Das kommt raus, wenn auf jegliche Kampfmaßnahme verzichtet wird
Fauler Kompromiss von GDL mit der Deutschen Bahn AG
Am 27. Februar hat sich die Lokführer-Gewerkschaft GDL mit der Deutschen Bahn AG auf einen Tarifabschluss geeinigt. „Ohne Lokführerstreiks – das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Dieses Mal kam es noch vor Ablauf der Friedenspflicht zu einer Einigung“ – so der Kommentar in der Tagesschau.¹
Unter der irreführenden Überschrift „Lokführer bekommen fünf Prozent mehr Gehalt“ wird dort Folgendes verkauft: Obwohl der alte Tarifvertrag zum 31. Dezember 2025 endete, steigen die Löhne erst zum 1. August 2026 und am 1. August 2027 um jeweils 2,5 Prozent. Von wegen fünf Prozent im Jahr!
Die einzigen Pluspunkte sind: die Einmalzahlung von 700 Euro für die Beschäftigten und 350 Euro für Auszubildende und Dual-Studierende, sowie eine zusätzliche Entgeltstufe für Kolleginnen und Kollegen mit besonders langer Berufserfahrung. Worin die „deutlichen Erhöhungen in allen Entgeltgruppen“ bestehen – dazu findet man auf der GDL-Homepage keine konkreten Fakten.
All das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lohnerhöhungen unter der tatsächlichen Inflation für einen Arbeiterhaushalt liegen. Das kommt heraus, wenn die neue GDL-Führung unter Mario Reiß selbst auf Warnstreiks, geschweige denn auf Erzwingungsstreiks, wie in der Zeit von Claus Weselsky, verzichtet. Das ist aber nichts anderes als ein fauler Kompromiss.
Das "Sahnehäubchen" dabei ist, die Laufzeit von 24 Monaten und die Vereinbarung einer anschließenden Friedenspflicht von drei Monaten. Danach kann die GDL frühestens im April 2028 wieder zu Arbeitskämpfen aufrufen.
Wen wundert es, dass der Bahn-Vorstand von einem „intelligenten Kompromiss“ spricht, „der Planungssicherheit und Stabilität für das Unternehmen“¹ bedeute? Auch die bürgerlichen Medien atmen auf, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die GDL den Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen gebracht hat und auf große Anerkennung bei vielen Gewerkschaftern stieß.
Aber die Herren da oben sollten sich nicht zu früh freuen. Das letzte Wort haben immer noch die Bahnarbeiter. Deshalb gehört an der GDL-Basis der faule Kompromiss einer Kritik unterzogen und es gilt, daraus Schlüsse zu ziehen, damit sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen kann.