Bürgerliche Ökonomie

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Adam Smith: Als die Bourgeoisie noch einen revolutionären Geist hatte

Am 9. März 1776, vor 250 Jahren, erschien das Buch „Wohlstand der Nationen“ von Adam Smith - einem Begründer der bürgerlichen politischen Ökonomie.

Von hi
Adam Smith: Als die Bourgeoisie noch einen revolutionären Geist hatte
(Grafik: shutterstock_2461668841)

Roland Koch von der Ludwig-Erhard-Stiftung empfiehlt seine Lektüre mit den folgenden Worten: „Der Kapitalismus, den Ludwig Erhard in die Ordnung der sozialen Marktwirtschaft fügte, ist das Erfolgsmodell der letzten Jahrhunderte. Freie Bürger, die im Wettbewerb um die besten Entdeckungen ihr persönliches und finanzielles Glück suchen, haben die Armut zurückgedrängt, die Lebenserwartung der Menschen verdoppelt und den modernen Staat geschaffen.“ (Prof. Dr. h.c.mult. Roland Koch)

 

Die Welt des Roland Koch hat mit dem real existierenden Kapitalismus, der in seinem imperialistischen Stadium die Welt in eine latente Existenzkrise gestürzt hat, nichts gemein. Und ihn selbst trennen Abgründe von Smith. Er ist einer der reaktionärsten Politiker und Ökonomen des Finanzkapitals. Als hessischer Ministerpräsident stand er für die Forderung nach unbezahlter Mehrarbeit, die faschistoide deutsche Leitkultur und die schwarzen Kassen der CDU.

 

Marx würdigte in seinen ökonomischen Schriften die Verdienste von Smith und nannte seine Sprache „die Sprache der noch revolutionären Bourgeoisie, die sich die ganze Gesellschaft, Staat etc., noch nicht unterworfen hat.“ (Marx-Engels-Werke, Band 26.1, Seite 273). Er zählt Smith' Unterscheidung von produktiver und unproduktiver Arbeit zu seinen größten Verdiensten und zu den Grundlagen der ganzen bürgerlichen Ökonomie.

 

Smith polemisierte gegen die unproduktive Arbeit (zitiert nach Karl Marx): „Es ist daher die größte Unverschämtheit und Anmaßung, wenn Könige und Minister den Anspruch erheben, über die Sparsamkeit der Privatleute zu wachen und ihre Ausgaben durch Aufwandgesetze oder durch ein Einfuhrverbot ausländischer Luxuswaren einzuschränken. Sie sind selbst stets und ohne Ausnahme die größten Verschwender in der Gesellschaft. Laßt sie nur gut auf ihren eigenen Aufwand achthaben, und sie können den Privatleuten getrost den ihrigen überlassen. Wenn ihre eigenen Extravaganzen den Staat nicht ruinieren, werden es die ihrer Untertanen niemals tun."

 

Er führt weiter aus, dass die ganzen Justizbeamten und Offiziere, der Staatsapparat, eine ganze Flotte "unproduktiver Arbeiter" ist. Sie werden finanziert vom Fleiß anderer Leute. In die gleiche Klasse gehören "Geistliche, Juristen, Literaten und Gelehrte aller Art."

 

Im Weiteren stellt Marx fest: „Sobald die Bourgeoisie dagegen das Terrain erobert hat, teils selbst des Staats sich bemächtigt, wendet sich das Blatt.“ Nun steht sie den eigentlich produktiven Arbeitern gegenüber. Ab jetzt ging es ihren Ideologen und Ökonomen darum, ihre eigene Herrschaft, ihre Notwendigkeit und Nützlichkeit für die Gesellschaft zu beweisen.

 

Im April 1851 schrieb Marx an Engels, dass er jetzt die ganze Ökonomie durchgearbeitet habe, und diese seit Adam Smith und David Ricardo keine Fortschritte mehr gemacht hat. soviel auch in einzelnen Untersuchungen geschehen ist. Marx schuf in der kritischen Auseinandersetzung mit Smith - unter anderem im zweiten Band des Kapital - die politische Ökonomie der Arbeiterklasse. Er nahm alle Verdienste auf, kritisierte ihn, wo er an die Schranken seines Klassenstandpunktes stieß. „Wie sehr A. Smith sich selbst den Weg versperrt hat zum Verständnis der Rolle der Arbeitskraft im Verwertungsprozeß, beweist folgender Satz, der die Arbeit der Arbeiter nach physiokratischer Weise mit der des Arbeitsviehs auf gleiche Stufe stellt: 'Nicht nur sein (des Pächters) Arbeitsgesinde, auch sein Arbeitsvieh besteht aus produktiven Arbeitern." Da endet das Revolutionäre bei Smith, wenn er Arbeiterklasse und Arbeitsvieh auf die gleiche Stufe stellt.

Die Krise der bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, der Religion und der Kultur

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