Bochum
Nachlese zu Polizeischuss auf zwölfjähriges Kind
Die folgende Korrespondenz zu den fast tödlichen Schüssen, die Polizisten in Bochum auf eine Zwölfjährige abgegeben hatten*, erreichte die Redaktion schon vor einiger Zeit. Wir entschuldigen uns für die verspätete Veröffentlichung und bringen sie nun nachträglich:
Nach dem Polizeischuss auf ein zwölfjähriges Mädchen in Bochum erhebt der Anwalt der Familie schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Demnach sei das Messer erst in einer Paniksituation ins Spiel gekommen, welche die Beamten selbst verursacht hätten.
Die Polizei habe in der Wohnung den Strom abgedreht, schildert nun der Anwalt Barrera González unter Berufung auf die Familie. Als die Mutter dann ängstlich die Tür geöffnet habe, habe man sie mit vorgehaltener Waffe zu Boden gebracht und mit Handschellen fixiert. "Die Polizei hat da aus meiner Sicht einen Zugriff inszeniert, wie man ihn gegen organisierte Kriminalität erwarten dürfte, aber doch nicht, um ein vermisstes zwölfjähriges Mädchen zu suchen", sagte Anwalt Barrera González.
Widersprüchlich ist auch die Aussage von NRW-Innenminister Herbert Reul, der einerseits in den Medien vertritt: „Es bestand kein Grund, von einer drohenden Gefahr auszugehen. Das ist für den Einsatz der Bodycam in Wohnungen aber Voraussetzung.“ Währenddessen stellten die Ermittlungsbehörden im Zeitablauf fest, dass „durch die geschlossene Küchentür … Geräusche der Polizei Anlass zur Vermutung gegeben (hätten), dass das Kind in einer Schublade nach Messern gesucht habe.“¹ Was sich ja sehr wohl nach drohender Gefahr anhört.
Insbesondere beklagt der Anwalt des Kindes, dass die Polizei und Staatsanwaltschaft versuchten, noch vor Abschluss der Ermittlungen die aus Sicht des Anwalts fragwürdige Darstellung zu untermauern, der Beamte habe aus Notwehr geschossen. "So etwas prägt Strafverfahren und nährt gleichzeitig Zweifel an der Objektivität der ermittelnden Behörden."²
Der Anwalt kommt in einer Pressemitteilung zu dem Schluss: „Die bereits erfolgten anwaltlichen Vernehmungen der familiären Zeugen stellen die Situation grundlegend anders dar und lassen massiv an den bisherigen Darstellungen einer angeblichen Notwehrsituation zweifeln.“
Die ganze Pressemitteilung des Anwalt kann man hier nachlesen. Der ganze Vorgang unterstreicht die Forderung der MLPD Bochum-Herne, das der Vorgang restlos aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssen!