Baden-Württemberg

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Frohnmaier und die „Saubermänner“ der AfD

Markus Frohnmaier will Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden. Die AfD tritt mit Slogans an wie „jetzt mal ehrlich“. Doch der AfD-„Hochkaräter“ rutscht immer tiefer in die Vetternwirtschaftsaffäre. Das liegt nicht nur an seiner eigenen Familie, sondern auch an der seiner Wahlkampfmanagerin.

Von bs

Zunächst hatte t-online exklusiv über die Tätigkeit seiner Ehefrau als Büroleiterin beim AfD-Bundestagsabgeordneten Johann Martel berichtet. Die Ausweitung der Affaire hat auch mit der Familie seiner engen Vertrauten Zimmer zu tun. Diana Zimmer ist 2024 in seinen Landesvorstand eingezogen, 2025 in den Bundestag. Derzeit organisiert sie für ihn persönlich und für den Landesverband den Wahlkampf. Nicht wenige in der Partei, auch in ihrem Kreisverband Pforzheim, führen diesen steilen Aufstieg der 28-Jährigen auf ihr enges Verhältnis zu Frohnmaier zurück. Es heißt, der Co-Landesvorsitzende protegiere sie.

"Familienbetrieb" expandiert in den Landtag

Wegen dieser Nähe sei Zimmer im Dezember als relativ unbekannte Abgeordnete mit in die USA gereist, als die AfD den Kontakt zur Trump-Administration festigen wollte. Deshalb nehme Frohnmaier zahlreiche Termine mit ihr wahr, die Eröffnung ihres Wahlkreisbüros war nur einer davon. Und auch deshalb stehe die Familie Zimmer bereits mit einem Bein im nächsten Parlamentsmandat.

 

Denn im Windschatten von Diana Zimmer ist auch ihr zehn Jahre älterer Bruder Alexsei in der Partei aufgestiegen. Derzeit kandidiert er für die Landtagswahl am heutigen Sonntag. Möglich gemacht hat das dem Vernehmen nach nicht nur Frohnmaiers Unterstützung, sondern auch die seiner Schwester. Als sie in den Bundestag einzog, folgte er ihr in der Position des Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat Pforzheim – obwohl er bei den Kommunalwahlen die wenigsten Wählerstimmen aller AfD-Gemeinderäte erhalten hatte. Das führte zu tiefen Zerwürfnissen.

 

Mehrere Gemeinderatsmitglieder und Kreisräte erklärten ihren Austritt. Diana Zimmer habe ein "Versorgungsnetzwerk" errichtet, einen "Familienbetrieb", der "despotisch" geführt werde, sagten t-online mehrere aktuelle und ehemalige Mitglieder. Unterstützer würden protegiert, Kritiker mundtot gemacht. Es gehe nicht mehr um Kompetenz, sondern nur noch um bezahlte Posten und persönliche Loyalität zur Abgeordneten.

 

Mehr als 60 Landtagskandidaten "im Schnellverfahren abzuklatschen", sei offensichtlich nur deshalb möglich gewesen, "weil bereits im Vorfeld Listen ausgehandelt wurden und die meisten Bewerber ohne Gegenkandidaten antraten". "Die Aufstellungsversammlung war ein einziger Witz …. In einem Brandbrief heißt es dazu, die Parteimitglieder würden "als Untertanen, Claqueure und Helfer zur Einkommenssicherung der Mandatsträger betrachtet". Einer dieser AfD-Mandatsträger dürfte bald Alexsei Zimmer sein – der Bruder der Chefin des Vaters des Co-Landesvorsitzenden Markus Frohnmaier.