Bochum

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Schülerdemo mit über 300 Teilnehmern

Die folgende Korrespondenz wurde im Lokalkompass Bochum veröffentlicht. Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert:

Von Ulrich Achenbach

Unter dem Motto "Nie wieder Wehrpflicht" protestierten am 5. März in Bochum über 300 Schülerinnen gegen die beabsichtigte Wiedereinführung einer Wehrpflicht. 


Die Auftaktkundgebung war am Schauspielhaus, wo sich bereits zahlreiche Menschen versammelten. Zahlreiche Fahnen, selbstgemalte Schilder und Transparente waren zu sehen, u. a. von den Gewerkschaften IG Metall und Ver.di, den Parteien DKP, MLPD, der SDAJ und dem Jugendverband REBELL sowie von weiteren Organisationen, die einen Kriegsdienst ablehnen. 


Es gab mehrere Redebeiträge, u. a. von Vertreterinnen der Ver.di-Jugend, von der Jugendorganisation SDAJ, einem Schulsprecher und einer Mutter, die sich voll zu Recht weigerte, ihren Sohn in den Krieg zu schicken. 


Auf der kämpferischen Demo durch die Oskar-Hoffmann-Straße und über die Universitätsstraße, den Kurt-Schumacher-Platz und den Bongardboulevard waren immer wieder kämpferische Parolen zu hören. "Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr", "Nie, nie wieder Wehrpflicht", "Die Reichen wollen Kriege, die Jugend eine Zukunft", "Demos in der Schule, Uni und Betrieb, das ist unsere Antwort auf eure Politik" und andere schallten durch die Straßen. 


Besonderer Protest regte sich gegen die Werbung der Bundeswehr an Schulen und Universitäten für den Eintritt in die Streitkräfte. Deshalb machte der Demozug einen Abstecher für eine Zwischenkundgebung bis vor die Technische Berufsschule am Ostring, was auf großes Interesse der dortigen Schüler/-innen stieß, die zahlreich am Straßenrand stehenblieben. Auf dieser Zwischenkundgebung redeten Schüler und ein Mitglied der IG Metall (Betriebsrat von Opel-Warehousing AG). Er unterstützte den Schülerstreik und berichtete über die Situation im Iran und an anderen Kriegsschauplätzen, aber auch von dem zunehmenden Widerstand der Bevölkerungen gegen einen Krieg. Er nannte als Beispiel die erfolgreichen Streikaktionen der Hafenarbeiter in Griechenland und Italien, die sich weigerten, Kriegsgerät und Munition zu verladen. 

 

Auf der Abschlusskundgebung auf dem Rathausvorplatz sprachen Schüler und prangerten die Zustände in ihren Schulen wie übervolle Klassen, total veraltete Computertechnik, fehlendes Lehrpersonal sowie marode Toiletten an. "Für die Bildung ist angeblich kein Geld da, aber für die Rüstung werden Milliarden Euro in kurzer Zeit locker gemacht", hieß es in einem Redebeitrag. Ein anderer Schüler berichtete von Folgen für die Schüler durch die Schulleitung. "Aber wir lassen uns nicht einschüchtern und werden weiter gegen die Wehrpflicht und die Präsenz der Bundeswehr an den Schulen kämpfen". Ins gleiche Horn blies eine Vertreterin der landesweiten Schülerstreik-Leitung. Nach Ende der Abschlusskundgebung luden die Veranstalter noch zu einem Treffen mit Pizzaessen und Getränken ein.