Hetzkampagne nach der Berlinale

Hetzkampagne nach der Berlinale

Nicht Tricia Tuttle muss zurücktreten - Wolfram Weimer sollte den Hut nehmen!

Es war ein Verdienst der diesjährigen Berlinale, dass dort die Palästina-Solidarität nicht zum Schweigen gebracht wurde.

Von hi

Rote Fahne News berichtete: Wim Wenders, der Schuss ging nach hinten los!

 

Diese Niederlage der angeblichen deutschen Staatsräson, in kritikloser Nibelungentreue zu Israel zu stehen, fuhr den Reaktionären in die Knochen. Umgehend starteten Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die Springerpresse, Antideutsche und Konsorten eine Hetzkampagne.

 

Über die Bildzeitung wurde bekanntgemacht, dass Weimer eine eilige Aufsichtsratssitzung der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin) einberufen hatte. Weimer ist hier Aufsichtsratsvorsitzender. Zum Zweck der Sitzung titelte die Bildzeitung: “Berlinale Chefin wird nach Skandal-Foto abgelöst“. Dazu veröffentlichte das reaktionäre Blatt ein Foto, auf dem Frau Tuttle mit der Mannschaft des Films „Chronicles from the Siege“ (Preis für den besten Debütfilm) abgebildet war. Diese trugen Palästinensertücher und -Fahnen, was ihr gutes Recht war. Und die Leiterin der Berlinale wurde mit vielen verschiedenen Künstlern fotografiert. In menschenverachtender Manier machte die Bildzeitung einen Kries um den Kopf der Frau. Motto: Zum Abschuss freigegeben.

 

In der Welt lobt der Ultrareaktionär Ulf Poschardt „Endlich wagt Wolfram Weimer den Kampf gegen das linke Kultur-Establishment.“ Weimer hetzte gegen die Rede des Preisträgers Abdallah Alkkhatib, der den Völkermord in Gaza und die Komplizenschaft der BRD damit angeklagt hatte. Es handle sich um politische Falschbehauptungen, die die politische Debatte vergiften. Es sei nur angemerkt, dass diese angeblichen Falschbehauptungen Gegenstand beim Internationalen Gerichtshof sind.

 

Weiter schreibt Weimer: "Die Paliaktivistenszene hat auf der Berlinale mit Israelhass, Aggressivität und Bekenntnisnötigung ihre hässliche Fratze gezeigt.“ Felix Klein - seines Zeichens Antisemitismus-Beauftragter mit komplett falschem Aufgabenverständnis - fordert die Staatsanwaltschaft auf, zu prüfen, ob ein Anfangsverdacht für strafrechtlich relevantes Verhalten von Abdallah Alkkhatib vorliegt: „Solche Rhetorik, wie Abdallah Alkkhatib sie äußert, schafft ein Klima von Einschüchterung und Bekenntniszwang und kann in letzter Konsequenz dazu führen Gewalt auszulösen.“ Lauter unverschämte Lügen, kein Wort des Judenhasses wurde nachgewiesen. Sofort, nachdem diese Pläne bekannt wurden, gab es einen Sturm des Protestes gegen die Absetzung der Berlinale-Leiterin.

 

Iris Berben, Ilker Catak, Volker Schlöndorff, Wim Wender, Margarethe von Trotta haben einen offenen Brief der deutschen Filmakademie unterzeichnet. Der Unterschriftenstand am 27. Februar war 3628!

 

Unter diesem Druck konnte Weimer auf der Sitzung seine Pläne nicht durchsetzen, aber der Kampf ist nicht beendet. Wir halten es für eine Illusion, wenn der offene Brief davon ausgeht, die "Freiheit der Kunst" zu verteidigen. Unter der allseitigen Diktatur des Finanzkapitals sind auch Kunst und Kultur keine über den Klassen schwebenden Freiräume. Aber unbedingt richtig ist der breite Zusammenschluss zur Verteidigung und Weiterentwicklung einer fortschrittlichen, antifaschistischen und sozialistischen Kultur. Der Zusammenschluss gegen den Kulturkampf der Faschisten und Reaktionäre, die versuchen, alles Fortschrittliche auszurotten. Es ist Weimer, der eine Fratze zeigt, die Fratze als Verbindungsmann der Bundesregierung zum modernen Faschismus und der bedingungslosen Unterstützung der faschistischen Nethanjahu-Regierung.

 

In einem Beitrag der Redaktion des Revolutionären Wegs wird zu Weimer unter anderem ausgeführt: „In ähnlich nationalistisch-faschistoider Denkweise beklagt er, dass die Deutschen im Zweiten Weltkrieg ihre «Vaterlandsgefühle» und ihr «Herkunftsbewusstsein» verloren hätten, dass diese Gefühle nach 1945 «systematisch bekämpft und zerstört worden sind, als habe es die Welt vor 1933 und ihre geistigen Traditionen nie gegeben». … In offenem Rassismus kritisierte er den »innerstaatlichen Multikulturalismus, der uns aus muslimischen Problemgebieten einen Kulturgewinn vorgaukeln will«. Stattdessen propagiert er den »äußeren Multikulturalismus«, den «tradierten Multikulturalismus der Vaterländer, nicht des Schmelztiegels«. Das ist nur ein anderer Begriff für den faschistischen Ethnopluralismus, nach dem die Völker nach Blut und Rasse getrennt gehörten! Rassistisch beschimpft er das Bürgergeld, das eigentlich »Migrantengeld« heißen müsste.“

 

Das Zitat stammt aus dem Beitrag "Wolfram Weimer: Ultrarechter-völkischer Kulturkampf von oben", den die Redaktion Revolutionärer Weg auf ihrer Webseite veröffentlicht hat.