Dokumentiert
70 Jahre Geheimrede Chruschtschow
Dieser Artikelauszug aus der Feder von Rote Fahne-Geschichtsredakteur Dieter Klauth erschien vor fünf Jahren auf Rote Fahne News. Er behandelt ausführlich den Verrat Nikita Chruschtschows an Stalin, den dieser mit seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU beging. Anlässlich des heutigen 70. Jahrestags der Geheimrede dokumentiert die Rote Fahne Redaktion diesen Artikel hier.
Von Dieter Klauth
Am letzten Tag des Parteitags, nach Abschluss aller offiziellen Sitzungen, berief Chruschtschow schließlich ohne vorherige Ankündigung eine weitere Versammlung der Delegierten ein und hielt seine berühmt-berüchtigte „Geheimrede“: Überfallartig richtete er umfassende Beschuldigungen gegen Stalin, den bis dahin unumstrittenen Führer der kommunistischen Weltbewegung. Stalins Kampf gegen die Konterrevolution während der Säuberungen in der Vorkriegssituation 1937 / 38 sei ein Ausdruck von Willkür, diktatorischer Alleinherrschaft und skrupelloser Verbrechen gewesen. Im Krieg habe sich Stalin als unfähiger Dilettant erwiesen und die Sowjetunion habe nicht wegen ihm, sondern trotz seiner Unfähigkeit den Sieg davongetragen.¹ Eine Diskussion über diese ungeheuerlichen Angriffe fand nicht statt, die Zuhörer wurden verwirrt und schockiert nach Hause geschickt. Faktisch war das ein Putsch des Bürokraten Chruschtschow und eine zerstörerische Breitseite gegen die bisher geltenden ideologisch-politischen Fundamente der KPdSU. Die Durchsetzung dieser Linie markierte die Machtergreifung der kleinbürgerlichen Bürokratie, ihre Umwandlung in eine neue herrschende Klasse und den Sieg der Konterrevolution.
Obwohl die Rede als „geheim“ deklariert wurde, konnte sie über den US-Geheimdienst veröffentlicht und international verbreitet werden. In der internationalen kommunistischen Bewegung wurde ein nicht wiedergutzumachender Schaden angerichtet – bis heute beziehen sich Antikommunisten aller Schattierungen bei ihren Verleumdungen des Sozialismus auf Chruschtschows „Geheimrede“. Es gehörte zu den grundlegenden ideologisch-politischen Voraussetzungen des Neuaufbaus der revolutionären Arbeiterpartei, dass im theoretischen Organ REVOLUTIONÄRER WEG 1971 die „Geheimrede“ entlarvt und die Angriffe auf Stalin zurückgewiesen wurden.²