Epstein

Epstein

Wo bleiben eigentlich die Opfer?

Wie jeden Morgen nach dem Frühstück setz ich mich in den Fernsehsessel und vertief mich in die BILD von heute, das „Revolverblatt“ wie meine Frau immer abfällig sagt.

Von Georg Makowski

Aber ihr wisst ja, ich kauf sie ja nur wegen dem Sportteil …

 

Heute groß vorne drauf: „Polizei nimmt Andrew fest! Royales Beben!“ Wird aber auch Zeit, denk ich. Seit wie viel Jahren läuft der frei rum, überhaupt ist schon einer von den Dreckskerlen verurteilt worden? Neunjährige Mädchen … mir wird schlecht, wenn ich daran denke. Ich blättere weiter. Zwei ganze Seiten nur über den Sexualverbrecher. Soll ich etwa noch Mitleid mit ihm haben, weil er an seinem 66. Geburtstag von der Polizei festgenommen worden ist? Aber nicht wegen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger sondern wegen Amtsmissbrauch.

 

Und sein Bruder, der König von England, äußert sich auch: „Lassen Sie mich klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.“ Und das, nachdem er jahrelang die Hand über seinen Bruder gehalten hat. Einfach abstoßend!

 

„Sag mal, was liest Du denn da wieder?“, meine Frau kommt ins Zimmer. „Ist Dir eigentlich nicht aufgefallen, dass täglich in BILD und anderen Blättern seitenlang über die perversen Täter geschrieben wird. Hast Du mal was über die vielen Opfer gelesen, wie es ihnen heute geht, wie viele sich das Leben genommen haben, traumatisiert worden sind, was es mit ihren Familien gemacht hat?“ Sie hat mal wieder die Finger in die Wunde gelegt. Aber hat sie nicht Recht? Aber warum ist das so?

 

Meine Frau überlegt kurz und sagt dann: „Wenn ich es mir genau überlege, ist die Ausbreitung der ekelhaften Taten nichts anderes als eine Verbreitung der übelsten und reaktionärsten bürgerlichen Moral und Denkweise. Dazu passt auch, dass Epstein Teil eines faschistischen Netzwerkes mit engen Verbindungen auch zum israelischen Geheimdienst und selbst zu Regierungskreisen in Russland war.“

 

Mir bleibt die Spucke weg. „Du meinst, der war in Wirklichkeit ein reaktionärer politischer Strippenzieher und hat seine perversen Sexualverbrechen dazu genutzt, um die Leute in der Hand zu haben?“ „Siehste, und was liest de davon in dieer BILD? Nichts!“ Hat se mal wieder Recht. Vielleicht sollte ich mir für den Sport doch lieber eine andere Zeitung kaufen.