Internationaler Frauentag in Hannover
Kapitalismuskritisch und auf der Suche nach Perspektive
Nachdem sich das 8M-Bündnis in Hannover offenbar – mutmaßlich an der Palästinafrage - gespalten und aufgelöst hatte, war für die 10 000 Teilnehmerinnen des Frauentags 2025 die Frage, wer dieses Jahr die Initiative ergreift. So fanden gleich mehrere Demonstrationen und Kundgebungen statt.
Wir konzentrierten uns auf die Demo am Sonntag unter dem Motto „Wir kämpfen bis wir frei sind“. Aufgerufen hatten ver.di-Frauen, IG Metall-Jugend, IGBCE-Jugend, GEW, DIDF-Jugend und Internationale Jugend. Rund 2 500 mehrheitlich junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen in einem langen Demozug durch die Stadt. Mit vielen selbstgemalten Plakaten und Parolen wie „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, „Stoppt Femizide, man tötet nicht aus Liebe!“, „Ehe, Küche, Vaterland – unsere Antwort Widerstand!“ bis zu „Jugend-Zukunft-Sozialismus!“ wurde die ganze Bandbreite von Alltagsfragen, Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen bis hin zu gesellschaftlichen Perspektiven auf die Straße getragen. Vielfach wurde betont, dass Feminismus antikapitalistisch und Frauenkampf Klassenkampf sei.
Auch Krieg und Faschismus waren Thema, allerdings wurde die akute Gefahr noch sehr unterschätzt, wenn die Kritik darauf reduziert wurde, dass das Geld für Rüstung bei Bildung, Erziehung usw. fehlt. Deshalb war unser Schwerpunkt gegen die faschistische Gefahr und gegen den drohenden Dritten Weltkrieg genau richtig. Das traf auf fruchtbaren Boden und wurde in den Gesprächen beim Verkauf der Roten Fahne vertieft. Ein angekündigter Redebeitrag der MLPD wurde von den Organisatorinnen nicht ins Programm genommen mit der Begründung, es sei schon voll und zum Sozialismus würden auch andere sprechen. Das wollen wir in der Auswertung der Aktion mit dem Bündnis austragen.
Am Montag beteiligte sich der überparteiliche Frauenverband Courage auf Einladung des „Töchterkollektivs“ am Frauenstreiktag. Dort kamen trotz Werktag mittags immerhin 500 bis 700 Frauen und Mädchen zusammen. Bei strahlendem Sonnenschein war viel Gelegenheit zur Diskussion und der schöne Stand von Courage war regelrecht umlagert. Viele junge Frauen waren interessiert, Courage kennenzulernen und finden es notwendig, sich angesichts der Weltlage zu organisieren und gemeinsam zu kämpfen. MLPD-Genossinnen unterstützten das ebenfalls und die Mitgliederwerbung und boten dabei auch das Buch „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“ und die Rote Fahne an.
Das Töchterkollektiv organisierte ein abwechslungsreiches Programm mit Reden von Gewerkschaftsfrauen, Künstlerinnen, Frauengruppen und „politischen Entscheidungsträgerinnen“, also offiziell „keine Parteien“. Maren Kaminski, für die Linkspartei im Bundestag, konnte sprechen. Aber auch hier kein Rederecht für die MLPD. Zur Überwindung der spaltenden Mauer des gesellschaftlichen Antikommunismus in der Frauenbewegung ist die solidarische Auseinandersetzung und überparteiliche Zusammenarbeit das dringende Gebot der Stunde. Das Interesse und die Offenheit der „Töchter“ für eine Zusammenarbeit mit Courage ist dafür eine gute Voraussetzung.
Gegen Bedenken der „Töchter“, Krieg sei beim Frauenstreik kein Thema, bekam der Redebeitrag von Anke Nierstenhöfer vom Bundesvorstand des Frauenverbandes Courage gerade den größten Beifall, weil sie Faschismus und Krieg in den Mittelpunkt rückte und den Zusammenhang zur Lage und dem Kampf der Frauen herstellte: „‘Überall wird der Frauentag eine Demonstration für den Frieden sein. Eine internationale Demonstration, trotz Völkerringen, Kriegsrecht und alledem!‘ sagte Clara Zetkin, die 1911 den 8. März als internationalen Frauentag ins Leben gerufen hatte. Kämpferische Frauen und Mütter stehen seit jeher auf für Frieden und das Überleben der Menschheit in einer Welt, die wir auch unseren Kindern und Enkeln noch guten Gewissens übergeben können.“
Und zur Verantwortung der Frauenbewegung für den breiten Zusammenschluss gegen den Faschismus sagte sie: „Wir stehen an der Seite der Frauen aller Länder, die weltweit mit uns gegen ein Rollback unserer erkämpften Frauenrechte durch rechte Regierungen und Faschisten aufstehen! Wer das Rad der Geschichte zurückdrehen will, muss erst mal an uns vorbei! Wir müssen uns gegen die gefährliche Entwicklung hin zum Faschismus weltweit enger zusammenschließen, klare Kante zeigen und dabei das Trennende überwinden. Nie wieder ist jetzt ist unser kleinster gemeinsamer Nenner. An dieser Stelle auch ein kritisches Wort an Alice Schwarzer: sie wurde zu ihrer Meinung über eine fiktive Kanzlerschaft von Alice Weidel/AfD befragt. Sie sagte, das hätte „trotz alledem vermutlich auch den Effekt, ermutigend für Frauen zu sein“. Ich frage euch: Was wird besser an Faschismus, wenn er ein weibliches Gesicht hat? Wer so redet, hat aus der Geschichte nichts gelernt und fällt der kämpferischen Frauenbewegung in den Rücken. Die einzige Ermutigung, die ich aus dieser Debatte ziehe, ist, den Kampf gegen den Faschismus zu verstärken, damit es erst gar nicht so weit kommt!“ Lautstark antworteten die Teilnehmerinnen: „Alle zusammen gegen den Faschismus!“