Briefwechsel

Briefwechsel

Die AfD wird auch das Leben der Masse der einfachen Menschen schlechter machen

Der folgende Leserbrief zum Artikel "Lieber Koalition mit AfD als mit 'Brandmauer-Parteien'", der am 9. März auf rote Fahne News erschien, erreichte die Redaktion:

Liebe Genossen, danke für den Artikel auf Rote Fahne News mit der wichtigen Kritik an Sahra Wagenknechts "Querfront"-Politik. Über einen Satz darin bin ich allerdings gestolpert: „Gut und sicher sollen nur die leben, die keinen Migrationshintergrund haben, keine Kommunisten oder Antifaschisten sind und sich bedingungslos dem Kapitalismus unterordnen.“


Ich meine, das ist nicht ganz richtig. Man muss doch ganz klar sagen: Die AfD wird ebenso wie die Hitler-Faschisten, auch das Leben der Masse der einfachen Menschen schlechter machen, auch das ihrer Anhänger! So radikal dein Satz sich anhört, ist er objektiv doch selbst beeinflusst von der Demagogie der modernen Faschisten: Sie wollten und würden das Leben der einfachen Menschen, des „eigenen Volkes“, besser machen; sie seien „nur“ gegen Linke und Migranten.


Es ist eine wesentliche Methode, wie die modernen Faschisten sich die kleinbürgerliche Denkweise zunutze machen, dass sie eine verzerrte Polarisierung zwischen der angeblich „normalen“ (deutschen) Bevölkerung, den Linken, „Woken“ und Migranten konstruieren. Das ist aber nicht der wirkliche Widerspruch und wir sollten uns das nicht zu eigen machen. Sonst fallen wir auch auf die durchaus auftretende sektiererische Abgrenzung der „Linken“ von den angeblich rechten Massen herein oder bewegen uns selbst nur noch unter Linken.


Du schreibst natürlich noch „und wer sich bedingungslos dem Kapitalismus unterordnet“. Aber wer ist damit gemeint? Monopolkapitalisten ordnen sich ja nicht dem Kapitalismus unter, sondern haben die Macht im Kapitalismus. Oder meinst du damit auch Arbeiter, die subjektiv den Kapitalismus verteidigen, sich ihm unterordnen? Zählen darunter die Hitler-Anhänger, die als Erste an der Front verheizt wurden? „Gut leben“ werden diese im Faschismus nicht. Hier ist doch die Klassenfrage entscheidend. Gut leben wird im Faschismus die herrschende Klasse aus dem reaktionärsten Teil des Monopolkapitals und eine von ihr bestochene Zwischenschicht. Sie brauchen eine Massenbasis, aber deshalb ist noch lange nicht ein „gutes und sicheres Leben“ dieser Basis ihr Interesse. Sofern sie Zugeständnisse an die Massen und die Arbeiter machen, dann immer nur zeitweilig und um sie zur Durchsetzung ihrer Macht und letztlich zum Ausbau des Faschismus zu gewinnen. Der Faschismus ist die brutalste Form der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung auch des „eigenen“ Volkes. Herzliche Grüße

Darauf antwortete der Autor:

... Du hast völlig recht, dass ich bei diesem Satz den Klassenstandpunkt verlassen habe. Damit dient er auch nicht der Bewusstseinsbildung, wie sie mit der ZK-Erklärung zum subjektiven Faktor nochmal mehr von uns allen gefordert wird. Diese Formulierung geht tatsächlich den Faschisten auf den Leim, die soziale Verbesserungen versprechen (und in manchen Fällen, wie in Polen, auch zum Aufbau ihrer Massenbasis zunächst einführen). Die Faschisten geben vor, für die breiten Massen Politik zu machen und nur gegen einige kleinere gesellschaftliche Gruppen zu sein, die angeblich nicht zum Volk passen – solche Gedanken nicht offensiv zu kritisieren, ist ein Türöffner für die Haltung, dass da irgendwas dran sei, dass Antifaschisten eine isolierte Minderheit seien usw.


Faschismus bedeutet Barbarei für die Massen. Faschismus bedeutet Krieg, an dem sich die herrschende Klasse gesundstößt und den die Massen bezahlen dürfen, viele mit dem Leben. Niemand wird im Faschismus gut und sicher leben. Außerdem sind die Begriffe „gut“ und „sicher“ eigentlich auch schon tendenziell ideologiefreie Begriffe. Ich hätte lieber andere Zitate nehmen sollen, um eine treffende Polemik zu entwickeln.


Deine Kritik weist darauf hin, dass ich die Selbstkontrolle stärker ausrichten muss, in allen Fragen den Maßstab des Klassenstandpunkts anzulegen.

Viele Grüße.