Die Folgen sind bis heute nicht bewältigt

Die Folgen sind bis heute nicht bewältigt

15 Jahre Fukushima: Leben ohne Strahlenbelastung ist ein Menschenrecht!

Das fordern von der Atomkatastrophe in Fukushima Betroffene als universelles Recht. Sie wenden sich damit auch gegen die unverantwortliche Lockerung der Grenzwerte für Strahlenbelastung um den Faktor zehn durch den japanischen Staat nach dem Super-Gau 2011.

Von dr
15 Jahre Fukushima: Leben ohne Strahlenbelastung ist ein Menschenrecht!
Kontrolleure in den Atomruinen von Fukushima (foto: Greg Webb / IAEA)

Unter „Hibakusha“ verstehen sie nicht nur die Atom- und Strahlenopfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki, sondern auch die verstrahlten Arbeiter durch die Havarie und durch Uranbergbau, Strahlenbelastete durch die Ableitung von radioaktiv verseuchtem Wasser ins Meer oder Betroffene von der unsicheren Lagerung von Atommüll.

Die Folgen sind bis heute nicht bewältigt.

Am 11. März 2011 verursachten ein Seebeben und ein Tsunami gravierende Schäden im AKW Fukushima Daiichi und eine Kernschmelze in drei Reaktoren. Durch glückliche Umstände ging der Großteil der freigesetzten Radioaktivität über dem Meer nieder, sonst hätten 50 Millionen Menschen und Städte wie Tokyo evakuiert werden müssen. Noch immer sind 26 597 Menschen von 165 000 evakuiert, die Region ist weiterhin radioaktiv belastet. Der Oberste Gerichtshof sprach 2025 die ehemalige Führung des AKW-Betreiber Tepco frei, lehnte viele Sammelklagen ab oder beschloss nur geringe Entschädigungen. Typisch für das verfaulte imperialistische Weltsystem. Statt Solidarität, umfassende Aufklärung, staatliche Hilfe und Gesundheitsprogramme, wie sie im Sozialismus bei Katastrophen völlig selbstverständlich wären, werden die Menschen verantwortungslos ihrem Schicksal überlassen. In einer sozialistischen Gesellschaft würde Atomkraft nicht mehr genutzt werden, da sie nicht beherrschbar ist.

Erinnern heißt handeln!

Letzten Samstag gingen in Ahaus 450 Menschen gegen hochgefährlichen Castortransporte auf die Straße. Anti-Atom-Aktivisten führen heute Mahnwachen und Kundgebungen durch wie in Trier gegen die Laufzeitverlängerung des 80 KM entfernten französischen AKW Cattenom. In Schweinfurt, Lüchow-Danneberg und in Breisach treten Aktionsbündnisse für eine Welt ohne atomare Gefahren ein. In Süddeutschland fordern Aktivisten die sofortige Abschaltung der vier uralten Atomreaktoren in der Schweiz.

 

Gestern verbreiten EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Friedrich Merz die Propaganda vom „strategischen Fehler der Abkehr von der Atomkraft“. Mit der Werbung für die SMR-Technologie, (kleinere, flexiblere Reaktoren) beleben sie die Lüge von der billigen, sauberen und sicheren Atomenergie. Dafür will die EU den Technologie-Monopolen 200 Millionen Euro in den Rachen werfen. Die Inbetriebnahme in 2030 ist eine Fata Morgana, nirgendwo kommt der SMR-Bau voran! Noch provokativer ist die Ankündigung von CSU-Chef Markus Söder, dass die Landesregierung Bayern in Kooperation mit dem Unternehmen „Proxima Fusion“ den ersten funktionsfähigen Kernfusionsreaktor der Welt bauen will. Die Generaldirektorin des Max-Plack-Instituts für Plasmaphysik, Sybille Günter, prognostiziert eine Inbetriebnahme „sicherlich nicht vor 2050“. „Das muss irgendeine Magie sein“, kritisiert der Physiker und Fernsehmoderator Prof. Dr. Harald Lesch. „Die Nutzung von Kernkraft ist angesichts der erneuerbaren Energien, in Kombination mit Batterien, eigentlich eine Rohrkrepierer-Technologie“. Die „Magie“ von Merz und von der Leyen ist nichts anderes als die willfährige Förderung der Geschäfte der Atommonopole und des Ausbaus von Atomtechnologie für atomare Waffen im Rahmen europäischer Aufrüstungspläne.

 

Die globale Atomkraftnutzung ist weltweit seit 20 Jahren rückläufig. In Japan sind 14 Reaktoren wieder in Betrieb und 2024 produzierten sie lediglich 9,5 Prozent der Stromerzeugung. Würden die Energiemonopole in Japan die Anlagen abschreiben, wären sie Pleite. So versuchte der Betreiber von Hamaoka, Chubu Denryoku, das Wiederanfahren der Anlagen mit gefälschten Daten zur Erdbebensimulation durchzusetzen.

Einen atomaren Weltkrieg verhindern!

Im verschärften Ringen um Einflusssphären sowie als „Ausweg“ aus ihren Krisen rüsten alle Imperialisten fieberhaft für einen Dritten Weltkrieg. Dafür wird auch die atomare Aufrüstung und deren Modernisierung forciert. Die aktuelle Debatte um Atomkraft ausschließlich auf die Energiefrage zu begrenzen, wie es viele kleinbürgerliche Umweltorganisationen tun, ist sehr gefährlich. China will neue nukleare Tests durchführen, ebenso US-Präsident Donald Trump. Putin protzt, „Rosatom arbeitet an Atomwaffen“ und Frankreich plant neue Atomwaffen. Die ultrareaktionäre Premierministerin Sanae Takaichi will den Artikel 9 der Verfassung zur Politik des Nichtbesitzes an Atomwaffen revidieren. Noch scheitert das an der mehrheitlichen Ablehnung der Japaner. Mit dem Know How der Atomtechnologie wäre Japan dazu schnell in der Lage.

 

Sowohl Atomwaffen als auch die nicht beherrschbare Atomkraft sind ein unkalkulierbares Risiko für Mensch und Natur. Die MLPD fordert deswegen die sofortige Stilllegung, den Baustopp und planmäßigen Rückbau aller Atomkraftwerke, aller Atomanlagen, aller Anlagen zur Urananreicherung oder Produktion von Brennelementen wie in Gronau und Lingen, sowie den Uranbergbau weltweit! Verbot und Vernichtung aller ABC-Waffen. Die Anti-AKW-Bewegung muss Bestandteil des antifaschistisch organisierten Massenwiderstands und der Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg, gegen den Abbau sozialer Errungenschaften und die Ausbeutungsoffensive in den Betrieben werden.