US-Embargo gegen Kuba
"Was hier läuft, ist Krieg gegen das kubanische Volk, nur ohne Bomben"
Ein seit einigen Monaten auf Kuba lebender Deutscher hat sich an die MLPD gewandt und eine eindringliche Schilderung der Lage der Menschen auf der Insel verfasst. Das Leid der Massen, die von dem von der faschistischen Trump-Regierung der USA verschärften Embargo gegen die Insel betroffen sind, ist groß. Hier die Schilderung, die auf dem Stand von vor vier Tagen beruht:
Was hier läuft, ist Krieg gegen das kubanische Volk, nur ohne Bomben. Ich warte jeden Tag auf den totalen Kollaps.
Stand der Dinge hier in Havanna: Der ÖPNV ist jetzt komplett zum Erliegen gekommen. Die Preise für Taxis und die beliebten Sammeltaxis verdoppeln sich gefühlt stündlich. Stromausfälle halten sich zum Glück noch in Grenzen, zumindest hier in der Hauptstadt bzw. in meinem Viertel in Marianao, etwa sechs bis zwölf Stunden pro Tag. Schulen laufen auf Vier-Tage-Betrieb. Viele Ausländer verlassen panisch und voreilig das Land. Auch Exil-Kubaner, welche auf Familienbesuch waren, was mich besonders wunderte.
Viele Hotels wurden bereits geschlossen. Der für das Land lebenswichtige Tourismussektor liegt am Boden. Auch die landwirtschaftliche Produktion ist weitestgehend zum Erliegen gekommen.
Die Krankenhäuser laufen am Limit, Angestellte können sich teilweise den Transport zur Arbeit nicht mehr leisten. Auch der Sprit für die Generatoren geht aus. In den meisten Polikliniken, welche es hier in jedem Barrio und im 24-Stunden-Betrieb gibt, wurde das Benzin für die Notstromversorgung schon vor Monaten geklaut. Die Preise auf dem Schwarzmarkt für Benzin liegen zwischen 2000 und 5000 CUP pro Liter. Also 4 bis 10 Dollar. Eine offizielle Abgabe an Privatpersonen ist im Moment verboten. Ein Fahrer sagte mir, es könne sich eine Situation entwickeln, in der der Verkauf von Treibstoff erträglicher wäre als die Fahrten selbst.
Es gab letzte Woche eine mysteriöse Explosion an der Rohölanlegestelle im Hafen von Havanna. Zum Glück wurde niemand verletzt und die wichtigsten Anlagen blieben unbeschädigt. Die Behörden halten sich bislang noch zur Ursache bedeckt.
Ein weiteres Problem, einhergehend mit den Stromausfällen, ist die Wasserversorgung. 90 Prozent der Wasserversorgung hängen hier von elektrischen Pumpen ab.
Das Müllproblem hat enorme Ausmaße angenommen. Es war auch vor der Zuspitzung durch die US-Ölblockade in manchen Vierteln ein Problem, aber jetzt eskaliert die Situation komplett. Laut dem staatlichen Medienportal Cubadebate sind weniger als 20 Prozent der Müllfahrzeuge noch aktiv. Es gibt keinerlei Ressourcen für die Abholung. Irgendwo im Osten der Stadt entsteht jetzt eine Art Behelfsdeponie, um die Transporte zu den eigentlichen Deponien einzusparen. Ratten, Ungeziefer und Krankheitserreger verbreiten sich ungehindert. Die US-Regierung führt einen Krieg gegen Kuba, und benötigt dazu nicht mal Bomben.
Kriminalitätstechnisch möchte ich mir gar nicht ausdenken, was auf uns zukommt. Es ist jetzt schon krass für hiesige Verhältnisse. Während ich vor der Pandemie noch jedem gesagt hätte, hier in Marianao oder anderen Vierteln wie Cerro oder La Lisa ist es kein Problem, nachts durch die Straßen zu gehen, auch als Tourist, kann ich heute nur noch dringend davon abraten.
Russland hat seine Touristen evakuiert und beide Airlines haben ihren Betrieb eingestellt, auch Air Canada und andere Airlines. Russische und kanadische Touristen machen den wichtigsten Teil des Tourismussektors aus. Eine Betankung von Flugzeugen ist auf Kuba nicht mehr möglich. Air France und zwei spanische Airlines tanken auf Zwischenstopps in Nassau oder der Dominikanischen Republik. Andere Direktverbindungen nach Europa gibt es nicht mehr.
Eine angebliche Öllieferung Russlands ist von den russischen Behörden noch nicht offiziell bestätigt. Auch der russische Botschafter auf Kuba äußerte sich bis gestern bei RT Lateinamerika nicht dazu. China hat eine größere Reislieferung geschickt, aber von beiden Großmächten gibt es bislang nur vage Solidaritätsbekenntnisse. Die von China geförderten Solarparks sind gut, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hilfsbrücke und Lieferungen von Mexiko sind solidarisch, aber für mich a) keine Dauerlösung und b) haben Hilfsgüter keine Beine, um sich im Land zu verteilen. Bislang knicken alle Länder vor den von Trump und Rubio angekündigten Strafzöllen ein. Ein Öltanker aus Togo wurde auf Druck der US-Behörden in die Dominikanische Republik umgeleitet.
Die Stimmung unter den Massen ist angespannt, aber noch nicht panisch, man ist krisenerprobt. Die Wut auf die USA wächst besonders bei Ü‑40‑Leuten. Viele Jugendliche können offenbar noch nicht einordnen, was da auf sie zurollt.
Das Land steuert in jeder Hinsicht auf eine humanitäre Katastrophe zu. Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann hier alles kollabiert. Der UN-Generalsekretär kritisiert, aber er ist machtlos. Die kubanische Bevölkerung fühlt sich allein gelassen. In den deutschen Medien scheint dieser US-Krieg gegen Kuba nur eine Randnotiz zu sein. Man stelle sich vor, China würde eine ähnliche Blockade gegen Taiwan eskalieren, im Zwei-Stunden-Takt würden Medien live aus Kinderkrankenhäusern und Krebskliniken berichten. Von militärischen Forderungen ganz zu schweigen.