Hella Recklinghausen
„Hurra – wir sind gerettet?“
Dieser Artikel ist in der aktuellen Extra-Ausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Hella, „Der Scheinwerfer“, erschienen. Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert:
Knallhart hält Hella mit dem Programm „EU-Forward“ an der Vernichtung unserer Arbeitsplätze fest. Um ganze zwölf haben sie die Zahl verringert, da das Cova-Band und eine Inline bis zum Auslaufen der Produkte in Werk 5 verbleiben sollen. Ja, vom Standpunkt der Wettbewerbsfähigkeit echt logisch, aber vom Standpunkt der 140 Mitarbeiterfamilien und der zukünftigen Arbeitsplätze für die Jugend ein Desaster.
Die Zukunft des Werks wurde vage in Aussicht gestellt, „wenn Aufträge kommen“ und „wenn der Standort wettbewerbsfähig ist“. Damit kann man in Zukunft jede Schweinerei erpressen – dient ja alles nur der Wettbewerbsfähigkeit. So sieht es im angeblich besten aller Wirtschaftssysteme also für uns Arbeiter und Angestellte aus? Die einen arbeiten bis zum Umfallen und die anderen stehen beim Jobcenter.
Der Werksleiter hat schon so viele Werke durchlaufen, dass mancher sich fragt, ob er als „Abwickler“ eingestellt wurde?
Nach Sozialplan soll es für 70 Leute Altersteilzeit und Abfindungen geben. Die jahrelange Schichtarbeit, das von der Regierung unverschämt hoch angesetzte Rentenalter und die Arbeitsverdichtung in den Abteilungen lassen den einen oder anderen hoffen, damit aus der Mühle rauszukommen. Deshalb gehört der Kampf um die Arbeitsplätze mit den sozialen Bewegungen für eine andere Politik zusammen.
Für eine Absenkung des Rentenalters! Für die Verteidigung des Acht-Stunden-Tags! Den haben unsere Urgroßeltern mit einer Revolution erkämpft und wir sollen ihn heute für Kanzler Merz und die Monopole aufgeben?
Wir schaffen nicht nur die Werte in den Fabriken und in der Familie, wir müssen uns auch einmischen, wie die Zukunft aussehen soll.
Hella hat Abfindungen bis 100.000 Euro vor Steuern und Sozialabgaben in Aussicht gestellt. Das zeigt, dass sie sich nicht im Recht sehen und uns den Arbeitsplatz abkaufen wollen.
Der größte Hammer ist, dass 70 Leute nach Hamm versetzt werden sollen! Das ist eine Missachtung der Schichtbelastung, der Gesundheit, der Lebens- und Familienzeit von unserer Belegschaft. Gibt es in Hamm keine Leute, die Arbeit brauchen? Wir brauchen Arbeit in Recklinghausen. Was ist das Problem daran, Maschinen zu verlagern, statt Menschen? Wenn es wieder heißt, die Kosten für Genehmigungen und Zertifikate seien zu hoch, fragt einer nach den Kosten für die Kollegen und ihre Familien? Soll dann in der „sozial“ genannten Auswahl „Alter“ gegen „Kinder“, „Pflege“ gegen „Kilometer“ ausgespielt werden? Vom Druck ständiger Versetzungsgespräche ganz zu schweigen.
Sind die Autobahnen nicht voll genug?
Hella will das Ganze so schnell wie möglich bis Ende Februar unter Dach und Fach bringen. Der Betriebsrat war angetreten für Transparenz und hat kämpferische Aktionen angekündigt, falls Hella hart bleibt. Soll jetzt ohne eine Betriebsversammlung, ohne die Belegschaft zu Aktionen zu mobilisieren, abgeschlossen werden? Warum sollen wir uns plötzlich dem Arbeitsplatzabbau von Hella unterordnen? Erst muss die Belegschaft sprechen. Soll Hella über unsere Köpfe hinweg über unsere Zukunft entscheiden?
IG Metall und Betriebsrat können aufgrund restriktiver Gesetze nicht zum Streik um Arbeitsplätze aufrufen. Was sind das für Gesetze, die es erlauben, uns arbeitslos zu machen, aber nicht erlauben, dagegen zu streiken? Meint Merz dies, wenn er sagt: „Die Deutschen müssen mehr arbeiten“? Die AfD ist sogar mit dem Ziel angetreten, die Gewerkschaften zu halbieren. Brauchen wir die Gewerkschaft nicht mehr denn je? Muss nicht jeder Arbeiter heute in die Gewerkschaft?
Aktionen zum Schichtwechsel, eine Demo in der Stadt sind jederzeit möglich. Auch eine Betriebsversammlung oder Betriebsrats-Infostunden sind machbar. Der Kollege Matz kündigte es ja gegenüber Hella an: „Ob die Belegschaft aktiv wird, kann ich nicht sagen.“ Da sind wir am Zug. Wendet euch an eure IG-Metall-Vertrauensleute, an den Betriebsrat oder die IG-Metall-Verwaltungsstelle. Denn nur gemeinsam sind wir stark!