Debatte um revolutionäre Perspektive
"Krieg und Revolution können sich verbinden"
Die Debatte um eine revolutionäre Perspektive gehört heute auf die Tagesordnung. Millionen Menschen formieren sich weltweit gegen Faschismus und Krieg, der Internationale Frauentag war von einer deutlichen Belebung der kämpferischen Frauenbewegung gekennzeichnet, auch Arbeiterkämpfe entwickeln sich länderübergreifend.
Wenn vor den Betriebstoren oder auf der Straße viele unzufriedene Menschen sagen, man könne „eh nichts ändern“, dann liegt das unter anderem an der Meinungsmanipulation - vom weltweiten fortschrittlichen Aufbegehren gegen Krieg und Faschismus erfährt man aus den bürgerlichen Medien nicht viel. Aber auch an der tatsächlichen Unlösbarkeit, solange man sich innerhalb des kapitalistischen Systems.
Scheinbar gibt es auch nur noch kleinere oder größere Übel: Im Iran soll man entscheiden zwischen Schah, Mullahs oder einer US-imperialistischen Herrschaft. Trump will den „Iran great again“ machen, wo einem angst und bange wird, wenn das so „great“ wird wie sein Umbau der USA. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner erklärt, das Völkerrecht würde „Terrorregimes schützen“ – deshalb halten wir uns nicht dran und werden selbst Terrorregime? Bundeskanzler Friedrich Merz beschwört, in einer Welt der Großmächte müsse man eben selbst Großmacht werden.
Also kein Ausweg in Sicht? Doch – indem wir uns besser organisieren und eine revolutionäre Perspektive erkämpfen. Die Situation, so schlimm sie ist, beinhaltet zugleich auch diese Möglichkeit. Die Einschätzung der MLPD, dass die Situation auch das „Potenzial einer revolutionären Weltkrise“ beinhaltet, scheint aufgrund der Medienmanipulation für manche weit weg. Umso interessanter, dass auch bürgerliche Autoren diese Frage wieder thematisieren - wohl vor allem aus der Angst der Herrschenden heraus. So erklärte der Historiker Professor Jörn Leonhard in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau den Zusammenhang von Krieg und Revolution, bezogen auf Rußland und Putin: „Das Regime mag nicht morgen stürzen, aber dass mit immer höheren Opfern und Lasten die Glaubwürdigkeit des Regimes herausgefordert wird, dass Krieg und Revolution sich verbinden können, sollte man als Möglichkeit nicht unterschätzen."
Natürlich muss man jede Situation konkret analysieren, aber immer gibt es auch Gesetzmäßigkeiten und vor allem Lehren, die zu ziehen sind. Auch für uns. Deutschland befindet sich (noch) nicht direkt im Krieg und sicher steht auch die Revolution nicht unmittelbar bevor. Aber dass die Kriegsvorbereitung enorme Lasten auf die Massen abwälzt und zu einer Legitimationskrise führt, ist auch hier auf gewissem Niveau schon der Fall. Als historisches Beispiel nennt Leonhard übrigens richtig die Oktoberrevolution 1917 und führt dazu auch aus, wie die revolutionäre Perspektive schon vor der Revolution den Friedenskampf befügelt: So sei im Ersten Weltkrieg der „soziale Druck auf Soldaten“ enorm gewesen und die Armeen Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands entsprechend relativ stabil. Aber: „Die große Ausnahme war bereits 1917 Russland, wo die Bolschewiki Brot, Land und Frieden versprachen und damit die Desertion beschleunigten.“
Ein wichtiger Jahrestag, um die revolutionäre Alternative zu diskutieren, ist im März das an vielen Orten stattfindende Gedenken an die Märzkämpfe und die Rote Ruhr Armee. Damals hatten 1920 ein Generalstreik und vor allem bewaffnete Einheiten von 100.000 Arbeitern den faschistischen Kapp Putsch verhindert. Hier war tatsächlich eine breite Einheitsfront aus sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern gelungen. Zuvor hatte 1918 die Novemberrevolution den Ersten Weltkrieg beendet und den Kaiser verjagt. Da es noch starke reformistische Illusionen unter den Arbeitern gab und die KPD erst kurz vorher gegründet worden war, gelang die Vollendung der Revolution zu einer sozialistischen nicht.
Die Lehren für die revolutionäre Perspektive, die Einheitsfrontpolitik, Organisiertheit und Klarheit gilt es, in der Bewusstseinsbildung zum Märzgedenken zu ziehen. Am jetzigen und am nächsten Wochenende finden vor allem im Ruhrgebiet viele Gedenkkundgebungen und -aktionen statt. "Nichts ist vergessen, niemand ist vergessen"! Und erinnern heißt Lehren für heute ziehen und die antifaschistische Einheitsfront mit Kraft weiter aufbauen.