Verallia Essen-Karnap

Verallia Essen-Karnap

Streik ist die einzig richtige Antwort!

Dieser Artikel ist in der aktuellen Extra-Ausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Verallia in Essen-Karnap, „Karnaper-Flaschenpost“, erschienen. Die Einleitung dazu stammt von der Redaktion 8. Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert:

Aus der Kollegenzeitung „Karnaper Flaschenpost“
Streik ist die einzig richtige Antwort!
Verallia in Essen-Karnap (foto: VMH (CC BY-SA 3.0))

Aus den Redaktionen:

Solidarität ist jetzt wichtig. In Werksleitung und Betriebsrat besteht gar kein Vertrauen mehr. Auch der Betriebsrat wusste schon vorher Bescheid, dass es dazu kommt. Vor ungefähr sechs Jahren haben sie die Wanne 3 komplett modernisiert und drei Jahre später haben sie die Wanne dichtgemacht. Letztes Jahr, im Juli, haben Sie die Wanne 1 (Braunglas) dichtgemacht. Klar, dass sowas passiert. Endlich müssen die Kollegen jetzt mal zusammenhalten. Wenn WIR jetzt nichts machen, macht die Firma mit uns, was sie will. Die Gewerkschaft muss sofort, heute noch, zum Streik aufrufen!

Hier der Artikel:

Bevor die Arbeiter überhaupt informiert wurden, hat es der Vorstand schon mal den Medien erzählt. Die Börsennachrichten verkündeten: Das Werk von Verallia in Essen-Karnap soll geschlossen werden. Der Konzernvorstand muss ins Visier genommen werden, die entscheiden sowas. Aber jeder, der das mitträgt, steht bei uns in der Kritik, auch die Werksleitung, wenn sie das umsetzt.


Die Börsennachrichten jubelten schon am 16. Februar, so die Website „AdhocNews, Finanzierung für Deutschland“, unter dem Titel „Verallia-Aktie nach Kurssprung“ über „frische Geschäftszahlen“, eine nun „aktionärsfreundliche Politik“, eine „attraktive Dividendenpolitik“ und „stabile Cashflows“. Damit können nur die Angriffe auf die Belegschaft gemeint sein. Darum geht es: auf Kosten der Arbeiter Dividenden und Cashflows zu steigern? So läuft Kapitalismus! Und die wussten wohl schon seit Montag Bescheid! Diese Logik ist nicht unsere; wir müssen jetzt von unseren Interessen und denen unserer Familien ausgehen!


Die Aufträge sollen an andere Standorte verteilt werden. Das bedeutet eine Steigerung der Ausbeutung der verbliebenen Arbeiter und eine höhere Profitrate. Tatsächlich sind der Absatz und die Aufträge eingebrochen. Aber das liegt nicht an den Arbeitern, schlechter Arbeit oder Qualität oder daran, dass Glasflaschen kein sinnvolles Produkt wären. Der Vernichtungsschlacht der Konzerne können wir uns nicht unterordnen. Demnach schließen auch andere Werke, werden Hunderttausende Arbeitsplätze vernichtet – und wir sollen das einfach abnicken? Vernichtungsschlacht und Konkurrenzkampf in der Branche haben das verursacht. Wenn Umweltschutz nicht nur eine Phrase ist, sollten mehr Flaschen produziert werden, statt Dosen und Plastik. Warum werden Flaschen für die Stauder Brauerei durch ganz Deutschland transportiert, statt Flaschen aus Karnap abzunehmen?

 

NTV.de schrieb gestern, dass in „Frankreich … die dortigen rund 60 Arbeitsplätze … ausschließlich auf freiwilliger Basis abgebaut (würden).“ Heißt das im Umkehrschluss, in Essen „unfreiwillige Massenentlassungen“? Streiken heißt, dass die Arbeiter zeigen, dass sie am längeren Hebel sitzen. Man muss im Kapitalismus seine Arbeitskraft verkaufen, aber man ist kein Sklave und kann entscheiden, ob und zu welchem Preis man das macht.


Arbeiter sind nur in ihrer Organisiertheit überlegen, und können ihre Kraft in die Waagschale werfen. Der Einzelne ist immer schwächer. Viele schreiben Bewerbungen, hoffen auf einen individuellen Ausweg. So einfach findet man auch keinen anderen Job. Auch Stahlwerke, Zulieferer für Autowerke – letztes Jahr wurden 130.000 Industriearbeitsplätze vernichtet.

 

Betriebsversammlungen sind meist dazu da, die Arbeiter zu besänftigen, auf das kleinere Übel einzuschwören. Nach dem Motto: „Kümmer dich um deine Abfindung, mehr ist nicht drin.“ Eine Abfindung muss je nach Steuerklasse bis zur Hälfte versteuert werden. Frag mal Leute, die im Bergbau oder bei Opel waren: Viel bleibt da nicht.


Man lässt sich einen Arbeitsplatz nicht abkaufen. Das kann einen dauerhaften Lohn niemals ersetzen. In zwei Jahren verdient man ca. 100.000 Euro. Das gleicht einem doch keiner aus. So kann man sich als Arbeiter nicht behandeln lassen. Es ist auch nicht einzusehen, dass Verallia bis zur Schließung noch Profite auf unserem Rücken macht! Die neuen Zahlen kommen am 24. Februar – im Jahr 2024 erwirtschaftete aber jeder der 11.000 Beschäftigten im Konzern Verallia immerhin 310.000 Euro pro Jahr (berechnet nach Zahlen auf www.finanzen.net). Streik ist die einzige Kampfform, die den Kapitalisten richtig wehtut. Denn bis zur Schließung wollen sie noch verdienen.


Solidarität gilt auch den Arbeitern in Frankreich und Großbritannien, wo es auch Entlassungen und Wannen­schließungen geben soll. Konzernweiter Kampf!


Energiekosten sind teuer, ja, aber bei energieintensiven Betrieben wurden die Kosten schon erheblich gesenkt, nicht so bei der Bevölkerung. Trotz Subventionen wird jetzt entlassen. Wir erleben eine Politik, die rigoros auf die Interessen von Konzernen ausgerichtet ist – und wenn diese Krieg, Faschismus, Ausbeutung, Kürzungen bei Renten und anderen Sozialleistungen bedeutet, setzt die Politik das um. Es braucht deshalb auch gesellschaftliche Perspektiven.

 

Noch läuft die Wanne. So lange haben es die Arbeiter in der Hand. Aufgeben ist keine Option!

 

Nur wer kämpft, kann gewinnen, wer nicht kämpft, hat schon verloren!

  • Kampf um jeden Arbeitsplatz! Keine Werksschließungen!
  • Es hieß schon länger, die Ausbildung wird ausgesetzt. Jetzt wissen wir warum. Wir kämpfen auch um jeden Ausbildungsplatz. Wo sollen Azubis die Ausbildung abschließen?
  • Eine fünfte Schicht soll eingeführt werden. 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, dann könnte die Arbeit auf mehr Arbeiter verteilt werden, statt zu entlassen! Gewinne machte der Konzern in den letzten Jahrzehnten genug – durch unsere Arbeit!