Irankrieg
Drohnenkrieg: Trump bittet Selenskyj um Hilfe
Im Krieg gegen den Iran zeigt sich, dass die Produktionskapazitäten des Iran für Drohnen denen der USA und Israels bei der Produktion von Abwehrsystemen überlegen sein könnten. Da die Ukraine seit Jahren von Russland unter anderem mit iranischen Shahed-Drohnen bombardiert wird, erhoffen sich die USA und ihre Verbündeten nun Hilfe von der Selenskyj-Regierung.
Drohnen gelten als Hochtechnik - aber ganz stimmt das nicht. Das Prinzip ist uralt, gesteuerte oder (mechanisch beziehungsweise analog) programmierte Bomben und Marschflugkörper gibt es schon seit dem Zweiten Weltkrieg. Die V1 war nichts anderes, als eine ziemlich ungenaue und vorprogrammierte Drohne, und das faschistische Hitler-Regime hat sie in rauen Mengen hergestellt, weil diese "fliegenden Bomben" billiger waren, als Bomberflotten und die Ausbildung der Piloten. 30 000 Stück wurden produziert, zu einem Stückpreis von nur knapp über 5 000 Reichsmark.
Im Drohnenkrieg gilt: Quantität hat ihre ganz eigene Qualität
Anders ist es heute auch nicht - zwar hat die Computertechnik insofern zu einem qualitativen Sprung geführt, als dass Drohnen über große Distanzen direkt steuerbar oder ihre Flugrouten exakt programmierbar sind, aber vom Prinzip her sind es große Modellflugzeuge mit einer Sprengladung. Die benötigte Computertechnik lässt sich mittlerweile ebenfalls billig produzieren. So ist das iranische Regime in der Lage, Drohnen in großer Menge in kurzer Zeit an Orten mit relativ rudimentären Produktionsmitteln herzustellen.
Durch die schiere Menge an billigen Drohnen entsteht eine "Übersättigung" (also Überforderung) der Luftabwehr, denn deren Ortungs- und Steuerungssysteme sind viel komplexer, teurer und dementsprechend in viel geringerer Zahl verfügbar. Hätten die US-Militärs den Ukrainekrieg genauer beobachtet, hätte ihnen eigentlich bewusst sein müssen, dass sie bei einem Krieg gegen den Iran in genau dieses Problem hinein laufen würden. Dennoch hat man sich im Pentagon und (wahrscheinlich mehr noch) im Weißen Haus offensichtlich darauf verlassen, dass die Macht der US-Luftflotten jeden Widerstand niederbomben würde (eine Idee, die, nebenbei erwähnt, noch nicht ein Mal in der Geschichte funktioniert hat, aber furchtbare Opfer unter der Zivilbevölkerung fordert).
Oh the irony: Die USA bitten die Ukraine um Hilfe
Nach Informationen der Zeitung Financial Times erwägt das US-Verteidigungsministerium jetzt, ukrainische Abfangdrohnen einzukaufen, um die Gegenangriffe des iranischen Regimes abwehren zu können. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte, dass mehrere Staaten, darunter die USA, seine Regierung um Unterstützung baten. Die Anfrage sorgt international für Diskussionen, denn dass der US-Imperialismus gerade von der Führung in Kiew Hilfe braucht, entblößt die tatsächliche Schwäche des militärischen Giganten. Außerdem ist es etwas peinlich, nachdem Trump Selenskyj stets einen Mangel an Dankbarkeit für die (samt und sonders von den USA in Rechnung gestellte) Unterstützung der Ukraine vorgeworfen hat.
Selenskyj hat aus zwei Gründen durchaus ein Interesse an diesbezüglichen Tauschgeschäften. Erstens bedeutet die Situation eine Aufwertung der Ukraine gegenüber den USA.
Zweitens sind die hoch technisierten Abwehrsysteme, über welche die USA und die mit ihnen arbeitenden Golf-Staaten verfügen - so ungeeignet sie für die Abwehr von Drohnen sind - sehr wohl geeignet, die ballistischen Raketen, mit denen das russische Militär die Ukraine angreift, abzufangen. Sie verfügen über das US-Luftverteidigungssystem "Patriot" und entsprechende Raketen. "Wenn sie uns solche Raketen geben, geben wir ihnen Abfangdrohnen. Das wäre ein gleichwertiger Tausch", sagte Selenskyj in einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender RAI.
Eine solche Zusammenarbeit bedeutet aber auch einen Schritt in Richtung eines Zusammenwachsens der beiden Kriege - und das ist ein Kennzeichen der Entwicklung hin zu einem Weltkrieg, wie man es auch vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg beobachten konnte.