Olympische Spiele
Die Goldschürfer und die Loser von Mailand und Cortina
Am Sonntag Abend endeten die 25. Olympischen Winterspiele in der antiken Arena von Verona. Rund 2900 Sportlerinnen und Sportler aus 90 Nationen stritten in 116 Wettbewerben um die begehrten Medaillen.
Die Narrative vom „friedlichen Fest der Völker“ oder „Sport als schönste Nebensache der Welt“ werden von den Massenmedien wie ausgelutschte Kaugummis kaum mehr wiedergekaut. Viele Kritiken in der Bandbreite zwischen Abzocke, Korruption und Schummelei kommen von Sportlern und Fans. Dennoch konnte für ein Millionenpublikum Faszination und Spannung auf die Bildschirme gezaubert werden. Pausenlose Live-Übertragungen mit modernsten Techniken, u.a. Drohneneinsatz, vermittelten den Eindruck direkt vor, neben oder hinter den kämpfenden Athleten mit zu laufen. Und es gab zweifellos spannende Wettkämpfe mit Sensationen, Rekorden und Dramen.
Die Steuerzahler blechen, das IOC kassiert
Geschätzte 6 Milliarden Euro ließ sich der italienische Staat das Spektakel kosten. Das sind 0,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Dabei wurde der Budgetplan um 85 Prozent überschritten. (1) Es steht in den Sternen, ob sich das nur annähernd finanziert. Der Hauptgewinner ist das Internationale Olympische Komitee (IOC). Den größten Reibach sichert es sich mit Film- und Bildrechten. An zweiter Stelle kassieren die Sponsoren. Das wird noch in den nächsten Jahren bis 10 Milliarden in deren Kassen spülen. Der Profisport ist zu einer Goldgrube für Internationale Konzerne und Spekulanten geworden. (2) Dafür werden spektakuläre Pisten und Schanzen gebaut, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Athleten.
Die Olympischen Spiele waren noch nie unpolitisch, wie ihre Begründer sie mit der Illusion einer Ideologiefreiheit aus der Taufe hoben. Die faschistische Meloni-Regierung stellt sich als Gastgeber für Menschen aus aller Welt dar (sofern sie sich die sündhaft teuren Tickets und Übernachtungen leisten können). Kaum reflektieren die Medien ihre harte flüchtlingsfeindliche Linie brutaler „Abschreckung“ mit Abschiebelager in Albanien. Das findet den Gefallen von Donald Trump, der sich durch seinen Vize JD Vance vertreten und zu dessen Schutz Leute der faschistischen Ausländerbehörde ICE einfliegen ließ. Jeden Sportler, der seine Politik kritisierte, beschimpfte er abschätzig als Loser (Versager).
Jessie Diggins, Vorbild für die Jugend
Überdeckt von dem ganzen imperialistischen Sportspektakel lieferten die 16 Tage auch viele gegenteiligen Erfahrungen von Fairness, Respekt und Mut. Obwohl sie nach ihrer Rückkehr in die USA Repressionen erwarten, übten etliche US-Sportlerinnen und Sportler offen Kritik an Trump. Ein Vorbild an Rückgrat und Abhärtung war dabei die Langlauflegende und mehrfache Medaillengewinnerin bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, Jessie Diggins. Sie ist unweit der Stadt Minneapolis aufgewachsen. Sie wollte aus Protest nicht für die USA antreten. Da sie von Nachbarn gebeten wurde, für das andere menschliche Amerika zu werben, hat sie sich doch entschlossen. Das gab ihr dann trotz Verletzung Flügel, im 10-Kilometer Freistil eine Bronce-Medaille zu erkämpfen. Dies obwohl sie die letzten 300 Meter wegen Schmerzen die Arme kaum mehr bewegen konnte.
Was man vom Bobfahren lernen kann
Man kann berechtigt in Zweifel ziehen, ob der Bobsport sinnvoll ist. Wenn für wenige hundert Athleten in Deutschland mit hunderten Millionen Euro drei Bahnen gebaut und unterhalten werden. Man kann aber auch von diesen Sportlern etwas für sein Leben lernen: erstmal den Mut, sich in die Rinne mit engen Kurven zu werfen, dann gibt es kein Anhalten, kein Moment sich treiben lassen, immer aktiv die Gesetze von Beschleunigung, Geschwindigkeit (bis zu 130 km/h) und Fliehkraft beherrschen. Und dennoch entscheidet die individuelle Fähigkeit des einzelnen Sportlers nie allein. Christoph Langen, einer der erfolgreichsten Bobfahrer meinte am 20.02.2026 gegenüber der „Welt“: „Ich sage immer: 30 Prozent Athletik, 30 Prozent fahrerisches Können, 30 Prozent Material und zehn Prozent Glück.“
Was wir positiv von dem aufgeblähten Spektakel mitnehmen können, das sind solche klein anmutenden Anregungen, die uns die Akteure auf Schnee und Eis für unsere eigene Selbstveränderung mitgeben, um Leben und den Kampf für die Befreiung zu meistern.