Bergkamen

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Grubenunglück vor 80 Jahren - Bergleute lebendig begraben?

Das schwerste Grubenunglück in der deutschen Geschichte ereignete sich am 20. Februar 1946 in Bergkamen auf dem inzwischen stillgelegten Bergwerk Grimberg.

Korrespondenz

Zum Gedenken und zur Ehrung der 405 getöteten Bergleute wurde ein Mahnmal errichtet. Und vorgestern, genau 80 Jahre später, trafen sich wie jedes Jahr hunderte von Bergkamenern - Bergleute, IGBCE-Vertreter, Knappenvereine, Musikkorps, örtliche Politikerinnen und Politiker - um der Opfer des Grubenunglücks zu gedenken. Es sind immer sehr bewegende Momente.

 

In den Reden wurde viel angesprochen: Das Bergwerk stand nach dem Sieg über den Hilter-Faschismus die NS-Diktatur unter der Kontrolle der britschen Besatzungsmacht. Aufgrund des Arbeitskräftemangels - durch Krieg sowie Verfolgung und Ermordung von Bergleuten; Bergkamen galt als "Kommunistenhochburg" - wurden auch Männer aus dem Gefangenenlager Oldeslohe hier zur Arbeit verpflichtet, vorwiegend russische Gefangene.

 

Besonders von den IGBCE-Rednern, aber auch von den RAG-Vertretern und örtlichen Politikern wurden die völlig unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen - extrem viel Kohlenstaub, fehlende Staubsperren, hohe Ausgasung - und besonders die extreme Ausbeutung auf dem Schacht hervorgehoben - "Kohle, Kohle, Kohle!" war die Devise.

 

Aber extrem wichtige Aspekte blieben nach wie vor im Dunkel. Schließlich kann man sich darauf berufen, dass die Bergbehörden sagen, es gebe keine Unterlagen mehr. Der Dokumentarfilmer Detlef Puls gab sich damit nicht zufrieden. Anhand von Unterlagen in britischen Archiven konnte er den Hergang des Unglücks und den Verlauf der durchgeführten Untersuchungen weitgehend nachvollziehen und in einem Dokumentarfilm verarbeiten: WDR Heimatflimmern, Mythos Grimberg - Lebendig begraben?

 

Kernaussage seines Films ist, dass mindestens über hundert noch lebende Bergleute eingemauert wurden, anstatt sie zu retten. Vermutlich wollte man keine Zeugen der verheerenden Zustände auf der Zeche haben, um die dafür Verantwortlichen zu schützen. Und da bei der Untersuchung politische Parteien ausgeschlossen waren, fiel es leichter, dies im Dunkeln zu halten. Man munkelte in der Stadt, der Ausschuss fürchte die kritischen Fragen des KPD-Vertreters.

 

Was damals genau geschah, wird also wohl nach 80 Jahren nicht mehr ans Licht kommen. Aber wir können daraus lernen, im Interessse aller Kumpel - Glückauf!