Mehr als Medaillen

Mehr als Medaillen

Die Paralympics 2026 zwischen Anerkennung des Parasports und profitabler Vermarktung

Nach der beschämenden Eröffnungsfeier der Paralympics am vergangenen Freitag* unterstreichen bereits die ersten Wettkämpfe eines nachdrücklich: Die Athleten mit Handicap brauchen sich längst nicht mehr hinter ihren Kollegen ohne Handicap zu verstecken.

Von hk

In einem dramatischen Abfahrtslauf holte sich die mehrfache Olympiasiegerin im Monoski, Anna-Lena Forster aus Radolfzell, mit nur fünf Hundertstel Vorsprung vor ihrer Dauerkonkurrentin Audrey Pascual Seco ihr inzwischen fünftes Olympiagold. Dabei gehört die Abfahrt nicht gerade zu ihren stärksten Disziplinen, was für ihren Start in vier weiteren Wettbewerben noch einiges erwarten lässt. Ohne ihr Licht unter den Scheffel zu stellen, betonte sie gleichzeitig nach ihrem Sieg, dass dahinter eine gewaltige Teamleistung steckt aus Trainern, Betreuern, technischen Unterstützern und Beratern.

 

Und so geht es für viele Para-Athleten um mehr als eine erhoffte Medaille. Elina Stary, 19-jährige Skirennläuferin aus Österreich mit nur zwei Prozent Sehkraft, startet bei den Paralympics in vier Rennen. Offen berichtet sie, worin für sie die Bedeutung der Teilnahme an den olympischen Spielen liegt. Dies beschränkt sich nicht auf „Einkleidung, Pressekonferenzen, ein großes Rundherum“: „Man kann seine Leistungen unter Beweis stellen. Man kann sich auch definieren, für etwas einsetzen, seine Werte zeigen. Ich möchte für Frauen im Parasport eine Lanze brechen. Es ist für Menschen mit einer Erkrankung oder einer Behinderung wichtig, von Anfang an Vorbilder zu haben.“

 

Als Kind hat sie nämlich erfahren müssen, wegen ihrer Beeinträchtigung in der Schule oft stigmatisiert zu werden und sich deshalb minderwertig und ausgegrenzt zu fühlen. Der Sport hat bei ihr wesentlich zur Überwindung von Selbstzweifeln beigetagen. Deshalb tritt sie dafür ein, dass die Parasportler mehr Rückhalt erfahren und ihre Leistungen genauso gewürdigt werden wie jene der Nichtbehinderten - und nicht nur als „Vorbilder trotz Schicksalsschlag“. Insofern verdienen es die diesjährigen Paralympischen Winterspiele keinesfalls, dass sie noch immer im Schatten der „normalen“ Spiele stehen, auch wenn sich seit ihrer Premiere vor 50 Jahren vieles verbessert hat.

 

Große Ausstrahlung und mediale Beachtung hatte der Beginn 1976 im schwedischen Örnsköldsvik mit insgesamt 198 Athletinnen und Athleten nicht. Heute treten über 650 Teilnehmer aus rund 50 Nationen in sechs Sportarten und insgesamt 79 Wettbewerben gegeneinander an. Sie stoßen auf ein deutlich gewachsenes öffentliches Interesse. Auch die damit erzielten Gewinne sind inzwischen auf knapp 35 Millionen Euro Ende 2024 gestiegen, dem Jahr der letzten Paralympics in Paris. Das ist zwar nur ein Bruchteil dessen, was in die Kassen des IOC fließt, aber die Tendenz weist steil nach oben.

 

Längst haben auch die Monopole die Paralympics als Wachstumsmarkt zur Steigerung ihrer Profite entdeckt. Der Versicherungskonzern Allianz zum Beispiel unterstützt seit rund 20 Jahren die Paralympics und hat Verträge mit 120 Para-Athleten. Denn ein Kerngeschäft des Konzerns - das Versichern gegen schwierige Umstände - lässt sich mit Para-Athleten als Werbeträger gut verkaufen. Auch weitere Monopole wie Toyota und Procter & Gamble nutzen verstärkt das Ansehen des Parasports zur Absatzsteigerung. Das allerdings sollte niemanden davon abhalten, die noch ausstehenden Wettbewerbe mit viel Freunde zu verfolgen und sich für eine verstärkte Förderung des Para – Breitensports einzusetzen.

 

Vorfreude auf spannende Wettkämpfe getrübt durch Gipfel der Heuchelei