Antifaschistischer Kampf
Breiter Protest gegen Höcke
Vom erfolgreichen breiten antifaschistischen Protest gegen den Auftritt des Faschisten Björn Höcke von der AfD in Reutlingen berichten eine Korrespondentin und ein Korrespondent:
Mindestens 4000 Menschen – darunter viele Familien und Ältere – protestierten am 28. Februar mit Demo, Kundgebung und Lichterkette gegen die AfD-Veranstaltung mit dem Faschisten Björn Höcke im Reutlinger Stadtteil Rommelsbach. Es handelte sich um die wohl größte Demo, die je in Reutlingen stattfand.
Der juristische Versuch der Stadt, die Aktion weit weg von Höcke abzudrängen, scheiterte! Dass diese in der Halle eines Schulzentrums genehmigt worden war, stieß im Vorfeld auf viele wütende und besorgte Anfragen und Proteste von Lehrerinnen, Lehrern und Eltern. Lehrerinnen und Lehrer gestalteten mit ihren Schülerinnen und Schülern Protestplakate in den Fenstern und Kreideprotest auf dem Schulhof.
Eine große Vielfalt demonstrierte, viele mit selbstgemalten Schildern: Gewerkschaften (v. a. Ver.di), Parteien (Linke, SPD, MLPD), Jugendorganisationen (Jusos, SDAJ, Solid, REBELL), Antifa-Gruppen, Seebrücke, Fahrradclubs u. v. m. – Menschen von Religion bis Revolution, vom ganz linken bis ins bürgerliche Spektrum. Ca. 50 Prozent waren Jugendliche! Der Frauenverband Courage brachte seine neuen Wahlprüfsteine unter die Leute.
Dass die Leute Höckes Auftritt mehrheitlich ablehnten, war auch unsere Haupterfahrung bei Hausbesuchen in der Umgebung der Halle drei Tage vorher.
Toll war, dass wir am Protesttag von Genossinnen und Genossen aus Ulm und Albstadt unterstützt wurden. Mit unserem Bollerwagen, dem Transparent zum Verbot der AfD, MLPD- und REBELL-Fahnen und offenem Mikro waren wir selbstverständlicher Teil der Aktion.
Eine ehemalige Schülerin des Schulzentrums rief am Mikro Protestgrüße im Namen ehemaliger Schülerinnen und Schüler. Eine türkische Mitdemonstriererin forderte zur Solidarität mit Rojava im Kampf gegen die Faschisten der neuen syrischen Regierung und der türkischen Erdoğan-Regierung auf, was auf Beifall stieß. Überhaupt wurde die Parole „Hoch die internationale Solidarität“ oft gerufen.
Viele Angesprochene stimmten der Forderung „Verbot der AfD!“ zu. Etliche junge Leute waren mit uns der Meinung, dass der Antikommunismus kein Bestandteil in antifaschistischen Bündnissen sein darf. Das ist eine gute Ausgangsbasis, Mitstreiterinnen und Mitstreiter gegen die bisher in Reutlingen vorherrschende Ausgrenzung der MLPD durch die zwei Bündnisse zu gewinnen, die zum Protest aufgerufen hatten.
Mehrere Jugendliche wollen im Kontakt bleiben für die Solidarität mit Gaza und mit dem Al-Awda-Krankenhaus.
Dass trotz dieser Größe und Breite des Protests die AfD nicht unterschätzt werden darf, zeigt sich daran, dass die Halle mit 700 Leuten voll war und Höcke zur Remigrationsforderung viel Beifall erhielt. Die in Hundertschaften anwesende Polizei hielt sich im Wesentlichen zurück. Als sie aus unbekanntem Grund plötzlich zwei Personen aus der Kundgebung herausgriff und sich andere mit den Festgenommenen solidarisierten, kam es zu „Rangeleien“. Provozierte die Polizei, um ihre Bilder von „linken Randalierern“ zu bekommen? Sie bekam sie nicht!
Der Ver.di-Redner auf der Kundgebung prangerte an, dass die AfD im Landtagswahlkampf wie eine normale Partei behandelt wird und auf vielen Wahlpodien selbstverständlicher Bestandteil ist. Und er kritisierte, dass damit verwischt wird, wie die AfD in diesem Wahlkampf Kreide gefressen hat. So verpasst sich der Höcke-Intimus und Ministerpräsidentenkandidat der AfD für Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, mit Anzug, Krawatte und gemäßigten Reden ein anderes Image als mit seinen früheren Worten: „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet.“
Wachsamkeit und eine Weiterentwicklung der antifaschistischen Bewegung in Richtung Kritik an der ganzen Rechtsentwicklung der Regierung(en), die die AfD stärkt, sind nötig.
Selbst auf dem Heimweg in Bus und Bahn gab es noch Gespräche mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ein Super-Protesttag!