Kommentar

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Getrübter Urlaub? Tourismus und der Irankrieg

30 000 deutsche Reisende sind im Nahen Osten durch die Sperrung des Luftraums und der Straße von Hormus gestrandet. Nun ist das Gejammer groß, und so wirklich wollte erstmal keiner dafür verantwortlich sein. Jetzt hat die Bundesregierung begonnen, besonders "vulnerable Gruppen" aus der Region zu evakuieren.

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Die meisten Reisenden werden diesen Rückflug übrigens auch zahlen müssen. Allgemein wurde seit Mitte Januar gewarnt, nicht in die Region zu reisen, auch wenn die Warnung des Auswärtigen Amts zugegebenermaßen erst am 28. Februar ausgegeben wurde. Da muss man sich schon fragen, ob es nicht ein wenig unvernünftig und dabei noch sehr auf die persönlichen Interessen gerichtet war, sich auf den Weg in die Golfregion zu begeben um dort während der Krise ein paar schöne Urlaubstage zu verbringen. Wenn sich dann nun ein paar von ihnen sogar darüber ereifern, dass ihnen der Krieg den Urlaub vermiest hat, dann ist das natürlich der Gipfel des kleinbürgerlichen Egoismus.

 

Nun ist es aber ein reales Problem: Und die Bundesregierung sah sich erst überhaupt nicht in der Verantwortung. Da gemahnte gestern Armin Laschet (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, als Gast bei Maischberger: "Wenn irgendwo ein deutscher Staatsbürger, warum auch immer, in Not ist, müssen wir alles tun, um ihm zu helfen." Ist das so, Herr Laschet? Heute hat der Bundestag das aktuelle Lieblingskind der Union beschlossen: Antelle des Bürgergelds kommt die repressivere (und Grundgesetz-widrige) Grundsicherung. Es gab eine namentliche Abstimmung, die zur Stunde noch nicht öffentlich zugänglich ist, aber wir werden dann ja sehen, ob Herr Laschet selbst zu seinen Worten steht.

 

Wie dem auch sei: Die Wut auf Reisebetreiber, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, und sich um die Reisenden nicht kümmern, oder auch Zorn über den Krieg an sich - das sind berechtigte Gründe, sich aufzuregen. Auch die Angst, die viele Reisende durchmachen, wenn ihnen der imperialistische Krieg zum ersten Mal wirklich nahe kommt - wenn sie den Feuerschein einer Rakete am Himmel sehen, den Knall einer Explosion hören oder sogar ihre Druckwelle spüren - das ist verständlich. Aber es sollte doch zum Mitgefühl mit denjenigen führen, die davor nicht "nach Hause" fliehen können, weil ihr Zuhause das Ziel der Rakete war. Oder mit den Menschen in Gaza, die seit Jahren nichts anderes mehr kennen.