Massives Kürzungsprogramm

Massives Kürzungsprogramm

VW-Belegschaften – die nächste Runde ist angesagt

Nach einem Bericht des Manager Magazins will der VW-Vorstand konzernweit um 20 Prozent Kosten senken. Darüber soll VW-Chef Oliver Blume und der Finanzvorstand Arno Antlitz bei einer Veranstaltung Mitte Januar die oberste Führungsmannschaft unterrichtet haben.

Bis 2028 soll so der Profit um 60 Mrd. Euro gesteigert werden. Die „Kostensenkung“ geht damit weit über die 2024 beschlossenen Maßnahmen u.a. zur Vernichtung von 35 000 Arbeitsplätzen hinaus. Noch hält sich der Vorstand mit konkreten Maßnahmen zurück. Eine bewusste Taktik, um die Kolleginnen und Kollegen hinzuhalten. Inoffiziell heißt es, dass ein Teil davon auf die Zulieferer abgewälzt werden soll. Auch von sogenannten „Effizienzprojekten“ ist die Rede. Wer könnte schon was gegen mehr „Effizienz“ haben. In Wirklichkeit ist das eine verharmlosende Umschreibung geplanter Steigerung der Arbeitshetze und Arbeitsplatzvernichtung, bis hin zu Werkschließungen. Der Verzicht auf Werkschließungen war 2024 ein Zugeständnis an die kampfbereiten Belegschaften, aber für den Vorstand waren diese Pläne nie vom Tisch!

 

Begründet wird dies mit „schleppenden Verkäufen in China“, der „US-Zoll-Politik“ und „einem verschärften Wettbewerbsumfeld, insbesondere durch aggressive Preispolitik chinesischer Hersteller“. In China hat VW inzwischen 40 Prozent seines Marktanteils verloren. Darauf reagierte der Vorstand mit einer Investitionsoffensive in China. In Hefei, 500 km westlich von Shanghai. plant er ein „zweites Wolfsburg“. VW hat dort bereits ein F+E-Zentrum mit 100 Laboren, produziert mit chinesischen Partnern Autos und entwickelt Batterien und Software. Hefei soll zu einer Exportdrehscheibe für den asiatischen und südamerikanischen Kontinenten werden. Wer sagt, dass in Zukunft nicht auch Autos nach Europa geliefert werden?

 

Ein Vertrauensmann aus Kassel berichtet: „Die Kollegen haben zwar von den Pläne aus den Medien erfahren. Aber so richtig angekommen ist das bei ihnen noch nicht. ‚Die erzählen viel, bis der Tag lange ist‘, höre ich öfter. Worüber allerdings eine Einheit besteht, ist die Ablehnung des Tarifvertrags von 2024 und dass die Verantwortlichen der IG Metall eingeknickt sind. Auch dass ein Streik richtig und notwendig gewesen wäre. Daran kann man gut ansetzen.“

Wundersamer Fund von 6 Mrd. Euro

Eigentlich hatte der Vorstand für das Geschäftsjahr einen Cash flow von Null angegeben. Vor drei Wochen kündete der Vorstand wie aus heiterem Himmel an, dass der Cash flow für 2025 sechs Mrd. Euro betrage. Das Kunststück wünschte sich jeder Arbeiter, wie aus seinen Schulden auf einmal ein dickes Plus wird! Kein Mensch weiß, woher das Geld auf einmal kommt. Gut zu wissen, wie die Vorstände mit Zahlen tricksen können, wenn sie uns das nächste Mal wieder was vorjammern! Warum der Vorstand aber 6 Mrd. aus dem Hut gezaubert hat, darüber besteht relative Klarheit: In letzter Zeit nahm der Druck von Rating-Agenturen auf den Vorstand zu. Sie drohten mit einer Herabstufung der Bonität des Konzerns. Das hätte zu steigenden Zinsen für VW geführt. Genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger aber war die Tatsache, dass mit diesem Bilanzierungstrick die Bosse sich ihre Bonuszahlungen gesichert haben.

Was heißt das für die Belegschaften?

  1. Es war ein Fehler der Gewerkschaftsführung, 2024 den Tarifvertrag zu unterschreiben. Wir hätten am Ball bleiben und streiken sollen, wozu die Mehrheit auch bereit gewesen war. Denn es war damals schon klar, dass weitere Arbeitsplatzvernichtungen kommen und das Zugeständnis, keine Stilllegungen bis 2030, nicht eingehalten wird. Deshalb ist es völlig blauäugig, wenn der VW-Betriebsrat die neuen Pläne als „Zustandsbeschreibung“ bei der Umsetzung des 2024 beschlossenen Programms herunterspielt. Das trägt zur Verunsicherung der Belegschaft bei, statt sie auf weitere harte Auseinandersetzungen vorzubereiten!
  2. Die Belegschaften sind gut beraten, nicht nur den Widerstand gegen die Umsetzung der Vereinbarung von 2024 zu organisieren, sondern auch sofort alle notwendigen Vorbereitungen für gewerkschaftliche und selbständige Streikaktionen vorzubereiten. Es kann als erster Schritt durchaus richtig sein, den Vorstand zu zwingen, die konkreten Pläne auf den Tisch zu legen. Dazu gehören auch die Pläne zur Umstellung auf Kriegswirtschaft. Aber wir dürfen unsere Aktivitäten für die nächste Runde der Auseinandersetzung mit dem VW Vorstand nicht davon abhängig machen!