Bosch Schwäbisch Gmünd
Den Hauptstoß in der Auseinandersetzung richtig führen!
Das frühere ZF-Werk in Schwäbisch Gmünd bestimmte mit zeitweilig über 7000 Beschäftigten jahrzehntelang das Leben in der Region. Bei der Übernahme von Bosch war es einer der größten Standorte des Konzerns mit 5000 Beschäftigen.
Bis 2024 waren über 1500 Arbeitsplätze vernichtet. Bereits 2019 drückte Bosch gegen Belegschaft, Gemeinderat und Region eine erste „Standortvereinbarung“ durch. Auf einer Betriebsversammlung im November 2024 verkündete Bosch dann die erneut geplante Vernichtung von rund 2000 Arbeitsplätzen bis 2030, mit der Folge, dass vom ursprünglichen Werk nur noch ein kleinerer Teil übrig wäre. Die Verhandlungen darüber ließ Bosch platzen, um vor der Einigungsstelle seine Pläne durchzusetzen. Seit dem 1.1.2026 gibt es die Aufteilung des Werks in zwei Bosch-Werke in Gmünd: Bosch AS und ein Teil bleibt bei der Robert Bosch AG. Bosch AS soll im Laufe des Jahres in eine Auffanggesellschaft überführt und bis Ende 2027 ganz von Bosch abgetrennt werden.
Belegschaft hat Arbeitsplatzvernichtung und Verlagerung nie akzeptiert
Die Belegschaft war mit der Arbeitsplatzvernichtung und Verlagerung nie einverstanden. Sie machte dies mit Kundgebungen, Protesten auf Betriebsversammlungen, teilweise mit Beteiligung von Delegationen anderer Betriebe, wöchentlichen Mahnwachen, Fahrten zur Einigungsstelle und zum Verhandlungslokal deutlich. Die MLPD ist seit Jahrzehnten an der Seite der Kolleginnen und Kollegen. Sie brachte u.a. die Erfahrungen der Bochumer Opel-Belegschaft ein. Die hatten mit einem selbständigen Streik 2004 die Schließung verhindert und erreicht, dass das Werk noch zehn Jahre länger produzierte.
Die MLPD-Genossen verbanden das mit einer Kritik an der Politik des Co-Managements von rechter Betriebsrats- oder Gewerkschaftsführung. Statt die Belegschaft zu ermutigen, den Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung zu führen, ordnet diese sich den angeblichen wirtschaftlichen Sachzwängen des Konzerns unter. Dabei gilt jede „Standortvereinbarung“ nur so lange, bis die nächste Erpressung kommt. 2024 formulierte Bosch-Personalvorstand und Mitglied der Konzernspitze, Stefan Grosch, die Kampfansage an alle Bosch-Belegschaften: „Der Wettbewerb wird immer härter. Darauf muss man reagieren. Die Schließung von Standorten wäre für uns die ultima Ratio.“ Das heißt zu Ende gedacht nichts anderes als das Ende des Bosch-Werkes in Schwäbisch Gmünd 2030.
Kritik an kleinbürgerlich-gewerkschaftsoppositioneller Denkweise
Die Politik der Klassenzusammenarbeit und Mauscheleien führender Betriebsräte stießen auf wachsende Kritik und Ablehnung bei Kolleginnen und Kollegen. Das ging allerdings auch einher mit dem Aufkommen einer kleinbürgerlich-gewerkschaftsoppositionellen Denkweise in Teilen der Belegschaft, was seit einiger Zeit zur Zersplitterung bei Betriebsratswahlen durch mehrere I- Metall-Listen führte. Nun ging der Betriebsrat Mustafa Simsek einen Schritt weiter und gründete einen neuen „Arbeitnehmerverein“. Das wurde von MLPD und kämpferischen Gewerkschaftern kritisiert. Als Begründung gab er an: „Wir müssen unsere Interessen wieder selbst in die Hand nehmen.“ So richtig dieser Gedanke ist, umso schädlicher ist jedoch, die Arbeitereinheit zu spalten und die Masse der Gewerkschaftsmitglieder dem Einfluss rechter Gewerkschaftsführer zu überlassen.
Die MLPD tritt für starke Gewerkschaften auf der Grundlage des Kampfes ein. Das verbindet sie mit der Kritik an dem in Deutschland massiv eingeschränkten Streikrecht und an der Klassenzusammenarbeitspolitik, die dieses eingeschränkte Streikrecht akzeptiert und den Kampf der Belegschaften sabotiert. Es kommt dagegen darauf an, „wie die Opelaner“, gegebenenfalls den gewerkschaftlichen Rahmen zu durchbrechen und zu selbständigen Streiks überzugehen. Viele Kolleginnen und Kollegen spüren dann ihre Kraft und fassen Selbstvertrauen. Die MLPD verbindet dies mit der Überzeugung für den Kampf um den echten Sozialismus.
Die trotzkistische Gruppe SGP dagegen ruft auf, „unabhängige Aktionskomitees“ „zum Kampf gegen die IG Metall und zur Verteidigung der Arbeitsplätze“ aufzubauen. Damit spaltet sie die Gewerkschaftseinheit, indem sie die gesamte IG Metall ins Visier nimmt. SGP unterscheidet dabei nicht zwischen den Millionen IG-Metall-Mitgliedern und den rechten Gewerkschaftsführern im bürokratischen Apparat, in dem es ebenfalls Unterschiede gibt.
Prinzipieller Fehler in einem Rote Fahne News-Artikel vom 1. Februar 2026
Ein Artikel in Rote Fahne News vom 1. Februar mit der Überschrift „Trotzkisten bei Bosch: Nur Karrierismus und Spaltung!“ enthielt berechtigte Kritiken daran. Er richtete aber den Hauptstoß gegen den Kollegen Simsek und die SGP, während im Vergleich dazu die Kritik an der Klassenzusammenarbeitspolitik an den Rand gerückt war. Der Artikel verstieß in einigen Formulierungen gegen die proletarische Srreitkultur. Es war nicht richtig, berechtigte Kritiken an Karrierismus mit dem Kampf gegen das faschistische Zentrum in einem Atemzug zu nennen, denen beiden "eine klare Absage zu erteilen" sei. Dies war ein prinzipieller Fehler, weshalb die Rote-Fahne-News-Redaktion den ursprünglichen Artikel mit einer entsprechenden Anmerkung versehen hat.
Im Kampf um die Arbeiterinteressen im Bosch-Konzern muss der Hauptstoß gegen Bosch gerichtet sein und sich klar gegen die faschistische Gefahr richten. Im Zusammenhang damit muss die reformistische Klassenzusammenarbeitspolitik kritisiert werden. In diesem Rahmen muss dann auch die kritische Auseinandersetzung mit gewerkschaftsoppositionellen Richtungen geführt werden. Daraus erwächst eine Stärkung der Arbeitereinheit.