Frauenstreiktag
„Wenn wir stillstehen, steht die Welt still“
In vielen Städten gibt es wieder Aufrufe zum Streiken im Rahmen der 8. März-Aktionen heute am 9. März.
International und in Deutschland werden sich Zehn- bis Hunderttausende an Aktionen beteiligen.
Die Wut über die Benachteiligung und besondere Unterdrückung der Masse der Frauen ist berechtigt, auch für größere Aktionen. Streik ist eine mächtige Waffe. Diese wollen die Frauen auch zum 8. März nutzen. Durch die bürgerliche Staats- und Familienordnung liegt die Versorgung der Familien, Alten und Kranken auf den Schultern der Frauen. Und weil sie dafür zuständig sind, bekommen sie immer noch weniger Lohn für ihre Arbeit – weltweit, wird sie also besonders ausgebeutet. Die wachsende Kriegsgefahr bedeutet für Frauen noch mehr Gewalt, Sorge um die Familie, die Kinder.
Als erstes haben die Isländischen Frauen mit ihrem Streik 1975 Geschichte geschrieben. „Unsere Wut war wunderschön“. Über 90 % der Frauen haben sich beteiligt. Mehr als 20 000. Frauen forderten auf ihren Demonstrationen Gleichberechtigung, eine faire und gleichwertige Bezahlung ihrer Arbeit und bessere Kinderbetreuung. Ein Großteil der Männer beurteilten den Streik als berechtigt. Unternehmer, die mit Kündigung drohten, nahmen dies schnell zurück, wegen der Breite der Unterstützung des Streiks. Bereiche wie Telefondienst brach vollständig zusammen, Fluggesellschaften mussten Flüge streichen, weil Stewardessen fehlten, Banken arbeiteten im Notdienst. Dieser Streik gab dem Kampf um die Gleichberechtigung und Durchsetzung vieler Forderung einen wichtigen Anstoß.
Mit ihrer Parole: „Wenn wir stillstehen, steht die Welt still“ wollten die spanischen Frauen 2018 fühlbar machen, wie sehr das Land von Frauen und ihrer Arbeit abhängig ist.
Tausende Frauen in Spanien weigerten sich zu arbeiten: Sie kämpften damit gegen Benachteiligung am Arbeitsplatz, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, gegen Armut besonders im Alter, gegen gesellschaftliche Diskriminierung und häusliche Gewalt. Kleine Gewerkschaften schlossen sich an Die beiden großen Gewerkschaften mobilisierten nur für zweistündige Arbeitsniederlegung, aber die Frauen entschieden anders. Sie wollten weder putzen, noch Kochen, die Kinder oder Alten Menschen pflegen und – gingen nicht zur Arbeit!
Zum Erstaunen aller brach das Verkehrswesen zusammen: Hunderte von Zügen, U-Bahnen und Bussen fuhren nicht, die Müllabfuhr in Madrid funktionierte nur eingeschränkt, in Barcelona blockierten blockierten die Streikenden die wichtigsten Zufahrten. Fernsehsendungen fielen aus, viele Schulen und Fakultäten schlossen. Sogar die Königin schloss sich dem Streik an.
Wir unterstützen solidarisch den Streikaufruf zum internationalen Frauentag. Meist wird in Deutschland die Streikzeit auf die Mittagspause gelegt, auf zwei Stunden begrenzt und oder nur der private Bereich bestreikt. Ein Hintergrund ist, dass in Deutschland politische Streiks nicht erlaubt sind. Umso wichtiger, um ein auch politisches Streikrecht zu kämpfen und sich nicht auf symbolische Aktionen zu beschränken.
Und: Warum sollten sich nicht auch fortschrittliche Männer an Streiks für Frauenrechte beteiligen? Wir sehen es kritisch, wenn teils bei Aktionen am 9. März pauschal "die Männer" als Gegner betrachtet werden.
Wir Frauen werden diese Waffe des Streiks gemeinsam mit unseren Kollegen brauchen, um sie auch gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung einzusetzen und für Freiheit von Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Natur.