Politischer Aschermittwoch der MLPD
Zwickau: Bayern München oder FSV Zwickau?
Politischer Aschermittwoch – und dazu noch ein revolutionärer? Sowas gab es noch nie in Zwickau. Es interessierte nicht nur knapp 40 Besucherinnen und Besucher, sondern auch die Lokalredaktion der Freien Presse, die mit Fotograf und Journalist vor Ort war.
Peter Weispfenning, der Pressesprecher der MLPD, und Jörg Weidemann, Landesvorsitzender der MLPD in Sachsen – die Redner am heutigen Abend – mussten zunächst Aufklärung betreiben. Hatten doch Freunde in Leipzig unter dem Stichwort "Anlauf und Helau" zum Politischen Aschermittwoch eingeladen.
„Die Tradition des Politischen Aschermittwochs kommt aus Bayern. Sie hat allerdings weder etwas mit Fasching zu tun, noch mit der CSU, die heute so tut als hätte sie dieses Format erfunden. Tatsächlich war es die revolutionäre Arbeiter- und Bauernbewegung, die nach dem Ersten Weltkrieg diese Art von Wirtshausveranstaltungen ins Leben gerufen hat, bei der nicht nur deftig gegessen, sondern auch deutlich gesprochen wird“, leistete Peter Weispfenning, von Beruf Rechtsanwalt, kulturelle Entwicklungshilfe.
Tatsächlich fanden beide Redner deutliche Worte. So zu Kanzler Friedrich Merz, der Deutschland geopolitisch als "Mittelmacht" qualifiziert hatte. „Das wäre so, als wenn ich Bayern München als Mittelmacht in der Champions League qualifizieren würde. Aber der deutsche Imperialismus ist nicht der FSV Zwickau, sondern die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, der fünftgrößte Waffenlieferant und Ausgangspunkt zweier Weltkriege“, verdeutlichte Peter Weispfenning die Dimensionen.
Den VW-Konzern und seine Freunde in der AfD nahm Jörg Weidemann, von Beruf Krankenpfleger, ins Visier: „Als vor einigen Wochen die Landesregierung einen Scheck über 11 Millionen Euro im Zwickauer VW-Werk vorbeibrachte, versprach die Konzernspitze dafür die Sicherung von 200 der rund 8000 Arbeitsplätze. AfD-Abgeordnete klopften sich noch auf die Schulter, an diesen Fördermitteln mitgewirkt zu haben. Sie appellieren, dass doch VW bitteschön am Standort in Sachsen investieren möge. Drei Viertel ihres Beitrages nutzen sie aber, um gegen die IG Metall zu hetzen …
Appelle an die VW-Spitze statt Kampf um Arbeiterinteressen, das ist so absolut gar nichts Neues. Es zeigt, dass die AfD keinerlei Alternative zum Co-Management anbietet, sondern es nur national-egoistisch und völkisch ausrichtet.
Ohne den Kampf Zehntausender IG-Metallerinnen und -Metaller wären bereits Ende 2024 Werke geschlossen worden. Anfang der Woche unterstrich die VW-Konzernspitze allerdings, dass jede Art von Co-Management an ihrer Profitgier abperlt wie Regen auf dem neuesten Super-Spezial-Autolack. Jetzt reicht ihnen nicht mehr die bisher angekündigte Vernichtung von 35.000 Arbeitsplätzen. Seit Montag stehen wieder Werksschließungen auf der Agenda …
So ‚bedankt‘ sich der VW-Konzern für reformistische Zugeständnisse und staatliche Subventionen. Der Kampf 2024 war genau richtig, er wurde nur nicht zu Ende ausgefochten.“
Es gab natürlich sehr gutes Essen. Der Ertrag sowie 187 Euro der Spendensammlung tragen zur Stärkung der Partei bei. Einige Besucher, die zum ersten Mal bei der MLPD waren, möchten künftig selbst bei der revolutionären Veränderung der Gesellschaft mitanpacken.