Länderübergreifende antiimperialistische Bewegung

Länderübergreifende antiimperialistische Bewegung

Weltweit ein kämpferischer Jahresauftakt

Die GSA e.V. erfasst und wertet die Kämpfe der Arbeiter und Volksmassen monatlich aus, auch gegen die Unterdrückung dieser Informationen durch die bürgerlichen Massenmedien.

Von Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Studien zur Arbeiterbewegung (GSA e.V.)
Weltweit ein kämpferischer Jahresauftakt
Hafenarbeiteraktionstag am 6. Februar 2026: Bestreiktes Schiff im Hafen von Piräus (Foto: PENEN)

In den Kämpfen im Januar 2026 entfaltete sich eine weltweite breite antiimperialistische Bewegung. Brennpunkte waren der Massenwiderstand im Iran, weltweiter Protest gegen den US-Überfall auf Venezuela, die weiterhin verheerende Situation ín Gaza und die Bedrohung Rojavas sowie der antifaschistische Protest in den USA. Insgesamt erfasste die GSA über 13 Millionen Teilnehmer in 329 Streiks und Demonstrationen gegenüber und 4,4 Millionen im Dezember 2025 in 117 Aktionen. In den Zahlen enthalten sind der Streik von 800.000 indischen Bankangestellten für die 5-Tage-Woche und rund 10 Millionen beim Massenwiderstand im Iran.

 

Der Aufstand der breiten Volksmassen im Iran Ende Dezember bis 10. Januar entwickelte sich geradezu explosionsartig angesichts der materiellen Not, des Währungsverfalls, der Korruption und wachsender politischer Unterdrückung. Todesverachtung prägte das Aufbegehren! Nur durch ein Blutbad mit zehntausenden Toten konnte das faschistische Mullah-Regime diesen Massenwiderstand aktuell unterdrücken.

 

In 16 Ländern haben wir Demonstrationen und Proteste gegen den Überfall der USA auf Venezuela und die Entführung von Präsident Maduro und seiner Frau in die USA erfasst. Insgesamt beteiligten sich dabei mindestens 170.000 Menschen auf mehreren Kontinenten. In Asien waren es über 61.000 Teilnehmende bei 5 Aktionen bzw. Demonstrationen, in Lateinamerika waren es mindestens 47.000 auf 4 Demonstrationen und in Europa mindestens 35.00, darunter in Deutschland mindestens 4.000 in über 20 Orten.

 

In zahlreichen europäischen Städten gab es Solidaritätsdemonstrationen für Rojava, darunter Bern, Paris, Brüssel, London; in Deutschland demonstrierten in über 50 Städten rund 150.000 Teilnehmende. Weiterhin gab es große Proteste gegen den andauernden Völkermord in Gaza wie 100.000 in London.

 

In dieser antiimperialistischen Solidaritätsbewegung entfaltet sich der weltanschauliche Kampf um Höherentwicklung und Perspektive. Reaktionäre und faschistische Kräfte versuchen, die Bewegungen auf ihre Bahnen zu lenken. So stand die Gaza-Solidaritätsdemonstration von mehr als 500.000 in Istanbul unter Führung der reaktionären Jugendorganisation der AKP - mit einem Auftritt von Bilal Erdogan, dem Sohn des faschistischen Präsidenten. Die Solidarität mit den Menschen im Iran wird überschattet durch den Versuch, den in den USA lebenden Schah-Sohn Pahlavi als reaktionäre Alternative aufzubauen. Er trat am 14. Februar in München als ein Hauptredner vor 250.000 aus ganz Europa angereisten Demonstranten auf. Auch Demonstrationen in Hamburg und Düsseldorf im Januar mit 33.000 Teilnehmer waren von reaktionären Kräften organisiert.

 

Eine in die Zukunft weisende Entwicklung in Israel war am 31. Januar das Zusammengehen auf dem Habima-Platz der überwiegend jüdischen Anti-Regierungs-Protestbewegung mit arabischen Bürgern, die wegen der grassierenden Kriminalität lautstark gegen die Regierung protestierten. In Italien verbanden sich bedeutende antiimperialistische Proteste mit dem Kampf gegen die massiven Einschränkung der demokratischen Rechte durch Meloni-Regierung.

 

Äußerst bemerkenswert entfaltet sich in der Doppelstadt Minneapolis/St.Paul im US-Bundesstaat Minnesota die Bewegung gegen die faschistische Migrationspolitik. Beispielhaft wird der antifaschistische Widerstand in den Nachbarschaften organisiert und geschult, um Migranten zu helfen und zu schützen, ICE-Posten einzuschüchtern, zu filmen usw. Dieser Widerstand hat die Trump-Truppe in die Defensive gebracht: Der Generalstreik am 23.01. in Minneapolis - und das auch noch bei Eiseskälte - war in seiner Breite was Neues: ein Teil der Gewerkschaften, Vereine und Kirchen riefen auf, viele meist kleinere Betriebe schlossen, ebenso öffentliche Einrichtungen. Seither reißen Proteste von Schülern nicht mehr ab, die vor allen an Freitagen in Schulstreiks treten und „ICE out“ fordern. Auch an Universitäten gibt es zunehmende Anti-ICE-Proteste.
In den USA beginnt sich ein organisierter antifaschistischer aktiver Widerstand heraus zu bilden.

 

Der Januar war in der BRD durch einen erheblichen Anstieg der Teilnehmer an Arbeiter- und Volkskämpfe gekennzeichnet. Gegen die verschärfte Abwälzung der Krisenlasten streikten in der Tarifrunde im öffentlich Dienst der Länder mindestens 33.000 Beschäftigten für höhere Löhne. Der vorgelegte Abschluss im Februar ist ein Schlag ins Gesicht gegen diese Kampfbereitschaft. Neu waren Zusammenschlüsse wie gemeinsame Warnstreiks und Kundgebungen mit der GEW und dem Beamtenbund sowie bundesweite Aktionstage, wo gleichzeitig in ganze Branchen zu Streikaktionen kam. Trotz massiver Hetze von Teilen der bürgerlichen Presse zeigen Interviews ein Verständnis vieler Menschen für die Kampfaktionen, auch wenn sie von den Streiks betroffen sind.

 

Beachtlich waren die antifaschistischen Demonstrationen mit 20.000 Teilnehmer der Aktion „Prüf“in verschiedenen Bundesländern. Deren Organisatoren fordern eine Überprüfung der AfD durch das Bundesverfassungsgericht. Sie verstehen sich als Plattform zu Verteidigung der bürgerlichen Demokratie gegen „rechtsextreme Kräfte“. Unter den Teilnehmenden war zahlreiche, die für ein Verbot der AfD eintreten.

 

Auf der „grünen Woche“ in Berlin demonstrierten 5.000 Landwirte für eine Landwirtschaft, die artgerechte Tierhaltung und Umweltschutz verwirklicht gegen das Diktat der Agrarkonzerne. Die Zahl der Teilnehmer hat gegenüber dem Vorjahr abgenommen, sie sind zugleich wesentlich politischer geworden.

 

Insgesamt kann man zum Jahresauftakt feststellen: Die Entwicklung der Kämpfe ordnet sich ein in einen weltweiten politischen Gärungsprozess vor dem Hintergrund der offenen und sich verschärfenden Krise der Neuorganisation der internationalen Produktion.