Zaman Masudi

Zaman Masudi

"Die Zukunft des Iran liegt weder in der Fortsetzung der Theokratie noch in der Wiederbelebung der Monarchie"

Am 15. Februar fand ein Webinar der Internationalen Antiimperialistischen Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung (United Front) zur Vorbereitung des Internationalen Frauentags statt. Die in Hamburg lebende Exiliranerin Zaman Masudi hielt dort einen Beitrag über die aktuelle Entwicklung im Iran. Zaman, Aktivistin der internationalen kämpferischen Frauenbewegung, war im Iran selbst verfolgt. Rote Fahne News dokumentiert den Webinarbeitrag.

"Die Zukunft des Iran liegt weder in der Fortsetzung der Theokratie noch in der Wiederbelebung der Monarchie"
Zaman Masudi

Im Namen der Mütter, die vor den Leichen ihrer geliebten Kinder tanzten, anstatt um sie zu trauern, ja, sie tanzten einen Tanz des Widerstands! Mit wenigen Ausnahmen war die Geschichte des Iran von Tyrannei und Diktatur geprägt. Die Hauptstadt war immer das Zentrum aller Entscheidungen und politischen Maßnahmen. Religion und Staat waren nicht voneinander getrennt. Die Frage, die uns heute beschäftigt, ist: Was muss getan werden, oder wie sollte die Organisation und Strategie des Kampfes unter Berücksichtigung dieser Hindernisse verfolgt werden, um deren Fortsetzung und Wiederholung zu verhindern?

 

Das herrschende politische System im Iran ist eine religiös-islamische, faschistische, profitorientierte, ausbeuterische, rassistische und umweltzerstörerische kapitalistisch-patriarchalische Machtstruktur, die Frauen gegenüber besonders feindselig ist. Sie führt „Gottes Gebote” aus, um die Menschen mit Gewalt ins Paradies zu führen, auch wenn sie nicht dorthin wollen! In diesem totalitären System haben alle Bevölkerungsschichten und Gruppen, von Arbeitern, Angestellten, Rentnern, Arbeitslosen, Studenten, Schülern, Schriftstellern, Intellektuellen, Umweltaktivisten, die verschiedenen im Iran lebenden Völker, ethnische und religiöse Gruppen wie die Bahais keine Rechte. Alle leiden stark unter Unterdrückung, sozialer Benachteiligung, Flucht, Verfolgung, Inhaftierung und Hinrichtung.

 

Die Hälfte der iranischen Bevölkerung sind jedoch Frauen. Von Anfang an hat das Regime sie am härtesten ins Visier genommen. Dieses rückständige, von Männern dominierte Regime hat ihnen ihre grundlegendsten Menschenrechte genommen. Am Internationalen Frauentag, dem 8. März 1979, nur drei Monate nach dem Sturz des Schah-Regimes und der Machtübernahme durch die Ayatollahs, führte Khomeini die obligatorische Verschleierung ein, was zu massiven Protesten von Frauen in Teheran und mehreren Großstädten unter dem Motto „Wir haben keine Revolution gemacht, um jetzt zurückzugehen!“ führte. ...

 

Die aktuellen Entwicklungen im Iran stehen in Zusammenhang mit dem Aufstand in Jina unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“. Sie sind Ausdruck eines anhaltenden emanzipatorischen Widerstands, der trotz massiver Repression weiterhin grundlegende Freiheiten, Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit fordert. Ende Dezember erhoben sich 100.000 Menschen, vor allem junge Menschen, gegen die politische Unterdrückung. Was als soziale Proteste begann, hat sich zu einem offenen Klassenkampf gegen die Islamische Republik entwickelt. Ein Regime, das seine Herrschaft nur durch brutale Gewalt sichern kann, hat das Internet fast vollständig abgeschaltet, um den Staatsterror vor der Welt zu verbergen.

 

Zehntausende wurden ermordet, darunter viele Studenten und Schülerinnen, mehr als 200 Minderjährige, Tausende wurden verletzt, verhaftet, zu Geständnissen gezwungen. Es ist nun unmissverständlich klar: Die Islamische Republik hat jegliche Legitimität in der Bevölkerung verloren und kann sich nur noch durch Gewalt an der Macht halten. Das Massaker an der Bevölkerung hat die Gesellschaft erschüttert und in tiefe Trauer versetzt. ... 

 

Die Zukunft des Iran liegt weder in der Fortsetzung der Theokratie noch in der Wiederbelebung der Monarchie. Beide Modelle stehen für autoritäre Herrschaft und den Ausschluss breiter gesellschaftlicher Kräfte. Ein demokratischer, säkularer und sozial gerechter Staat, der auf der aktiven Beteiligung seiner Bürger basiert, ist die einzige nachhaltige Perspektive. Im 21. Jahrhundert kann politische Legitimität nicht aus Tradition oder dynastischer Kontinuität abgeleitet werden, sondern ausschließlich aus der aktiven Zustimmung der Bevölkerung. Es lebe die internationale Solidarität!

 

Hier der Beitrag von Zaman Masudi ungekürzt im pdf-Format