Gelsenkirchen

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Ein Politischer Aschermittwoch der besonderen Art

Der Politische Aschermittwoch der MLPD hatte am Mittwochabend in Gelsenkirchen viel Besonderes zu bieten.

Von ffz
Ein Politischer Aschermittwoch der besonderen Art
Spielten sich bei der Aschermittwochsrede kongenial die Bälle zu: Sarah Rißmann (links) und Gabi Fechtner (rechts) (rf-foto)

So begannen Gabi Fechtner, Parteivorsitzende der MLPD, und Sarah Rißmann, die sich kongenial die Themen zuspielend zusammen die Aschermittwochsrede vortrugen, als Erstes mit der Solidarität mit den Kollegen und Kolleginnen der Glashütte von Verallia in Essen-Karnap. Deren Werk, in direkter Nachbarschaft zum Kultursaal der Horster Mitte, wo der Politische Aschermittwoch stattfand, soll komplett zugemacht werden. Und das in einer Zeit, in der Glas als umweltfreundlicher Rohstoff dringender denn je gebraucht wird. Im Anschluss ließ es sich ein Verallia-Kollege auch nicht nehmen, auf die Bühne zu kommen, sich zu bedanken und zu erklären, dass diese Ankündigung der Verallia-Geschäftsführung von der Belegschaft nicht unbeantwortet bleiben wird.


Ein weiterer besonderer Programmpunkt war die Solidarität mit Owen Franke. Dem seit dreizehn Jahren in Deutschland lebenden, perfekt integrierten US-Amerikaner wurde aktuell von der Einbürgerungsstelle der Stadt Gelsenkirchen gedroht, seine Einbürgerung zu verweigern – obwohl er allen Anforderungen nachgekommen war und sich nichts zuschulden hatte kommen lassen. Der einzige Grund für die angedrohte Verweigerung: ein Interview mit dem Onlineportal Rote Fahne News der MLPD.


Beide Rednerinnen sprachen ihm die Solidarität aus. Es wurde an Ort und Stelle eine Spendenkampagne für ihn organisiert, denn die Einbürgerungsstelle will ihn für die angedrohte Verweigerung der Einbürgerung auch noch zur Kasse bitten. Es kamen 576,90 Euro zusammen. Owen Franke bedankte sich und versprach, mit der Unterstützung aller den Kampf um seine Einbürgerung zu führen.

 

In der Aschermittwochsrede machten Gabi Fechtner und Sarah Rißmann deutlich, dass 2026 tatsächlich das „Jahr der Entwirrung“ wird, wie Stefan Engel, der Leiter des theoretischen Organs der MLPD, es in seiner Mitternachtsansprache zu Silvester 2025 qualifiziert hatte. In einem weltweiten politischen Gärungsprozess bildet sich eine Einheitsfront gegen Faschismus, und Krieg, gegen den Abbau sozialer Errungenschaften und die Ausbeutungsoffensive in den Betrieben. In diesem Rahmen entwickelt sich eine neue antifaschistische Massenbewegung. Außerdem entstehen erstmals seit Jahren wieder international koordinierte Kämpfe und Streiks der Arbeiterklasse. Unter der Jugend bilden sich eine wachsende Offenheit für eine sozialistische Jugendbewegung und ein weltweiter Linkstrend heraus. Und es bilden sich viele neue Bündnisse gegen Faschismus, Krieg, Umweltzerstörung, an sozialen Fragen und im Kampf um demokratische Rechte und Freiheiten, in denen die MLPD aktiv mitarbeitet, wie zum Beispiel das breite antifaschistische Bündnis in Gelsenkirchen. Es wird deutlich, dass die Menschheit nicht in der imperialistischen Barbarei untergehen will.

 

In diesem Zusammenhang schlugen beide Rednerinnen den Bogen von der Hetze gegen Menschen, die in Teilzeit arbeiten, über Donald Trump, der die USA in eine faschistische Diktatur umbauen will, die akute Phase des Faschismus weltweit, den Widerstand gegen Trump in den USA und den Widerstand in Deutschland gegen die zunehmende Rechtsentwicklung der Bundesregierung. Über viele weitere Themen ging der Bogen hin zur Veränderlichkeit der Denkweise bei jedem Menschen, zur Verkommenheit des Imperialismus am Beispiel des Multimillionärs und Frauenschänders Jeffrey Epstein undzuer Notwendigkeit des Kampfes um den Sozialismus, um dieses verrottete System zu überwinden.

 

Viel Stoff für einen Politischen Aschermittwoch! Und Gabi Fechtner und Sarah Rißmann gelang es, mit zündender Polemik, vielen Beispielen und auch der nötigen Ernsthaftigkeit, den sehr gut gefüllten Kultursaal der Horster Mitte immer wieder zu Zwischenapplaus, Lachen und zum Nachdenken zu bewegen.

 

So führte Gabi Fechtner zum Beispiel aus, dass allein die Schlagzeilen der letzten Tage zeigen, dass die Agenda unserer Herrschenden an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist. Sie zählte auf: Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 70, Senkung der Steuern für Spitzenverdiener, und eine Kampagne gegen Arbeiter, sie würden zu wenig arbeiten. Im Anschluss legte sie offen, dass das für die Monopolpolitiker selber allerdings nicht gilt, denn Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder hat in seinem Amt nur an fünf Plenarsitzungen im Jahr 2023 teilgenommen. Stattgefunden haben stolze 30!


Auf die rhetorische Frage in den Saal, ob die Anwesenden wüssten, was einem Arbeiter bei solchen Fehlzeiten blüht, erhält sich vielfaches Kopfnicken. Aber schließlich hatte Söder ja auch Wichtigeres zu tun: zum Beispiel die Münchner Sicherheitskonferenz, die letzte Woche in seinem Freistaat stattfand. Mit 60 Staats- und Regierungschefs, sowie Militärs und Monopolkapitalisten kam dort die Crème de la Crème, das Who is Who der modernen Gesellschaft zusammen!


Lautes Gelächter aus dem Saal, als Gabi Fechtner und Sarah Rißman das Motto der Sicherheitskonferenz bekannt gaben: „Under Destruction“ – also in Zerstörung befindlich! Gabi Fechtner gab zu, dass sie diesen Titel bisher nur von einer Death-Metal-Band kannte, dass sie es allerdings als positiv betrachte, dass die herrschende Klasse endlich einmal solche treffenden Selbsteinschätzungen von sich gibt! Dieses Feuerwerk an Argumenten, Informationen und gelungener Polemik zog sich durch die ganze Rede.

 

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von Mitgliedern der Kölner Band Gehörwäsche, die zum Beispiel das Rheinhausen-Lied zur Unterstützung der Verallia-Kolleginnen und -Kollegen darboten, zusammen mit einem kleinen Chor den aktuellen Song von Bruce Springsteen, „Streets of Minneapolis“, und den Song „Bist du dabei“ anstimmten, der anlässlich des 40. Jubiläums der Gründung der MLPD entstanden war. Klaus Dumberger stimmte ein ganz und gar unheiliges "Gebet" an, während Sigrid Agbeley als "Guste" mit ihrer Enkelin „Jacqueline“ treffend über die Probleme des täglichen Lebens polemisierte.


Bei deftigem Essen gab es noch viele Diskussionen unter den Anwesenden. Körperlich und geistig gestärkt gingen alle mit vielen Anregungen zum Nachdenken und Handeln für die kommende Zeit in den Abend.