Cortina d’Ampezzo
Die Olympischen Winterspiele: Bemerkenswertes – Was bleibt – Zukunft der Spiele
Die Olympischen Winterspiele sind vorbei. Die sportlichen Höchstleistungen lockten tausende Zuschauer an die Wettkampfstätten, vor die Fernseher oder zu den Livestreams.
Mit 185 Athletinnen und Athleten schickte der Deutsche Olympische Sportbund in dieses Mal das größte deutsche Team der Geschichte ins Rennen. Doch die Olympischen Winterspiele stehen mehr den je in der Kritik: zu teuer, zu komplex, zu wenig nachhaltig.
Die Stimmung war insgesamt bei Sportlern und Zuschauern gut und es gab keine Gewalttätigkeiten. Allerdings war die Organisation mit mehreren Spielstätten und weiten Strecken mehr als kompliziert. Die sportlichen Ergebnisse erzeugten unterschiedliche Stimmungen und Gefühle: viel Fairness, Respekt und internationale Begegnung der Jugend, der Zuschauer und Fans, aber eben nicht durchgängig. „Hier sind wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans ... es ist absolut steril,“ - meinte am Ende Slalom-Fahrer Linus Straßer.
Von Anfang an hat die politische Weltlage mit gespielt. Nicht wenige US-Sportler haben sich bei den Winterspielen gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump ausgesprochen. Unter anderem sagte die Eiskunstläuferin Amber Glenn mit Blick auf die USA, es sei nicht das erste Mal, dass die Sportler zusammenkommen und für Menschenrechte kämpfen müssen. Der Zusammenhalt in den USA habe sie stärker gemacht, sie hoffe, ihre Stimme und ihre Plattform während der Spiele nutzen zu können, um Menschen dabei zu unterstützen, stark zu bleiben. Es war daher auch kein Zufall, dass Trump-Vize Vance bei den Eröffnungsfeierlichkeiten vom internationalen Publikum gnadenlos ausgebuht wurde, als er für wenige Sekunden auf den Videowänden sichtbar wurde.
Nur die Medaille zählt?
Weil bei den olympischen Wettkämpfen eben nur die Medaille zählt, ist der Druck auf die Sportler und Sportlerinnen besonders hoch. Bei einem vierten oder fünften Platz ist dann bei vielen Athleten die Enttäuschung groß und trotz toller Leitungen löst das oft Niedergeschlagenheit und Tränen aus. Dieser verschärfte Konkurrenzkampf wird dann noch mit dem „Medaillenspiegel“ verknüpft. Olaf Tabor, Leistungssport-Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), hat in der Halbzeit der Spiele erklärt, dass das Ziel ist, mindestens an die Medaillenzahl von Peking 2022 zu kommen. Das ist ja annähernd gelungen, wenn auch mit etwas weniger Goldmedaillen. Dabei wurde die größte Medaillenausbeute im Eiskanal mit Schlitten, Bob und Skeleton erzielt - Sportarten, die gerade kein Breitensport sind.
Mit der Sicht auf den Medaillenspiegel soll das Nationalgefühl bei den Millionen Zuschauern gefördert werden. Motto: Guter Rang – gutes Nationalgefühl und umgekehrt. Das ist so beabsichtigt und ist gerade gegen eine internationae Verständigung und den solidarischen Gedanken an „Freundschaft im Wettkampf“ gerichtet. Dazu kommt, dass in Zeiten von TikTok, Instagram und persönlicher Markenbildung die Tendenz zu Selbstdarstellung und Hass zugenommen haben. Andererseits können Social Media auch mehr Nähe, mehr Vielfältigkeit und die menschliche Seite des Wettkampfs und der Sportler bestärken. Bemerkenswert ist, dass das Internationale Olympische Komitee das Programm der Spiele immer mehr aufbläst. Waren es 1994 in Lillehammer noch 1300 Athleten in 61 Sportarten, so sind es heute etwa 3 500 in 116 Wettbewerben. Es kommen auch etliche neue Wettbewerbe dazu wie freestyle Skicross, Ski Mounteneering u.a.
Wie sieht die Zukunft der Winterspiele aus?
Die nächsten Spiele sollen 2030 in Frankreich und in der Schweiz 2034 sein. Aber die globale Erwärmung wirkt in den Alpen besonders schnell und bedrohen nach Angaben von Fachleuten die Wintersport-Wettbewerbe in vielen Regionen. Allein in Cortina d’Ampezzo sei die Februar-Temperatur seit den ersten Winterspielen im Jahr 1956 um 3,6 Grad gestiegen. (1) Die alarmierende Entwicklung der Klimakatastrophe verringert die Schneeflächen weltweit und damit die Flächen, die Sonnenstrahlen reflektieren. So verringert sich auch die Anzahl der möglichen Austragungsorte für die Winterspiele und es drohen dann Einbrüche von Warmwetter. Dabei sind die Winterspiele in Afrika und weiten Teilen Asiens oder Südamerikas sowieso fast gar kein Thema. Die Frage der Zukunft ist also nicht nur, wo die Spiele stattfinden können, sondern immer mehr: ob! Das gesamte Konzept ist überholungsbedürftig in Richtung weniger Egoismus, mehr Team und internationale Begegnung, weniger Geschäfte mehr Solidarität. Das umzusetzen scheint aber unter der Herrschaft imperialistischer Staaten wohl nicht wahrscheinlich.