen Assad-Regimes Ende 2024 nahm das israelische Militär eine 80 Kilometer lange Pufferzone zwischen den Golanhöhen und dem Rest Syriens ein. Auch die Golanhöhen gehören offiziell zu Syrien, sind aber seit 1967 israelisch besetzt und seit 1981 offiziell von Israel annektiert.


Nach aktuellen Angaben der israelischen Armee haben Truppen der 91. Division bereits Bodenoperationen gegen wichtige Stellungen im Südlibanon eingeleitet. Der israelische Sender Channel 13 warnte jedoch davor, dass eine groß angelegte Bodenoffensive die israelischen Truppen einem erhöhten Risiko aussetzen könnte. Laut dem libanesischen Nachrichtensender Al Mayadeen leisten Hisbollah-Kämpfer weiterhin Widerstand gegen israelische Vorstöße, insbesondere rund um die strategisch wichtige Stadt Khiam.


Antiimperialistische und revolutionäre Kräfte im Libanon, die teils auch mit der Libanesischen Kommunistischen Partei verbunden sind, kritisieren die Haltung der libanesischen Regierung als Verrat. Diese weigere sich, Widerstand zu leisten, und will andere daran hindern, Widerstand zu leisten. Es sei deshalb nötig, dass alle Widerstandskräfte und die Zivilbevölkerung Widerstand leisten.

 

Aktuellen – nicht unabhängig überprüfbaren – Berichten zufolge kommt es zu einem entschlossenen Widerstand gegen die Angriffe im Süden. Libanesische Widerstandskämpfer liefern sich danach mit leichten Waffen und Panzerfäusten heftige Nahkämpfe mit israelischen Truppen und fügen den israelischen Streitkräften teils deutliche Verluste zu. Die bisherigen Opfer der völkerrechtswidrigen Aggression Israels sind über 800.000 Flüchtlinge und mindestens 773 Tote. (Stand: 13.3. 2026: (https://www.axios.com/2026/03/14/israel-lebanon-ground-invasion-hezbollah)

 

Inzwischen sind es mehr als 1 Million Menschen, die auf der Flucht sind. Der Libanon hat insgesamt 5,5 Millionen Einwohner, d. h., dass fast jeder fünfte Einwohner des Libanons auf der Flucht ist. Hunderttausende von ihnen haben vorläufigen Schutz in der Hauptstadt Beirut gesucht und benötigen dringend Unterkünfte, Essen, Kleidung und medizinische Versorgung, da sich ansonsten eine humanitäre Katastrophe entwickelt. Gleichzeitig werden Flüchtlinge auch Opfer der israelischen Luftangriffe.

 

"Israel bezeichnet alle seine Ziele als 'Hisbollah-Stellungen', ohne Beweise vorzulegen. Dazu zählten am Freitag auch eine Brücke über den Litani-Fluss und ein medizinisches Zentrum in Bint Dschubail, in dem zwölf Ärzte, Sanitäter und Pfleger massakriert wurden. Kurz zuvor waren in der Ortschaft Sarawana bereits Rettungskräfte unter israelischen Beschuss geraten. Seit dem 2. März sind damit mindestens 31 Angehörige des Gesundheitswesens im Libanon bei israelischen Angriffen getötet worden. ... Die israelischen Bomben treiben die Menschen vor sich her und töten sie selbst in Hotels und Wohnungen in Beirut.“ (Junge Welt)

 

Nicht nur dies ist Ausdruck des jüdisch verbrämten faschistischen Charakters des israelischen Regimes, sondern auch, dass es international geächtetes weißes Phosphor gegen die libanesische Zivilbevölkerung einsetzt. (https://www.deutschlandfunk.de/human-rights-watch-israel-hat-weissen-phosphor-im-libanon-eingesetzt-militaer-dementiert-100.html) Der Einsatz ist nach dem Protokoll III des Übereinkommens über konventionelle Waffen (CCW) nicht zulässig. Während der Libanon und Palästina dieses Protokoll unterzeichnet haben, hat Israel dieses nicht ratifiziert.

 

Bislang haben die Vorstöße Israels an der Grenze zum Libanon noch keine nennenswerten Erfolge verzeichnen können. Der Widerstand aus dem Libanon ist offensichtlich heftiger als seitens des israelischen Militärs angenommen wurde, wird auch in israelischen Medien berichtet. Insbesondere der militärische Arm der Hisbollah ist nach bisherigen Berichten in der Lage, israelische Angriffe abzuwehren und israelische Ziele zu beschießen.

 

Die USA selbst üben gleichzeitig massiven Druck auf die libanesische Regierung aus und fordern die Entwaffnung des militärischen Arms der Hisbollah. Dies wird ausdrücklich auch von Frankreich, Deutschland und Saudi-Arabien unterstützt.


Eine Verschärfung ist, dass Vertreter des syrischen Militärs bestätigt haben, dass die Möglichkeit eines Eingreifens in Erwägung gezogen werden kann.

 

Die Perspektive liegt nicht darin, sich zum Instrument der verschiedenen imperialistischen Mächte machen zu lassen, seien es die USA, sei es Israel, Saudi-Arabien, Deutschland und die EU oder der Iran, Russland und China oder von diesen unterstützte und abhängige Kräfte.


Krieg, Flucht, imperialistische Interventionen und humanitäre Katastrophen gehören seit Jahrzehnten ebenso zu dieser Region wie die imperialistische Politik der Spaltung der Völker und des Schürens religiöser und ethnischer Konflikte.


Weder im Iran, noch in Syrien, Palästina oder dem Libanon kann eine nationale und soziale Befreiung durch imperialistische Stellvertreter wie die USA erreicht werden, sondern nur in der Auseinandersetzung mit allen imperialistischen Machthabern.


Die in der Region kämpfenden Völker, wie das palästinensische und kurdische Volk, die Arbeiterklasse und die breiten Massen in Israel, Iran, der Türkei, Syrien oder dem Libanon, müssen ihren eigenen Weg der Selbstbestimmung als Teil einer internationalen Front gegen Reaktion, Faschismus und Imperialismus gehen.


Echten Frieden und wahre Freiheit wird letztlich nur ein revolutionärer Weg der Befreiung bringen.